"Die Vorstellung junger Menschen von Politik und Demokratie wird vor Ort geprägt. Diese Bildung sollte uns parteiübergreifend wichtig sein", findet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Am Freitagnachmittag verlieh er deshalb persönlich Verdienstmedaillen und Dankurkunden für besondere Leistungen in der kommunalen Selbstverwaltung. Insgesamt 20 langjährige Stadt- und Gemeinderäte sowie Bürgermeister aus dem gesamten Landkreis wurden geehrt.

Trotz der Notwendigkeit kontinuierlicher Erneuerung sei ein gewisses Maß an Erfahrung schließlich von großem Vorteil im politischen Geschäft, so Herrmann. Gemeinsam mit Landrat Alexander Tritthart (CSU) wies er auf die Bedeutung von Kommunalpolitik und den darin ehrenamtlich Tätigen für den Alltag eines jedes Einzelnen hin und berichtete auch aus eigener Erfahrung: "Selbst nachdem man eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen getroffen hat, muss man sich hinterher doch oft blöd anreden lassen."

Dieses Gefühl kennt auch Norbert Birkner aus Neuhaus. Seit 1996 sitzt er für die Freien Wähler im Adelsdorfer Gemeinderat. Dass dort nicht immer alles "eitel Sonnenschein" ist, weiß er genau. Umso wichtiger sei für ihn der Mut, auch unpopuläre Beschlüsse zu vertreten. "Dabei versuche ich aber immer, die Nähe zum Bürger zu suchen und ihm meine Sicht der Dinge zu erklären", berichtet der Kommunalpolitiker. Eine Art Fraktionszwang gibt es seiner Meinung nach nicht: "Wir befinden uns alle auf der untersten politischen Ebene. Da sollte einfach jeder seine persönliche Meinung kundtun dürfen."

Ebenfalls seit 19 Jahren ist Erich Ruß (Bürgerblock) im Gemeinderat Gremsdorf vertreten. Dieser hat sich gerade nach der letzten Wahl extrem verjüngt. "Etwa die Hälfte meiner langjährigen Kollegen ist damals ausgeschieden", erinnert sich Ruß, der mit 35 Jahren erstmals in den Gemeinderat gewählt wurde. "Ich bin generell weniger politisch. Alles, was ich möchte, ist, mich für meinen Ort einzusetzen", sagt der hauptberufliche Geschäftsführer der ortsansässigen Imo-Unternehmensgruppe.

Seine unternehmerische Tätigkeit verbindet ihn mit Martin Wedel, Geschäftsführer der Martin Bauer Group in Vestenbergsgreuth und ebenfalls langjähriges Mitglied des örtlichen Marktgemeinderates. "Ich bin seit über 30 Jahren dabei und habe drei Bürgermeister miterlebt", berichtet der 61-Jährige. Besonders die Verflechtung seines Berufes mit dem Ehrenamt erachtet er für sinnvoll: "Jedes Problem, das ich Montagabend im Gemeinderat nicht lösen kann, habe ich Dienstagvormittag in der Firma auf meinem Schreibtisch liegen."

Die zentralen Einrichtungen in jedem Ort seien für ihn Kirche, Schule und Friedhof. "Es ist wichtig, dass wir unsere Bürger in jeder Lebensphase vor Ort begleiten können", ist CSU-Mitglied Wedel überzeugt. Genau wie Norbert Birkner und Erich Ruß wurde auch er vom Innenminister mit einer Dankurkunde bedacht.

Die höchste Ehre wurde allerdings einem Erlanger zuteil. Max Hubmann wurde 1978 erstmals in den Stadtrat gewählt. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung als Arzt setzt er sich nicht nur dort, sondern auch im Deutschen Städtetag sowie im Bezirkstag insbesondere für das Thema Gesundheit ein. Für sein Engagement erhielt er eine Verdienstmedaille in Silber.

Medaillen in Bronze erhielten Matthäus Andree (Aurachtal), Wolfgang Hirschmann (Uttenreuth), Bernd Höhlein (Spardorf), Harald Koch (Aurachtal), Franz-Josef Lang (Herzogenaurach), Bernhard Seeberger (Großenseebach), Gerhard Stadie (Aurachtal), Erwin Teufel (Vestenbergsgreuth) und Hans Wölfel (Uttenreuth). Mit Dankurkunden wurden Gerd Hefele (Heroldsberg), Gerhard Heubeck (Vestenbergsgreuth), Klaus Kaltenhäuser (Oberreichenbach), Herbert Köberlein (Gremsdorf), Paul Sänger (Adelsdorf), Rainer Schmitt (Marloffstein) und Herbert Sommerer (Spardorf) geehrt. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde im Sitzungssaal des Erlanger Landratsamtes von Pianist Thomas Fink aus Niederndorf.