Die fünfte Jahreszeit im Aischgrund hat begonnen! Das meint nicht nur Karpfenprinzessin Katrin Uano. Wie sie empfinden landauf, landab unzählige Genießer des Aischgründer Spiegelkarpfens, die alljährlich den 1. September herbeisehnen.

In Höchstadt wurde der Beginn der Karpfensaison gebührend eingeläutet. Von einer Schar Ausgewählter aus der "Karpfenszene" und einigen Promis, die die Teichgenossenschaften Höchstadt und Neustadt/Aisch gemeinsam mit dem Verein Karpfenland Aischgrund ins Fischerstübchen der Fortuna eingeladen hatten.

Mit "dem Fischer und seiner Frau", alias Reinhard und Sabine Grasse von der Theatergruppe des Heimatvereins, und Sekt ging es im Hof der Kulturfabrik gleich recht launig los.

Etwas kleiner sind die Karpfen in diesem Jahr nach den Worten von Walter Jakob, dem Vorsitzenden der Teichgenossenschaft Höchstadt.
Das verzögerte und zu kalte Frühjahr sei daran schuld. In dem wirklich schönen August hätten die Fische dann noch einiges aufgeholt.

Herkunftsschutz greift

"Die Menge reicht auf jeden Fall aus, um alle Karpfenliebhaber satt zu kriegen", sagt der Fischexperte. Die 250 Fischküchen in der Region werden immerhin mit 850 Tonnen Karpfen aus dem Aischgrund bedient. Die übrigen Karpfen aus den mehr als 7000 Teichen werden entweder über die Region hinaus verkauft oder als Besatzfische verwendet.

In dem - in dieser Saison erstmals greifenden - Herkunftsschutz sieht Jakob eine große Chance. "Wir können allerdings nur die garantierte Herkunft anbieten. Entscheiden muss der Verbraucher selbst." Die Wahl hat er zwischen einem Produkt aus der Region und einem importierten Karpfen.

Der geschützte "Aischgründer Spiegelkarpfen" sei ein hochwertiges Produkt. Deswegen müsse der importierte Fisch nicht schlechter schmecken, meint Jakob. Doch wenn der Verbraucher hiesige Karpfen verzehre, bleibe das Geld in der Region und er tue gleichzeitig etwas für die Kulturlandschaft. "Leider hat der Karpfen keine Ohrmarke (wie Rinder zum Beispiel)", sagt Jakob. "Steht jedoch auf der Speisekarte Aischgründer Spiegelkarpfen, muss auch Aischgründer drin sein", sagt er in Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan.

Elf Jahre hat es nach den Worten von Thomas Müller-Braun, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Neustadt, gebraucht, bis die geschützte Herkunftsbezeichnung über Brüssel durch war.

Bevor die Gäste sich gemütlich niederlassen konnten, bekamen sie in der Außenstelle für Teichwirtschaft noch eine Lektion in Karpfenzucht. Höchstadts Karpfenpapst Martin Oberle machte sie mit der Aufzucht von Karpfen vertraut und führte "einsömmerige", also in diesem Jahr geborene, und mehrjährige Karpfen vor.

Mit einer Nachricht, die zunächst an einen Scherz denken ließ, überraschte Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL): Es werde daran gedacht, an der Grenze zwischen Ober- und Mittelfranken, so zwischen Greuth und Haid, eine Kapelle zu bauen. Sie soll die Karpfenregionen beider Bezirke markieren und deren Einheit verdeutlichen. Einen Schutzheiligen für diese "Karpfenkapelle" zu finden, dürfte ein Leichtes sein: Den heiligen Petrus, Patron der Fischer. Für den Bau erhofft man sich EU-Mittel. Ein Termin für Grundstücksgespräche sei bereits vereinbart, sagte Brehm.

Karpfenprinzessin Katrin hielt den Karpfenjüngern ein anderes Ziel vor Augen: "Die jungen Teichbesitzer müssen wieder in die Teichgenossenschaften kommen!"

Was dann folgte, waren Leckerbissen für Auge, Ohr und Gaumen, um die Besucher bis Mitternacht bei Laune zu halten. Denn erst dann begann mit dem ersten Monat mit "r" die Saison. Ein einladendes Karpfenbuffet, das vom Karpfenschinken über Karpfenpastete, Karpfenrollen, Karpfenküchla bis hin zum Karpfencocktail keine Wünsche offen ließ, erwartete die Gäste.

Fürs Ohr sang Katrin Schatz, am Klavier begleitet von Jelena Roos, Franz Schuberts Forellen-Lied, umgetextet auf den Karpfen. Hausherr Klaus Müller vom Fischereiverein hatte für die Saisoneröffnung ein eigenes Bier, den "Aischgründer Karpfentropfen" in Auftrag gegeben. Karsten Wiese vom Kellerbergverein stach das Holzfass an.