Höchstadt a. d. Aisch
Zusammenleben

Gemeinsam leben, Vorbild sein

Seit vier Wochen leben 18 Asylbewerber in der Engelgasse in Höchstadt. Die anfängliche Skepsis ihrer Nachbarn stellte sich als unbegründet heraus.
Zwei, die sich verstehen: Anton Gehr (rechts) und sein neuer syrischer Freund arbeiten Hand in Hand, wenn es um die Integration der Flüchtlinge in der Engelgasse geht. Foto: Tina Meier
Zwei, die sich verstehen: Anton Gehr (rechts) und sein neuer syrischer Freund arbeiten Hand in Hand, wenn es um die Integration der Flüchtlinge in der Engelgasse geht. Foto: Tina Meier
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Sehr zurückhaltend setzten sich die Asylbewerber aus der Engelgasse und die deutschen Anwohner zunächst in getrennten Grüppchen um die Tische des Cafés der Fortuna Kulturfabrik. Die Stadt hatte sie am Dienstag zu einem gemeinsamen Kennenlernabend zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
"Es ist ein gutes Signal für das Miteinander, dass auch Nachbarn gekommen sind", freute sich Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Als er die Anwohner im Juni über die Pläne der Stadt informiert hatte, waren diese zunächst nicht begeistert. Viele standen dem Projekt skeptisch gegenüber. Nun wohnen seit vier Wochen 18 Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Zu Problemen ist es bislang nicht gekommen. Im Gegenteil: "Es ist optimal, so wie es jetzt ist", berichtete ein Anwohner, der im Vorfeld auch seine Bedenken hatte. Nun hat man sich aneinander gewöhnt, das eine oder andere Wort gewechselt und lernt sich immer besser kennen.
Letzten Sonntag unternahmen die Höchstadter mit den Asylbewerbern eine gemeinsame Fahrradtour.


Fußball verbindet

Die gute Stimmung in der Engelgasse war auch an diesem Abend deutlich zu spüren. Den Anstoß für gemeinsame Gespräche gaben diesmal die Flüchtlinge, als sie sich ihre Stühle packten, um sich unter ihre deutschen Nachbarn zu mischen. Schließlich entstand eine Diskussion über verschiedene deutsche und internationale Fußballvereine, bei der viel gelacht wurde. Damit sich die Flüchtlinge Fußballspiele auch ansehen können, wurde ein Termin vereinbart, um ihnen das deutsche Fernsehprogramm zu erklären. Bestritten wurden die Gespräche in einem Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch mit viel Mimik und Gestik. Selbst wenn der Wortschatz an seine Grenzen stieß, verstand man sich irgendwie - ein Lachen ist international.
"Was wäre, wenn es deine eigene Familie wäre und was würdest du tun, um sie zu integrieren?", fragte sich Wolfgang Kümmeth, ein Mitglied des Helferkreises, der sich um die neue Unterbringung gebildet hat. Er berichtete, dass die Zusammenarbeit untereinander und mit den örtlichen Institutionen hervorragend klappe, sodass die Kinder mittlerweile in Schulen und Kindergärten aufgenommen sind und sich ein paar der älteren Flüchtlinge in Sportvereinen engagieren können. "Es macht mir wirklich Spaß - und es ist positiv, die Fortschritte zu sehen", so Kümmeth.

Majd Baradal wohnt auch in der Unterkunft. Der hilfsbereite 19-Jährige strebt ein Studium der Medizintechnik an und kann sehr gut Englisch sprechen. "Er ist der Anker und unterstützt bei der Kommunikation mit den anderen. Er war zum Beispiel als Vermittler bei den Gesprächen in den Kindergärten dabei", erklärte Kümmeth. Damit die Sprachbarriere immer weiter gesenkt wird, geben Mitglieder des Helferkreises auch Deutschunterricht. Eine von ihnen ist Birgitt Stach. "Die Sprache ist das Fundament. Wenn du dich nicht verständigen kannst, kannst du dich auch nicht integrieren", erklärte sie.
In der Engelgasse haben sich die Bedenken der Anwohner als unbegründet herausgestellt und das Zusammenleben klappt gut. Das allgemeine Flüchtlingsproblem aber bleibt. "Es sind weitere Unterbringungsmöglichkeiten in Planung", verkündete Gerald Brehm. Gleichzeitig soll neuer Wohnraum geschaffen werden, sodass Platz für alle ist, aber kein Platz für soziale Spannungen, externe Investoren oder Preisexplosionen am Wohnungsmarkt. Die Steuerung möchte die Stadt in der Hand behalten. "Wir haben eine Verantwortung und wollen ein Vorbild sein", erklärte Brehm, der den Zwiespalt zwischen Mitmenschlichkeit und den immer sichtbarer werdenden Grenzen sieht - den Grenzen der Unterbringung, Betreuung und Akzeptanz in der Bevölkerung. Nur wenn alle drei Komponenten erfüllt werden können, funktioniert ein friedliches und herzliches Zusammenleben, wie in der Engelgasse.


Wer will helfen?

Fernseher, Receiver, eine zweite Waschmaschine und ein Wäschetrockner werden momentan in der neuen Unterkunft benötigt. Wer helfen kann, möchte sich bei Günter Brehm melden: 09193/626128. Im nächsten Amtsblatt wird eine Rubrik aufgenommen, die über weitere Dinge informiert, die dringend benötigt werden.