Zwei Brände in der Flüchtlingsunterkunft im Lappacher Weg haben in der Nacht zum Donnerstag nicht nur die Höchstadter Feuerwehr beschäftigt, sondern sind ein Fall für die Kriminalpolizei geworden. Derzeit gehen die Ermittler von Brandstiftung aus.

Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilt, setzte ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes um 0.45 Uhr einen Notruf ab, es komme in der Gemeinschaftsunterkunft zu Rauchentwicklung. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst eilten in den Lappacher Weg.

Bewohner und Sicherheitspersonal löschen Brand

Dort stellten die Einsatzkräfte fest, dass in einer Gemeinschaftsküche im ersten Obergeschoss ein Feuer ausgebrochen war. Bei Eintreffen der Feuerwehr war dieses bereits weitestgehend gelöscht. Bewohner und das Sicherheitspersonal, das sich rund um die Uhr auf dem Gelände aufhält, hatten den Brand mit zwei Schaumlöschern in den Griff bekommen.

Die völlig zerstörte Gemeinschaftsküche ist abgegrenzt von den Wohnräumen. Dies teilt Kreisbrandmeister Sebastian Weber mit.

Da das Gebäude stark verraucht war, konnten die Feuerwehrleute nur unter schwerem Atemschutz in die Räume vordringen, wo die Einsatzkräfte mit Kleinlöschgerät und Wärmebildkameras die abgebrannte Küche kontrollierten. Parallel wurde das zweistöckige Gebäude mit zwei Hochleistungslüftern entraucht.

Wohnheim wurde evakuiert

Das Wohnheim wurde vorübergehend evakuiert. Die 104 Bewohner verfolgten den Einsatz im Freien. Kurze Zeit später konnten nicht betroffene Gebäudeteile zügig wieder bezogen werden. Das Feuer hatte sich jedoch so ausgedehnt, dass Teile der Gipskartondecke von der Feuerwehr geöffnet werden mussten, um potenzielle Gefahren eines unentdeckten Schwelbrandes in der Isolierung ausschließen zu können. Nach Angaben von Kreisbrandmeister Weber wurden beim Brand insgesamt vier Personen verletzt. Einer davon ist ein Angestellter des Sicherheitsdienstes, der eine Rauchgasvergiftung und Verbrennungen erlitt. Laut Polizei handelte es sich um leichtere Verletzungen. Nach einer Stunde konnte die Feuerwehr den Ort des Geschehens wieder verlassen.

Zweiter Alarm nur Minuten später

Die Einsatzkräfte hatten ihr Gerät gerade wieder im Feuerwehrhaus verstaut, da kam keine zehn Minuten später erneut ein Feueralarm. Wieder meldete die Leitstelle: Brand im Asylbewerberwohnheim Lappacher Weg. Die Feuerwehr rückte ein zweites Mal aus.

Es stellte sich heraus, dass ein Papiermülleimer in einer anderen Küche - ebenfalls im ersten Stock - in Flammen stand. Diesmal jedoch in geringerer Ausdehnung, wie Kreisbrandmeister Weber mitteilt. Auch hier war laut Polizeibericht der Sicherheitsdienst bereits mit Feuerlöschern tätig geworden. Wegen der unterschiedlichen Brandherde in zeitlich engem Zusammenhang geht die Kriminalpolizei von Brandstiftung aus und ermittelt nun. Der Kriminaldauerdienst sicherte Spuren.

Berichte, einige Bewohner hätten durch laute Zurufe und Unruhe einen bedrohlichen Eindruck auf die Einsatzkräfte gemacht, kann Benjamin Obexer, Kommandant der Höchstadter Feuerwehr, gegenüber dem Fränkischen Tag nicht bestätigen. Die Bewohner hätten im Freien aufs Ende des Einsatzes gewartet und sich dabei den Umständen entsprechend zwar aufgeregt, aber kooperativ verhalten, so Obexer. Lediglich ein Mann sei unangenehm aufgefallen.

Mann verhält sich auffällig

Diese Person wurde schließlich auch vorläufig verhaftet. Wie die Polizei mitteilt, habe der 26-jährige Bewohner der Unterkunft die Arbeit der Einsatzkräfte gestört und sich uneinsichtig gezeigt. Er sei zudem stark betrunken gewesen. Wegen seines "psychisch auffälligen Zustandes" sei er in eine Fachklinik gebracht worden, teilt Janine Mendel, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken, mit. Ob er womöglich mit der Brandstiftung in Verbindung steht, werde derzeit geprüft.

Am Brandort waren der Löschzug der Feuerwehr Höchstadt mit etwa 20 Kräften, zwei Rettungswagen aus Höchstadt und Schlüsselfeld mit Einsatzleitung, ein Notarzt sowie Beamte der Polizeiinspektion Höchstadt und des Kriminaldauerdienstes.

Schaden von 30 000 Euro

Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen der Polizei auf circa 30.000 Euro. Zuständig für die Einrichtung ist die Regierung von Mittelfranken. Pressesprecher Martin Hartnagel teilt mit, am Donnerstag seien Behördenvertreter zu einer ersten Begutachtung des Schadens vor Ort gewesen. Es gebe zusätzlich zu der jetzt zerstörten vier weitere Gemeinschaftsküchen. 60 Bewohner teilen sich diese. 44 Bewohner leben in neun abgeschlossenen Wohnbereichen mit eigener Küche. Es bestehe demnach keine akute Notlage für die Bewohner.