von Klaus-Peter Gäbelein

Jetzt wissen wir es also ganz genau, nicht schwarz-weiß, nein, in Farbe! Allen Sportinteressierten und denen, die Seifenopern nach amerikanischem Stil lieben, wurden die Augen geöffnet und am Freitag kurz nach 22 Uhr war das Geheimnis des Bruderstreits, das die Nation und natürlich Herzogenaurach in zwei Lager gespaltet hatte, gelüftet: Kommissar RTL hat alle Geheimnisse schonungslos aufgetischt, aber nur im Spielfilm.


Das Gute trifft auf das Böse

Und im Spielfilm war es wie einst in den Western der 70-er Jahre: Das Gute trifft auf das Böse. Nur trugen damals die Guten helle Kleidung, die Bösen waren in der Regel dunkel gekleidet. Und hier: der fast nur Gute Adolf und der Aufreißer und Lebemann Rudolf! Im Film plantschten die beiden Brüder unbeschwert in irgendeinem See, flirten, Rudolf im Gegensatz zu Bruder Adi mit beiden Mädchen - wenigstens im Film.

Kein Wort darüber, dass der 34-jährige Adolf ein Jahr lang im Hause seiner späteren Schwiegereltern logiert hat - Als "workoholic" hat er in Pirmasens in einem Jahr das Schuhmacherhandwerk von der Pike auf gelernt, in zwölf Monaten sich das erarbeitet, was andere in der doppelten Zeit leisten mussten. Und dann hat er die 17 Jahre jüngere Käthe mit in seine Heimatstadt gebracht. Ohne ihre Schwester Marianne (spätere Hoffmann) wäre Käthe in der fränkischen Provinz fast verdurstet wie eine Primel, bevor Ehemann Adi sie nach dem Zerwürfnis fest in das Unternehmen integriert hat.

Letzte Höhepunkte im Film: das Zerwürfnis der beiden Familien wegen der angeblichen Liaison Rudolfs mit seiner Schwägerin (ob das stimmt, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben) wie die angeblich gegenseitige Verleumdung nach Kriegsende wegen der Zugehörigkeit zur NSDAP und wegen Adis vorzeitiger Freistellung vom Kriegseinsatz.

Wohltuend dagegen die im Anschluss an die Seifenoper ausgestrahlte Dokumentation. Nur wenige Fehler haben sich da eingeschlichen: Adi hat nie im Jahre 1920 eine von seinem Vater Christoph gegründete Fabrik übernommen, weil er erst 1924 mit Rudolf und dem Vater die Firma GEDA (GEbrüder DAssler) gegründet hat. Rudolf war auch nicht im hessischen Lager Hammelburg interniert, denn der malerische Ort mit dem ältesten Weinberg in Franken liegt bekanntlich in Unterfranken und von Lothar Matthäus hat man wohl das dumme Gerede vom "fränkischen Dorf Herzogenaurach" übernommen.

Ansonsten kann man bei der Dokumentation auch dank des Sporthistorikers Nils Havemann von einer fairen und durchaus positiven Berichterstattung und sogar Werbung für Herzogenaurach und die beiden Markenfirmen sprechen.

"Das Duell" ist noch in der RTL-Mediathek abrufbar.