Zwölf Jahre ist es her, fast auf den Tag genau, als im Herzogenauracher Rathaus die Telefone heiß liefen und die Drähte glühten. Der Grund? Die Stadt bereitete sich auf den Höhepunkt des Jahres vor, auf den Festzug zum größten Jubiläum, das man an der Aurach je gesehen und gefeiert hatte: auf den Festzug anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung von "Uraha" in einer Urkunde von 1002.

Rund zwei Jahre hatten sich die Vorbereitungen für alle Veranstaltungen der 1000-Jahr-Feier hingezogen, und dazu gehörte vor allem der große Festzug, der sich am Sonntag, 30. Juni, durch die Innenstadt bewegen sollte. Dann tauchte die Frage auf, was ist, wenn die deutsche Mannschaft das Endspiel der Fußball-WM 2002 im fernen Yokohama erreichen würde, das just zur selben Zeit wie der Festzug angesetzt war?

Doch alle Bedenken waren bereits bei der Terminierung des Festzugs in den Wind geschlagen worden.
Zu sehr hatten die bundesdeutschen Kicker ihre Fans im Vorfeld der WM enttäuscht. Dieser "Gurkentruppe" mit Cheftrainer Rudi Völler hatte niemand etwas zugetraut, nachdem die Männer um den "Titan" Oliver Kahn sich erst in der Qualifikation gegen die Ukraine für das Turnier in Südkorea und Japan qualifiziert hatten.

Zwei Jahre vor dem Jubelfest in der Stadt hatten Arbeitsgruppen den Inhalt des Neuen Stadtbuchs festgelegt, die Herzogenauracher Vereine wegen der Teilnahme am Festzug angeschrieben und die Weichen gestellt, dass auch möglichst bekannte auswärtige Gruppen und vor allem Musikkapellen den Zug durch die Stadt bereichern würden. Die Reihenfolge der Gruppen beim Festzug war festgelegt worden und alle Einzelheiten bis ins kleinste Detail waren durchgesprochen. Und für alle Notfälle hatte man auch einen - weniger beachteten - Plan B ausgearbeitet für den Fall, dass die deutschen Kicker sich doch ins Endspiel kämpfen sollten.

Krisenstab musste entscheiden

Und dann geschah das Unvorhergesehene: Nach 1:0-Siegen über Paraguay, die USA und Südkorea spielten und kämpften sich die Deutschen ins Endspiel. Jetzt galt es, keine Zeit zu verlieren. Und der sofort einberufene Krisenstab um den damaligen Bürgermeister Hans Lang (CSU) und die Organisatoren des Festzugs, bestehend aus rund zehn Vereinsvertretern, um den Feuerwehrkommandanten Siggi Sendner und den Leiter des Kulturamts, Helmut Biehler, war sich sofort einig:Plan B muss in Kraft treten.

Der Festzug muss verschoben werden, und zwar von 13 auf 10 Uhr, so dass die Möglichkeit besteht, anschließend um 13 Uhr das WM-Finale zu sehen. Und für alle Fußballfans wurde im Weihersbach auch noch eine Großleinwand aus Frankfurt organisiert, so dass das Finale am Festgelände miterlebt werden konnte.

Schließlich wurde Herzogenaurachs Festzug für alle, Teilnehmer und Zuseher, ein großartiges Spektakel, bei dem letztlich nur der deutsche Sieg zum Höhepunkt fehlte, denn Rudi Völlers Team unterlag den Brasilianern ein wenig unglücklich mit 0:2.