Es gibt wohl kaum jemanden in Höchstadt, der mit dem Weberskeller keine Erinnerungen verknüpft. In der Gaststätte mit angebautem Saal wurden über Jahrzehnte hinweg rauschende Bälle und Familienfeste gefeiert und auch viel politisiert. Seit Tagen greifen nun die Abrissbagger nach der Höchstadter Traditionsgaststätte.

Irgendwann muss Schluss sein, sagt sich Gastwirt und Inhaber Manfred Linsner schon länger. Mit 68 Jahren hat der Gastronom aus Leidenschaft sein Rentenalter längst erreicht. Dennoch fällt ihm der Rückzug aus dem Berufsleben alles andere als leicht. Obwohl er immer wieder kräftig in Küche, Gaststätte und Saal investiert hat, hätte er einmal mehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um das alte Gemäuer auf den Stand der Zeit zu bringen.

Und dann? Ein Nachfolger war nicht in Sicht - und wer übernimmt heute noch einen Gastronomiebetrieb? Wie die ganze Branche stöhnte auch Linsner über immer mehr Auflagen und Bürokratie, von der Rekrutierung des Personals für Küche und Service einmal ganz abgesehen.

Der Felsenkeller bleibt

Jetzt wird der Weberskeller fachgerecht entkernt, das Material nach Baustoff-Fraktionen sortiert und am Ende die Mauern eingerissen. Was bleibt, ist der Felsenkeller unter der Gaststätte, samt Eingangsportal. Auf dem Areal am Kellerberg sind drei Mehrfamilienhäuser bereits genehmigt. Vom ersten ganz oben am Stadtrand stehen inzwischen schon Tiefgarage und Erdgeschoss.

Wo jetzt die Gaststätte auf ihren Abriss wartet, soll früher ein Kellerhäuschen mit einer Kegelbahn gestanden haben. 1929 brannte das hier stehende Holzhaus ab, die Familie Weber ersetzte es durch ein Gebäude aus Stein, das dann Zug um Zug zum heutigen Weberskeller erweitert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewirtete Paul Weber die Gäste, bis 1972 dessen Schwiegersohn Manfred Linsner das Geschäft übernahm.

Noch gut an die Anfangsjahre des Weberskellers erinnern kann sich der heute 91-jährige Höchstadter Hans Wichert. Speziell, als nach dem Krieg um das Jahr 1948 die Ballsaison begann: "Wir haben mit dem Burschenverein damals im Saal Theater gespielt und auch einen der ersten Bälle veranstaltet." Kirchweih wurde nach dem Krieg in Höchstadt in jeder Gaststätte gefeiert, zum Tanz ging es aber immer in den Weberskeller, dem einzigen Saal in der Stadt, in dem 200 Leute Platz fanden.

Nicht nur in der Faschingssaison war dieser Saal über Jahrzehnte hinweg ausgebucht. Höchstadts Vereine nutzten den Weberskeller für Bälle und Jubiläen. Politische Parteien kämpften in dem Saal um die Gunst der Wähler, präsentierten Politprominenz aus Land und Bund.

Fosänachter und ADAC-Gegner

2009 versprach der damalige bayerische Umweltminister Markus Söder protestierenden Teichwirten eine Entschädigung im Kormoran-Streit. Im selben Jahr formierte sich im Weberskeller die Bürgerinitiative gegen ein ADAC-Fahrsicherheitszentrum. Die überaus erfolgreichen Prunksitzungen der Höchstadter Fosänachter hatten im Weberskeller ihren Ursprung, bis aus Platzgründen in die Aischtalhalle gewechselt wurde.

Die Städtepartnerschaften mit Castlebar und Krasnogorsk wurden hier mit entsprechenden Feiern besiegelt. 2005 drehte im Saal das Bayerische Fernsehen bei der Jungen Liste, um damals an der Basis "die Stimmung bei der erstarkten Opposition in Bayern abzugreifen". Bockbierfeste lockten einige Jahre lang die Prominenz aus Kirche und Politik.

Auch eine Besonderheit zeichnete Linsners Weberskeller aus. Es war die einzige Gaststätte weit und breit, in der das ganze Jahr über Karpfen serviert wurden.