Vom Festival-Veranstalter zum Corona-Test-Versorger: "Angefangen hat alles mit 1000 Masken" - mittlerweile hat der "Open Beatz"-Mitveranstalter Kingline schon über 100 Millionen Corona-Utensilien besorgt und versorgt aktuell ganz Deutschland damit. "Das ist ganz schön explodiert", erklärt Inhaber Lion Heuschkel. Statt Festivals und Veranstaltungen zu organisieren, kümmert sich die Kingline GmbH seit geraumer Zeit um die Versorgung mit medizinischen Utensilien in der Covid-19-Pandemie.

Vor der Corona-Krise war Kingline in der Veranstaltungsbranche aktiv: "Wir betreiben Discotheken, Festivals wie das 'Open Beatz' oder 'New Horizons Festival'", erzählt Heuschkel. Mit Beginn der Pandemie musste man sich jedoch plötzlich damit abfinden, "dass wir erstmal arbeitslos sind. Wir hatten Existenzängste." Über mehrere Wochen hinweg herrschte Rat- und Tatlosigkeit, so Heuschkel. "Mitarbeiter mussten sich andere Arbeit suchen oder wurden in Kurzarbeit geschickt."

Festival-Veranstalter in der Corona-Versorgung: "Wir beliefern ganze Bundesländer"

Man habe es mit Charity-Veranstaltungen, Livestreams und anderen Spendenaktionen versucht - "aber schnell gemerkt, dass wir damit nicht helfen und die Situation nicht verbessern können." Wegen des allgemeinen Mangels an Hilfsgütern im letzten Jahr beschloss Heuschkel jedoch, "einfach mal 1000 FFP2-Masken von einem Bekannten aus China zu bestellen." Diese wurden regional zur Verfügung gestellt - "und dann explodierte das Ganze."

"Wir hatten keine Ahnung von den Dimensionen, die auf uns zukamen." Unzählige Sattelzüge seien anfangs zu Heuschkel ins Wohngebiet gefahren und nicht mehr herausgekommen, "auch ein paar Zäune der Nachbarn mussten darunter leiden", schmunzelt der Kingline-Eigentümer. "Wir hatten ja auch von Tuten und Blasen keine Ahnung!" Man habe sich jedoch arrangiert und mittlerweile mehr als 100 Millionen Teile, von FFP2-Masken und anderen medizinischen Utensilien bis zuletzt vor allem Corona-Tests importiert und bundesweit verteilt. "Wir beliefern ganze Bundesländer, Schulen, Kitas oder auch den Einzelhandel, Edeka, Lidl, alles."

"Jeden Tag landen überall in Deutschland Flugzeuge, das nimmt auch kein Ende", meint Heuschkel. Von China bis Deutschland seien in die Lieferkette mittlerweile mehr als 3000 Mitarbeiter involviert. Man spende auch verschiedene Utensilien. "Aktuell führen wir Gespräche mit Hilfsorganisationen in Indien. Die Situation dort ist höchst katastrophal." Grund für die große Zahl an Neuinfektionen ist die neue indische Corona-Variante - auch in Deutschland wurde die Mutation bereits nachgewiesen. 

 Sonst "würden wir wahrscheinlich vor der Pleite stehen"

Der Umstieg des Festival-Veranstalters auf Corona-Utensilien sei auch für das Unternehmen hilfreich. "Wenn wir nicht so wandelbar gewesen wären, würden wir wahrscheinlich vor der Pleite stehen - wie viele andere aus der Veranstaltungsbranche."

"Rock im Park" wurde für dieses Jahr abgesagt. Die Planungen für 2022 laufen dafür auf Hochtouren - der Vorverkauf hat bereits begonnen. Auch das Line-up mit den ersten 27 Bands und Künstlern ist schon bekannt.