Mit Kriegsbeginn im August 1914 waren viele überzeugt, dass die siegreichen Soldaten bis Weihnachten 1914 wieder daheim sein würden. Der Falkendorfer Dichter Michael Kreß hat die gewandelte Stimmung um die Jahreswende 1914 in einem Gedicht zusammengefasst.

Michael Kreß wurde am 12. Februar 1843 in Falkendorf geboren. Wissensdurst und schulischer Eifer zeichneten ihn aus, allerdings blieb ihm als einzigem Sohn eines wenig begüterten Bauern der Besuch einer höheren Schule verwehrt. Trotz der harten körperlichen Arbeit auf dem elterlichen Hof lernte er als Autodidakt Latein und Griechisch verstehen, neue Sprachen wie etwa Französisch sprechenund auch die Naturwissenschaften beschäftigten den aufgeweckten Jungen.


Mit 23 Jahren in den Krieg

Im Krieg der süddeutschen Staaten gegen Preußen 1866 war er als Angehöriger des 7. Infanterie-Regiments dabei. Nach der glücklichen Rückkehr übernahm er 1869 das elterliche Anwesen. Am 21. Juni 1870 heiratete er Elisabetha Zeilinger aus Ebersbach. Kaum vier Wochen nach seiner Eheschließung wurde er wieder zu den Waffen gerufen. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 führte ihn von Weißenburg über Würth und Sedan vor Paris. Hier kamen ihm seine französischen Sprachkenntnisse zugute. Es entstanden Gedichte, die er "Feldzugsgedichte" nannte.


Politisch engagiert

Nach der Rückkehr wurde er 1877 zum Bürgermeister von Falkendorf gewählt. 1898/1890 und 1905/1906 wurde er als Mitglied in den "Oberfränkischen Landrat" berufen.

Am 3. Februar 1903 erhielt er die silberne Medaille des Verdienstordens der Bayerischen Krone, was er mit einem eigenen Gedicht kommentierte. 1916 wurde er mit dem Ludwigskreuz und dem Luitpoldkreuz geehrt. 1923 legte Kreß sein Bürgermeisteramt nieder, 1924 die Mitgliedschaft im landwirtschaftlichen Bezirksverein.

Da sein Sohn Konrads im Kindesalter verstorben und die Tochter Anna Marta in Oberreichenbach verheiratet war, verbrachte er seinen Lebensabend als Austrägler bei fremden Leuten. Er klagte nur wenige Tage über Schmerzen, erlitt am Mittwochabend einen Schwächeanfall und schlief am Donnerstagmorgen, 21. Februar 1929, friedlich ein, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Von seinen Gedichten wurden zwei Bände veröffentlicht. Die erste Zusammenfassung erschien 1912 unter dem Titel "Leier Schwert und Pflug" bei Anna Debler in Herzogenaurach. Eine zweite Auflage wurde 1926 gedruckt.

Stark geprägt war Kreß durch seine Erfahrungen als Soldat im deutsch-französischen Krieg von 1870/1871. In dieser Zeit schrieb der fränkische Poet viele patriotische Feldzugsgedichte. Auch in dieser Lyrik wird seine Liebe zur Heimat deutlich. "Nicht das Fremde kann beglücken, nur das Heimische ist schön", schrieb Kreß in der Ferne.


Wie bei uns

Er beschrieb die Schönheit der französischen Landschaft, kehrt in Gedanken aber in die Heimat zurück, so in seinem Gebet vor der Schlacht bei Sedan.

In seinem Gedicht "Comme chez nous" (Wie bei uns) beschreibt er den Frühling im April 1871 in Mondollot und stellt viele Übereinstimmungen mit der Heimat fest.
Kriegslyrik von Michael Kreß