Erlangen
Mutterliebe

Fall außergewöhnlicher Mutterliebe in Erlangen - 70-Jährige spendet ihre Niere

Eine 70-Jährige hat im Universitätsklinikum Erlangen eine ihrer Nieren an ihre Tochter gespendet. Damit hat die Rentnerin ihrer Tochter zum zweiten Mal das Leben geschenkt.
Erlangen: Mutter spendet mit 70 Jahren ihre Niere - weil sie ihrer Tochter helfen möchte
Nach der erfolgreichen Nierentransplantation im Universitätsklinikum Erlangen sind Mutter und Tochter glücklich. Ariella hat ihre Lebensfreude zurückgewonnen. Foto: Universitätsklinikum Erlangen
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  • Universitätsklinikum Erlangen: 70-jährige Rentnerin spendet Niere an ihre Tochter 
  • 50-Jährige leidet an chronischer Nieren-Erkrankung 
  • "Bevorstehende Dialyse war für mich der blanke Horror": Spende wahrt Tochter Lebensqualität 

Das Universitätsklinikum Erlangen berichtet von einem Fall außergewöhnlicher Mutterliebe: Wenige Tage vor ihrem 71. Geburtstag spendete Eveline Eger-Engelhardt eine ihrer beiden Nieren ihrer Tochter Ariella. Die 50-Jährige leidet seit vielen Jahren an schnell wachsenden Zystennieren, derentwegen das völlige Funktionsversagen ihrer Organe drohte. Nur wenige Tage nach dem Eingriff kann Ariella wieder strahlen und ihre aktive Mutter sagt mit einem Augenzwinkern: "Ich hätte nie gedacht, dass meine alten Organe noch zu etwas nutze sind."

Rührende Nierenspende im Uni-Klinikum Erlangen: "Jetzt bin ich endlich wieder schön"

Das Gesicht hager und eingefallen, die Haare stumpf und farblos. Das Foto, das Ariella Eger von sich auf dem Handy aufruft, zeigt sie bei ihrer Aufnahme im Uni-Klinikum Erlangen kurz vor der Transplantation. Drei Tage nach dem Eingriff hat die 50-Jährige mit der schwer kranken Frau auf dem Bild nichts mehr gemein, berichtet das Klinikum: "Jetzt bin ich endlich wieder schön", strahlt sie, und Oberärztin Katharina Heller ergänzt: "Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich ihr Körper dank der transplantierten Niere erholen konnte."

Seit mehr als 30 Jahren lebt Ariella Eger mit der Diagnose Autosomal-Dominante Polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD), eine genetisch vererbte chronische Erkrankung, in deren Verlauf sich in den Nieren mit Flüssigkeit gefüllte Zysten bilden. Mit zunehmendem Wachstum schränken die Zysten die Nierenfunktion immer stärker ein, sodass es auch zum völligen Funktionsverlust kommen kann. In Deutschland leiden circa 80.000 Menschen an ADPKD, die weltweit zu den häufigsten genetischen Nierenerkrankungen gehört, informiert das Uni-Klinikum Erlangen. 

"Ich habe gelernt, mit der Krankheit zu leben. Aber die bevorstehende Dialyse war für mich der blanke Horror", berichtet Ariella Eger, deren Nierenfunktion in den vergangenen zwei Jahren rapide abgenommen hatte. "Es mag Menschen geben, die sich damit einrichten können. Aber ich habe bereits bei meiner Oma erlebt, wie sehr die Dialyse ihre Lebensqualität und Lebensfreude einschränkte. Das wollte ich für mich auf keinen Fall."

Organspende auch in hohem Alter möglich 

Obwohl sich auch zwei ihrer Cousins zur Lebendspende erboten, war es jetzt die 70-jährige Eveline Eger-Engelhardt, die ihrer Tochter eine ihrer Nieren spendete. "Das höhere Lebensalter ist für eine Organspende kein Problem", bestätigt Heller. "Wichtige Voraussetzung ist, dass keine Vorerkrankungen vorliegen und die spendende Person über eine gute körperliche Konstitution verfügt. Unsere bislang älteste Lebendorganspenderin war sogar 82 Jahre alt." 

Fit und voller Energie ist die rüstige Rentnerin aus Nürnberg in jedem Fall: Nach wie vor arbeitet Eveline Eger-Engelhardt einen Tag pro Woche im Büro ihres früheren Betriebs und engagiert sich zusätzlich ehrenamtlich für eine Tafel und eine Kleiderkammer. "Ich hätte ja nie gedacht, dass meine alten Organe noch zu etwas nutze sind", erklärt die 70-Jährige augenzwinkernd. "Aber sie lassen sich alle noch verwerten, und für mich geht das Leben jetzt weiter wie vorher."

Bereits am dritten Tag nach dem minimalinvasiven Eingriff konnten Mutter und Tochter gemeinsam über den Krankenhausflur spazieren. Während die Organspenderin das Uni-Klinikum Erlangen nur eine Woche nach der Operation wieder verlassen kann, bleibt ihre Tochter noch so lange unter Beobachtung, bis sich alle Werte und Funktionen des transplantierten Organs stabilisiert haben. "Danach ist eine gemeinsame Reha-Maßnahme geplant", kündigt Katharina Heller an. "Die beiden Frauen werden vom Team unseres Transplantationszentrums lebenslang mittels einer umfassenden Nachsorge begleitet."