Das Unwetter am Sonntagabend hat den Raum Höchstadt weitestgehend verschont. Doch wenn sich draußen der Himmel schwarz färbt und im Radio die Landkreise verlesen werden, die es treffen könnte, schauen aktive Feuerwehrleute mit gemischten Gefühlen aus dem Fenster. Denn ein Einsatz bei Sturm, Gewitter und Starkregen kann schnell gefährlich werden, wie der Tod eines Feuerwehrmanns in der Unwetternacht in Schwäbisch Gmünd tragisch vor Augen führt.

Den einzigen Einsatz im Aischgrund hatte die Zentbechhofener Feuerwehr. Sie wurde um 4.39 Uhr alarmiert. Ein größerer Nadelbaum war auf die Straße zwischen Herrnsdorf und Zentbechhofen nahe der B505-Brücke gestürzt. Mit neun Mann und sieben Mann in Bereitschaft habe man innerhalb einer halben Stunde den Weg wieder frei gemacht, sagt der Zentbechhofener Kommandant Matthias Schmitt, der gleichzeitig auch bei der Höchstadter Feuerwehr dabei ist.
Keine größere Sache. "Eigentlich Standard bei Unwettern."

Ein Feuerwehrmann sei immer in Bereitschaft. "Man hat immer einen Stapel mit Kleidung parat liegen, falls man nachts mal raus muss. Wenn sich ein Sturm ankündigt, schaut man vorm Schlafengehen noch ein zweites Mal, ob alles griffbereit ist", sagt Schmitt.

Sein Kollege von der Adelsdorfer Feuerwehr, Jürgen Hörrlein, kennt dieses Gefühl ebenfalls. "Am Sonntagabend bin ich schon mal vor die Haustür, um den Himmel zu beobachten." Ein mulmiges Gefühl mache sich schon breit. Wenn es dann tatsächlich eine Wetterwarnung für den Aischgrund gibt, bekommt er eine SMS von der Bayerischen Versicherungskammer, in der mit Postleitzahl der betroffenen Gebiete, Zeitraum des Unwetters und Warnstufe informiert wird.


Wird zu oft und heftig gewarnt?

"Wir sind über die Gemeinde Adelsdorf bei dem Service der Versicherung angeschlossen", sagt Hörrlein. Der Dienst sei wesentlich besser als andere Wetterwarner, etwa die im Internet. "Die gehen schneller in die Warnstufe rot oder violett", sagt Hörrlein. Denn zu viel Warnung sei eben auch nicht gut. Dieser Meinung ist auch Wolfgang Glotz, Kommandant in Höchstadt. Es bestehe die Gefahr, dass zu oft und zu heftig gewarnt wird. Wenn dann (zum Glück) wieder mal nichts passiert ist, könne es sein, dass die Menschen abstumpfen vor lauter Panikmache.

Glotz bekommt Unwettermeldungen mit einer SMS vom Deutschen Wetterdienst. Wenn die Integrierte Leitstelle in Nürnberg einen konkreten Alarm heraus gibt, heißt es dann zum Beispiel THL1. Das bedeutet "Technische Hilfeleistung erster Stufe". Bei Unwetter heißt das: Keller voll, Straße überflutet, Baum umgestürzt.

Besonders schlimm sei THL2 mit dem Kürzel P, sagt Hörrlein. Das P steht für Person. Dann heißt es Menschen retten. Als Einsatzleiter, Zug- oder Gruppenführer habe man eine hohe Verantwortung. Denn auch die Sicherheit der eigenen Leute müsse immer im Blick sein. Der Einsatzleiter beurteilt die Lage vor Ort und entscheidet in Extremsituationen, ob es zu gefährlich für die Einsatzkräfte wird.


Erinnerungen an Baiersdorf 2007

In seinen 35 Jahren bei der Feuerwehr, 25 davon als Kommandant, hat der 50-jährige Hörrlein schon etliche stärkere Unwetter erlebt. Nicht ganz in dem Ausmaß wie am Sonntag in Baden-Württemberg, Neustadt und Ansbach, aber Keller unter Wasser und umgestürzte Bäume, das kennt auch er. Er erinnert sich noch an das Hochwasser in Baiersdorf 2007, als die Pumpen drei Tage lang liefen. Und er war auch mit dabei, als 2010 bei einem Hochwasser die Laufer Mühle evakuiert werden musste.


Hilfe: ja, Leichtsinn: nein

"Das war schon eine brenzlige Situation, als die Kollegen durchs Wasser sind und die Strömung so stark war", sagt Hörrlein. Als Einsatzleiter sei man dann gefordert. "Man muss auf seine Leute achten." Keiner dürfe aus zu viel Hilfsbereitschaft leichtsinnig werden.
Bei der Feuerwehr, wie in Betrieben auch, gibt es Unfallverhütungsvorschriften, um das Leben der Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Glotz betont: Sicher, bei Lebensrettung könne nicht auf jede Vorschrift geachtet werden. Trotzdem: "Das Problem gibt es, dass manche ab und zu etwas leichtsinnig rausgehen und Grundregeln vergessen."

Als Zugführer oder Einsatzleiter habe man einen Blick darauf. Dafür sei man extra geschult. "In einen Raum, der von Wasser geflutet ist, gehen wir nur mit Schwimmweste und angeleint rein", sagt Glotz. Eine andere wichtige Kenntnis bei Unwetteralarm sei der Motorsägenführerschein. Der Umgang mit Pumpen sei schon Teil der Grundausbildung. Dazu gibt es noch eine Elektroschulung. Denn wenn ein Keller unter Wasser steht, kann nicht ausgeschlossen werden, ob der FI-Schalter gesprungen ist, oder ob Strom anliegt.

Dass die Kameraden zu Hause von den Partnern gebeten werden, bitte nicht bei Wind und Wetter zu gehen, das habe man noch nicht wahrgenommen, so der Tenor unter den drei Kommandanten. Beim Adelsdorfer Hörrlein und dem Zentbechhofener Schmitt sind besorgte Ehefrauen sowieso kein Thema. Denn auch sie sind bei der Feuerwehr und sind für den Ernstfall gerüstet, wenn sich wieder einmal die Wolken gefährlich schwarz zusammenziehen.