Jeder hat sie, doch kaum einer kennt sie: Faszien. Was bei Profisportlern wie Bastian Schweinsteiger und Dirk Nowitzki längst an der Tagesordnung ist, findet langsam aber sicher seinen Weg in die Fitnessstudios der Region. Eine Vorreiterin auf dem Gebiet des Faszientrainings ist Sabine Gerner, Betreiberin des Kursstudios am Höchstadter Freibad. Sie hat kürzlich eine Ausbildung in diesem Bereich absolviert und möchte ihr Wissen und Können nun an die Hobbysportler in ihrem Studio weitergeben.

"Faszien schaffen viel mehr als Muskeln", weiß Gerner. Dabei bezeichnen Faszien das, was der Laie gemeinhin unter Bindegewebe versteht: ein umhüllendes Netz, das die menschlichen Organe schützt und dem Körper Halt gibt. Ein gut funktionierendes Fasziennetz verspricht deshalb nicht nur höhere Leistungsfähigkeit, sondern auch effektiven Schutz vor Verletzungen sowie schnellere Regeneration.

"Faszien stellen neben Knochen und Muskeln die dritte wesentliche Struktur des Bewegungsapparats dar, deren Bedeutung man erst in den letzten Jahren erkannt hat", berichtet Sportwissenschaftler und Physiotherapeut Dr. Simon von Stengel vom Institut für Medizinische Physik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Er begrüßt die aktuelle Entwicklung sehr: "Besonders in der Osteopathie werden Störungen im Bereich des Fasziengewebes schon lange mit speziellen Techniken behandelt. Schließlich können Veränderungen in diesem Bereich Beschwerden verursachen und die sportliche Leistung reduzieren. Deshalb ist der neue Trend, gezielt die Funktionsfähigkeit der Faszien durch spezielle Übungen zu optimieren, als sehr sinnvoll einzustufen."

Ihren Kunden erklärt Fitnessexpertin Sabine Gerner die komplexe Faszienstruktur am liebsten mithilfe eines Taschentuchs: "Im Idealfall fließen die Bewegungen nämlich gleichermaßen weich und stabil - das ist aber in der Realität nur bei Neugeborenen der Fall." Trainiert werden können Faszien auf unterschiedlichste Weise. Vor allem unkonventionelle Bewegungsabläufe fördern die Flexibilität.

Besonders beliebt sind aber auch Übungen mit so genannten Faszienrollen aus Schaumstoff mit verschiedenen Härtegraden. "Gerade wer viel Sport treibt, hat auch mit so genannten Verklebungen zu kämpfen", berichtet Sabine Gerner aus eigener Erfahrung. Wie schmerzhaft Übungen mit der Rolle sein können, musste auch sie bei ihrer Ausbildung feststellen: "Das Ausrollen ist gerade an den Beinseiten ein extremes Gefühl. Aber es wird besser mit der Zeit."

Das weiß auch Renate Ruhmann aus Gremsdorf. Sie hat sich bereits zweimal an der Rolle ausprobiert und findet den Schmerz sogar angenehm - "wie nach einer guten Massage". Ähnliche Erfahrungen hat auch Uli Thomas gemacht. Die Lonnerstadterin hat bereits seit längerer Zeit mit Problemen in der Lendenwirbelsäule zu kämpfen und kann sich durch das Faszientraining inzwischen besser dehnen.

Den Grund kennt von Stengel: "Die Funktionsfähigkeit der Faszien, die man durch Training beeinflussen kann, ist ganz entscheidend für die Funktion unseres Bewegungsapparats und damit für das körperliche Wohlbefinden." Und auch die jüngere Sportlergeneration kann etwas mit dem neuen Fitnesstrend anfangen.
"Man merkt schnell, wie viele Verspannungen man hat, die sich dadurch lösen", sagt die 23-jährige Vicky Prinz und ergänzt lachend: "Zehn Minuten Training sind aber für den Anfang genug."

Anders sieht das Mechthild Göderer. Sie empfindet das Faszientraining als eine "ganz neue körperliche Erfahrung, die auch viel Spaß macht" und hat vor, am Faszienkurs teilzunehmen, der schon bald im Kursstudio angeboten werden soll.

Momentan versucht Studioleiterin Sabine Gerner ihre Kunden noch in anderen Stunden auf dieses spezielle Training vorzubereiten. "Verschiedene Dehnungs-, Balance- und Stabilisierungsübungen kann man beispielsweise in Bauch-Beine-Po-Stunden auch ohne Rolle einbauen", erklärt sie.

Beim Stabilisationstraining würden sich dann beispielsweise auch alte Narben bemerkbar machen. "Solche Dinge beeinträchtigen die Faszien.

Das führt dazu, dass beispielsweise ein Nabelbruch an einer ganz anderen Körperstelle schmerzhaft werden kann", schildert Gerner. "Faszienstörungen können vor allem zu orthopädischen Beschwerden führen und äußern sich häufig in Rücken-, Nacken- , oder Gelenkschmerzen. Diesen Beschwerden kann man durch gezieltes Training vorbeugen", weiß auch Simon von Stengel.

Auch das Hauptaugenmerk von Studioinhaberin Sabine Ger ner liegt auf gesundheitlichen Gesichtspunkten. Denn auch wenn etliche Ratgeber Faszientraining zur Bekämpfung von Cellulite oder gar zur Verhinderung des Alterungsprozesses an sich empfehlen, lässt Gerner Schönheitsaspekte lieber außen vor. Im Faszientraining sieht sie deshalb auch nicht unbedingt einen Trend, sondern findet vielmehr: "Was meinem Körper gut tut, wird auch in 20 Jahren nicht aus der Mode kommen."