Drei Augenpaare sind leicht nach oben gerichtet. Große Augen zeigen Interesse. Zufriedene Blicke beim Schulunterricht. Das, was sich so mancher "normale Lehrer" in seinen Klassen wünscht, ist für Merle, Püppi und Carlson ehrlicherweise auch nicht so einfach. Hier wird konzentriert auf den menschlichen Begleiter geschaut, weil der ein Leckerli in seiner Hand hält. Sonst, nur zur Beruhigung aller Lehrer, wird auch hier herumgetollt, sich gegenseitig geärgert oder die Anweisung des Lehrers mal ignoriert.
"Wir können den Tieren das, was wir wollen, auch nur spielerisch vermitteln", erklärt Jasmin Nitsche. Und das, obwohl es um eine letztlich sehr ernste Sache geht. Denn die drei Hunde werden zurzeit ausgebildet, um in spätestens zwei Jahren Menschen zu suche.
Die Dechsendorfer DLRG hat eine neue Abteilung. "Wir haben in unser Programm eine Hundesuchstaffel aufgenommen", erklärt Vorsitzender Christian Nitsche. "Das unterstützen wir als Verein nachhaltig und hoffen natürlich noch auf weitere Interessierte, die sich bei uns melden." Vorbedingungen gebe es gar nicht so viele. Klar, einen Hund, der maximal sieben Jahre alt ist. "Je jünger, desto besser", ergänzt Peter Steeger. Das Herrchen vom Mischling Püppi ergänzt: "Auch Zeit sollte man haben, denn die Ausbildung findet zwei bis dreimal die Woche statt."


Erste Prüfungen stehen an

Ganz am Anfang geht es für die Hunde dann zum Training für den Wesenstest. Eine wichtige Voraussetzung für die künftigen Rettungshunde.Es geht insbesondere um die Prüfung der Reaktion des Hundes auf solche Reize, die bekannterweise Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen können. Das, was ein normaler Bestandteil des Sozialverhaltens bei Hunden ist, muss aber speziell bei Rettungshunden unter Kontrolle sein.
Das sind Aufgaben, die auch spannend für die Besitzer sind, denn diese fordern einiges vom Tier. So sitzt zum Beispiel der 12 Monate alte Labrador Merle vor ihrem Besitzer und Ausbilder Florian Dürrbeck. Von außen nähern sich mehrere Ausbilder und schließen Hund und Herrchen in einem kleinen Kreis ein. Merle besteht die Aufgabe mit Bravour, sie hat sich in keiner Weise beeindrucken lassen und blieb bis zum Schluss auf Florian Dürrbeck fixiert.
In einer weiteren Ausbildungseinheit geht es um das Verhalten bei Feuer und Rauch. Alle drei Hunde bestehen diesen Test. Sie werden weder unruhig noch "flippen" sie aus. Das Feuer scheint für die Vierbeiner nicht zu bestehen und sie gehen ruhig an dem rauchenden Korb vorbei.
Vorbeigehende Passanten sind ebenfalls beeindruckt und schauen der Ausbildung auch immer mal zu. Überraschend ist vielleicht der Zusammenhang zwischen DLRG und einer Hundestaffel. Jasmin Nitsche erklärt, dass diese vor allem am Wasser eingesetzt werden. Zu den sogenannten "Trümmerhunden" gebe es allerdings einen dann doch entscheidenden Unterschied. Denn diese suchen in der Regel nach Überlebenden in den Trümmern respektive auf einer zu durchsuchenden Fläche.


Suche nach Menschen

"Die Wasserhunde suchen in der Regel nach Wasserleichen", sagt Jasmin Nitsche. Denn bei der Wassersuche wird in der Regel davon ausgegangen, dass die zu Suchenden zum Zeitpunkt des Eintreffens der Rettungshunde nicht mehr am Leben sind. "Wir wollen den Angehörigen Gewissheit über den Verbleib der vermissten Menschen geben", erklärt die Einsatzleiterin. Das heißt aber nicht, dass die bei der DLRG ausgebildeten Hunde in den anderen Bereichen nicht einsetzbar wären. Denn die Wassersuche baut auf den anderen Ausbildungssparten auf.
Im Einsatz sieht es dann so aus, dass die Rettungshundestaffeln die Taucher bei einer Vermisstensuche unterstützen. Dabei ist der Hund mit seinem Hundeführer auf dem Boot und fährt das Gewässer in Schlangenlinien und langsamer Fahrt ab. Der Hund wird durch eine spezielle Hundeschwimmweste gesichert. Bei der Fahrt auf dem
Wasser zeigt der Hund dem Hundeführer an, wenn er einen Ertrunkenen riecht. Der Hund wird dazu ausgebildet, durch das Wasser zu riechen. Bis zu 35 Meter Wassertiefe haben Hunde schon Menschen gefunden.
Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, geben die drei Hundeführer zu. Dass Carlson, Püppi und Merle Probleme beim Wesenstest haben sollten, glauben sie nicht. Es sind verspielte Tiere, die an den gestellten Aufgaben Spaß haben.
Christian Nitsche ist auf seine Mannschaft jedenfalls stolz. "Wir haben momentan durch den Neubau der DLRG-Wache einiges zu tun. Um so glücklicher bin ich, dass sich Ehrenamtliche finden, die auch noch Zeit für die inhaltliche Arbeit haben." Wichtig ist ihm: "Wir sind als DLRG und damit auch die Hundeeinheit zuständig für die Stadt Erlangen und den Landkreis." Das zeigt sich allen darin, dass "nur" ein Retter aus Dechsendorf selber kommt, der Rest der Mannschaft kommt aus dem Landkreis.

Haus für Mensch und Tier Neubau Die DLRG freut sich auf finanzielle Unterstützung des Neubaus. Über Spenden auf die Nummer DE85 7635 0000 0060 0644 57.

Interesse An die DLRG-Dechsendorf wenden. Unter https://dechsendorf.dlrg.de finden sich die Kontaktdaten. red