Die allgemeine Sterbekasse Herzogenaurach ist ein Versicherungsverein, bestehend aus Privatpersonen. Sie wurde 1896 durch Josef Maria Peetz gegründet. Der komplette Vorstand ist ehrenamtlich aktiv. Aktuell ist Hans Weiland Vorsitzender der Sterbekasse, er will seinen Posten aber spätestens 2020 niederlegen. Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung am morgigen Sonntag um 16 Uhr im Gasthaus Heller erklärt Weiland im Interview, warum er bereits jetzt auf der Suche nach einem Nachfolger ist und welche Probleme die derzeit niedrigen Zinsen dem Verein machen.

Wie lange sind sie schon Vorsitzender?
Hans Weiland: Ich bin seit 2000 im Amt und habe diesen Posten von Hans Andree übernommen.

Wie viele Mitglieder hat die Sterbekasse aktuell?
Wir haben derzeit 1160 Mitglieder mit 1638 Versicherungen. Die unterschiedlichen Zahlen liegen an der Tatsache, dass es möglich ist, mehrere Versicherungen abzuschließen.

Wie hoch ist das derzeitige Vermögen der Sterbekasse?
Der Stand zum 31. Dezember 2014 beläuft sich auf 808 500 Euro.

Mit welchen Problemen hat die Sterbekasse momentan zu kämpfen?
Das sind zum einen die sehr niedrigen Kapitalerträge. Es hat für uns oberste Priorität, keine Risikoanlagen zu wählen. Zudem kommt in den nächsten drei Jahren ein Drittel des Vermögens zur Wiederanlage. Durch die weiterhin niedrigen Zinsen sinken die Einnahmen.

Wie sieht die Zukunft der Sterbekasse aus?
Erstens hängt die Leistungsfähigkeit der Sterbekasse vom Ergebnis des Mathematischen Gutachtens mit Stichtag 31. Dezember 2015 ab. Diese Gutachten müssen im fünfjährigen Rhythmus erstellt werden. Zweitens sind 2016 Neuwahlen des gesamten Vorstands, bei denen ich nochmals als Vorsitzender kandidiere. Gesucht wird derzeit ein neuer Zweiter Vorsitzender mit dem Hintergedanken, den ersten Vorsitzenden, sprich meine Person, 2020 zu ersetzen. In diesem Jahr liegt die Aufgabe darin, eine geeignete Person für das Amt des Zweiten Vorsitzenden zu finden.

Warum ist es für Sie die letzte Amtsperiode?
Die Entscheidung ist altersbedingt, ich habe am Ende der Wahlperiode 2016 bis 2020 das 70. Lebensjahr erreicht. Zudem würde ich das Amt gerne in jüngere Hände geben. Ich möchte in meiner letzten Amtsperiode vor allem einen guten Übergang vollziehen.

Warum ist es so schwer, Nachfolger für verantwortungsvolle Vorstandsposten zu finden?
Diese Probleme hat jeder Verein. Bei der Sterbekasse ist es vermutlich die Verantwortung dafür, ein nicht unerhebliches Vermögen zu verwalten.

Ist Ihrer Meinung nach die Sterbekasse noch zeitgemäß?
Diese Frage kann ich mit einem eindeutigen "Ja" beantworten.

Warum ein eindeutiges "Ja"?
Mit einer Versicherung bei der Sterbekasse sorgen die Mitglieder nicht für sich selbst, sondern für die Hinterbliebenen. Mit den auszuzahlenden Beträgen können die Beerdigungskosten von etwa 5000 Euro teilweise beglichen werden. Das Grundsterbegeld für eine Versicherung liegt derzeit bei 935 Euro plus einer Prämie pro Mitgliedsjahr von 4,25 Euro.

Warum ist eine Versicherung bei der Sterbekasse für jedermann realisierbar?
Eine Sterbekasse verlangt keine Gesundheitsprüfung. Mehrfachversicherungen sind möglich, und ein Leistungsanspruch besteht bereits nach sechs Monaten Mitgliedschaft. Versicherungsnehmer können vom 16. bis 60. Lebensjahr aufgenommen werden. Was wichtig ist: Eltern können ihr Kind bereits mitversichern.

Wie sieht es mit den Beiträgen aus?
Die Jahresbeiträge sind gestaffelt nach Eintrittsalter von liegen zwischen 18 Euro und 51 Euro. Damit liegen wir niedriger als die großen Versicherungen. Durch die niedrigen Beiträge ist eine Mitgliedschaft in der Sterbekasse auch für finanziell nicht so gut gestellte Familien möglich und interessant.

Was ist ihr Wunsch für die Zukunft der Sterbekasse?
Mein Wunsch ist, dass die Sterbekasse weiterhin ihre Eigenständigkeit für die Bürger von Herzogenaurach und Umgebung beibehält. Ein weiterer Wunsch ist es, dass sich in nächster Zeit geeignete Nachfolger für den Vorstand finden.