70 Jahre Firma Schaeffler, das heißt auch 49 Jahre Bernhard Schwab. Der Ausbildungsleiter wechselt in diesem Monat vom Vollzeitjob in die Altersteilzeit und begrüßte letztmalig neuen Azubis. Im nächsten Jahr wird der 63-jährige Bernhard Schwab und nach Vollendung von 50 Arbeitsjahren aus dem Unternehmen ausscheiden.
Über Jahre prägte Schwab die Ausbildung bei der Firma Schaeffler, und das Unternehmen setzt auch an ausländischen Standorten auf eine Ausbildung, die eng an das deutsche Modell angelehnt ist. "Wir wollen überall auf der Welt die gleiche Qualität wie in Deutschland haben", sagt Schwab dazu.
Während seiner Ausbildertätigkeit hat er mehr als dreieinhalbtausend junge Leute auf ihrem Ausbildungsweg begleitet.
Wichtig war und ist ihm auch die enge Zusammenarbeit mit der Berufsschule, außerdem hatte Schwab einen wesentlichen Anteil daran, dass die Fachschulen für Maschinenbautechnik und Mechatroniktechnik in Herzogenaurach angesiedelt wurden.
Wer Bernhard Schwab kennt, weiß, dass seine Pensionierung mit einem Ruhestand im wörtlichen Sinne wenig gemein haben wird. Denn der ehemalige Präsident der Stadtjugendkapelle und begeisterte Hobbymusiker engagiert sich als Vorsitzender des Musikrates Erlange-Höchstadt, spielt bei den Ehemaligen und ist Trompeter und Sänger in der Schaeffler Big-Band.
Bernhard Schwab ist aber in seiner Freizeit nicht nur musikalisch unterwegs, sondern ist politisch als Fraktionsvorsitzender der CSU im Herzogenauracher Stadtrat und als Kreisrat aktiv. Auch die freundschaftlichen Kontakte zu den Partnerstädten Wolfsberg in Kärnten und Nova Gradiška in Kroatien liegen ihm am Herzen, er warb auch dort für das deutsche Ausbildungssystem und für eine Zusammenarbeit der Berufsschulen.
Schwab startete seine berufliche Karriere im September 1967 mit einer dreieinhalbjährigen Lehre zum Werkzeugmacher bei Ina und arbeitete nach seiner Ausbildung in der Werkzeugbereitstellung für die Stufenpresse. Dann ließ er sich extern zum Techniker für Maschinenbau an der Technikerschule in Erlangen ausbilden. Die weiteren Stationen seines beruflichen Werdegangs waren die Weiterbildung zum Industriemeister sowie 1976 zum Technologen für Tiefziehtechnik. Schwabs Vorgänger Oskar Wilke war es, der ihm 1980 den Wechsel in die Ausbildungsleitung ermöglichte.
In der Lehrwerkstatt vermitteln Ausbilder den Lehrlingen die Grundlagen ihres jeweiligen Berufs. Mit dem Wechsel von der Industriehalle zur Lehrwerkstatt endete Bernhard Schwabs Motivation, sich stetig weiterzubilden, jedoch nicht. Mit 39 Jahren ließ er sich in Abend- und Samstagsstunden zum Betriebswirt ausbilden.
Nicht nur Schwabs berufliche Qualifikation, sondern auch das Arbeitsumfeld bei Schaeffler veränderte sich im Laufe der Jahre. 1999 wurde LuK Teil der Schaeffler-Gruppe, und 2001 kam FAG in Schweinfurt dazu. Die entsprechenden Integrationsaufgaben fielen ebenso in den Aufgabenbereich von Bernhard Schwab wie der Aufbau des chinesischen Ausbildungszentrums von Schaeffler in Taicang.
Als einer der ersten brachte Schaeffler - und damit auch Ausbildungsleiter Bernhard Schwab - das duale Ausbildungssystem nach China. "Das war wirklich Neuland", stellt der 63-Jährige rückblickend fest. Ein Satz, der sich wohl auf viele Situationen in Schwabs Lebenslauf anwenden ließe. Der Ausbildungsleiter befasste sich nicht nur mit bis zu 1800 Bewerbungen jährlich, sondern überlegte immer auch, wie die einzelnen Berufe weiterentwickelt werden können und welche Fähigkeiten und Kenntnisse künftig bei Schaeffler gebraucht werden.
So ganz leicht fällt Bernhard Schwab der Abschied dennoch nicht. "Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge, aber einmal ist es eben soweit." Die Nachfolge von Bernhard Schwab treten gleich zwei Ausbildungsleiter an. Simone Christine Baumann ist künftig für die Ausbildung am Standort in Herzogenaurach verantwortlich, während Paul Seren Ausbildungsleiter für Schaeffler Deutschland wird.
Dass es ihm nach seinem endgültigen Ausscheiden langweilig werden wird, daran glaubt Schwab eher nicht. Denn neben seiner Frau Monika freuen sich vor allem auch die Enkelkinder, wenn der Opa etwas mehr Zeit hat, und da ist ja auch noch die Musik, die Bernhard Schwab nicht loslassen wird.