Das hätte sich Dekan Kilian Kemmer nicht träumen lassen: Innerhalb von nur zwei Stunden waren am Dienstagabend die Bänke aus dem Mittelschiff der Stadtpfarrkirche St. Georg ausgeräumt. Besser hätte die Innenrenovierung des Gotteshauses nicht anlaufen können.

Völlig überrascht hat dabei die Zahl der freiwilligen Helfer, die dem Aufruf gefolgt waren. Bei Koordinator Hans Häfner hatten sich anfangs zwar nur einige wenige angemeldet, am Abend waren es dann plötzlich um die 30 Menschen, die alle mit anpackten. Darunter auch eine Gruppe Jugendlicher aus der Spix-Mittelschule, die sich übers Internet zusammengefunden hatte. Schnell war die zentnerschwere Bestuhlung abgebaut. Die Podeste bleiben liegen und werden - sofern nötig - an Ort und Stelle saniert.


Ein Hauch von Trauer

Besonders gefreut hat es den Dekan, dass die Familie Zwingel spontan ihr Gebäude des ehemaligen Rewe-Marktes in Höchstadt-Süd für die Einlagerung der Bänke zur Verfügung stellte. Den schnellen Transport nach Süd erledigte Hobby-Rennfahrer Johannes Riegler mit zwei Anhängern, auf denen sonst Rennautos transportiert werden. Auch Peter Baier stellte von Auto Wormser einen Transporter zur Verfügung.

Dekan Kemmer sieht in der großen Hilfsbereitschaft "eine wahnsinnige Identifikation" der Gläubigen mit ihrer Kirche. Er bemerkte am Wochenende in allen Gottesdiensten einen Hauch von Trauergottesdiensten.

Ursprünglich waren für den Ausbau der Sitzgelegenheiten mehrere Tage geplant. Die Bänke in den beiden Seitenschiffen sollten drin bleiben. Nachdem der erste Teil aber so gut geklappt hat, entschloss man sich, auch die Seitenschiffe leer zu räumen, was die Renovierungsarbeiten wesentlich erleichtert.

Für den Ausbau der Bänke in den Seitenschiffen werden jetzt am kommenden Samstag noch einmal freiwillige Helfer gesucht. Treffpunkt für diese Arbeit ist um 8.30 Uhr an der Kirche.

Die letzte Renovierung der Stadtpfarrkirche liegt 33 Jahre zurück, vor 20 Jahren bekam der Innenraum letztmals einen neuen Anstrich. Die seitdem entstandene Verschmutzung ist für die Fachleute normal. Allerdings habe man in der Kirche ein Umluft-Problem, sagt Dekan Kemmer. Das soll durch den Einbau einer automatischen Belüftungsanlage behoben werden. In der auf 1,6 Millionen Euro veranschlagten Renovierung ist auch eine Rundum-Erneuerung der Technik enthalten.


Risse schon 50 Jahre alt

Statiker Thomas Leyh hat sich im Vorfeld um das "konstruktive Gefüge" der Kirche gekümmert. Zu der offensichtlichen Rissbildung im Chorbereich gibt er Entwarnung. Seit zweieinhalb Jahren sind spezielle Rissmonitore installiert, die feststellen, ob sich etwas bewegt. Das sei nicht der Fall, versichert der Statiker. Die Risse habe es vor 50 Jahren schon gegeben. Sie sollen jetzt verfüllt und mit einer Rissbrücke verklammert werden.
Beseitigt werden müssen dagegen Schäden im Dachbereich über den Seitenschiffen.