"Eine Differenz unter zehn ist unser Ziel", verkündete die Gremsdorfer Mannschaft vor dem Spiel noch einstimmig. Bereits in den Wochen vor der Begegnung habe sich der angekündigte hohe Besuch auf die Trainingsbeteiligung der Mannschaft der Alten Herren (AH) ausgewirkt. "Es wurde zwar nach wie vor nur einmal wöchentlich trainiert - dafür sind aber viel mehr Spieler zu den Einheiten erschienen", berichtet der Vereinsvorsitzende Erich Geyer.

"Da wir lange nicht wussten, wer für Nürnberg auf dem Rasen stehen wird, konnten wir uns auch nicht auf bestimmte Gegner vorbereiten", erklärt Ersatztorwart Stefan Langer. Junge Unterstützung holte sich sein AH-Team, das ansonsten aus Spielern im Alter zwischen 30 und 55 Jahren besteht, von Kickern der Ersten Mannschaft.


Der Spaß stand im Vordergrund

Nach den ersten Spielminuten zeigte sich Langer zufrieden mit dem Einsatz seines Teams: "Wir sind froh, wenn wir einigermaßen mithalten können, und bisher sieht es auch nicht schlecht aus für uns. Wir waren schon ein paar Mal im Strafraum der anderen", sagte der Gremsdorfer und fügte schmunzelnd hinzu: "Vielleicht macht ihnen ja die Wärme zu schaffen".

Dass die Nürnberger Elf diese Hoffnung schnell im Keim ersticken würde, wurde jedoch noch vor der Halbzeitpause klar, zu der es bereits 0:7 aus Sicht der Gastgeber stand. Während auf Seiten der Gremsdorfer aber ohnehin der Spaß im Vordergrund stehen sollte, gingen die Nürnberger Ex-Profis diese Begegnung der besonderen Art mit etwas größerem Ehrgeiz an. "Keiner von uns möchte hier etwas herschenken. Natürlich wollen wir gewinnen", betonte Michael Wiesinger.


Trainer beim SV Elversberg

Er bestritt während seiner Profikarriere insgesamt 292 Spiele für den 1. FCN, Bayern München sowie den TSV 1860 München. Mit Bayern München wurde er 2001 sogar Champions League-Sieger. Unlängst wechselte er als Trainer zum Regionalligisten SV Elversberg. Mit dem Traditionsteam seines ehemaligen Clubs, das aus zahlreichen namhaften Ex-Profikickern besteht, absolviert der 42-Jährige aktuell mehrere solcher Fußballspiele in der Region.

Die Fans in Gremsdorf freuten sich besonders auf diesen berühmten Fußballer. "Seine aktive Bundesligazeit ist noch nicht so lange her. Da ist es natürlich schon interessant zu sehen, wenn jemand wie er auf dem Platz steht", findet Stefan Langer.

Wiesinger selbst lobte nicht nur die reibungslose Organisation des Events in Gremsdorf, sondern auch den herzlichen Empfang durch die rund 160 Besucher: "Man merkt, dass die Leute einen gern sehen und das motiviert natürlich."

Einer der vielen "Glubb"-Fans vor Ort war Rudolf Hubert. Er hatte in den 1970er Jahren selbst drei Jahre lang für den SC Gremsdorf gespielt und drückte seinem ehemaligen Verein deshalb am Freitagabend auch die Daumen. Am Spielfeldrand erschien er trotzdem in voller FCN-Fanmontur. "Am meisten hatte ich mich eigentlich auf Marek Mintal gefreut", berichtet der heutige Stegauracher. Dieser habe jedoch kurzfristig doch nicht erscheinen können. Insgesamt fiel sein Urteil für die Mannschaftsleistung des SC mäßig aus. "Letztes Jahr haben sie besser gespielt", resümierte Hubert bereits nach der ersten Halbzeit und sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten.


1:13 am Ende der Partie

Schon im vergangenen Jahr hatten die Club-Legenden mit ihrem souveränen 9:1-Sieg bewiesen, dass sie seit Ende ihrer Karriere nichts verlernt haben. In diesem Jahr legten sie sogar noch eine Schippe oben drauf. 1:13 stand es am Ende der Partie aus Sicht der Gremsdorfer. Die hatten immerhin in der 67. Spielminute beim Treffer durch Robert Schmitt Grund zum Jubeln.

Gleich vier Mal traf Thomas Ziemer für das FCN-Traditionsteam. Drei Mal beförderte Stephan Giesbert den Ball in das Gremsdorfer Netz. Ebenfalls zu den Torschützen auf FCN-Seite gehörten Bernd Müller, Jugendspieler Steffen Mehl und Tomas Galasek. Und auch Michael Wiesinger trug mit seinem Elfmeter in der 63. Minute zum Erfolg des Teams von Dieter Nüssing bei.


Daumen gedrückt

Als ältester Akteur stand Steff Reisch auf dem Platz. Der heute 73-Jährige ist eine echte "Glubb"-Legende. 1961 verhalf er der Mannschaft zur deutschen Meisterschaft. Im Jahr darauf gewann das Team mit ihm den DFB-Pokal. Das alles geschah noch lange vor der Zeit von Luis Amtmann. Der Sechsjährige war einer der jüngsten Fans am Spielfeldrand. Auch er trug ein Club-Trikot, drückte an diesem Abend aber ausnahmsweise den Gegnern die Daumen. Und das hatte seinen Grund: "Mein Papa spielt heute mit."

Achtmal sei er bereits im Nürnberger Stadion gewesen, berichtet der junge Fußballfan stolz. Dass die Stars sich nun auch einmal in seiner Heimat blicken ließen, freute nicht nur ihn, sondern auch alle anderen, die an diesem Abend noch ein Autogramm ergatterten. Die hohe Niederlage war zu diesem Zeitpunkt auch schon fast wieder vergessen.