Mirjam Wellein ist für die Instandsetzung des Gasthauses "Töpfla" in Höchstadt mit der Denkmalschutzmedaille 2020 ausgezeichnet worden. Der Preis des bayerischen Kunstministeriums geht an Persönlichkeiten und Institutionen im Freistaat, die sich in herausragender Weise für die Denkmalpflege engagiert haben. Die Preisträger haben Gebäude instandgesetzt, Ausgrabungen unterstützt, archäologische Funde erfasst oder ihr denkmalpflegerisches Fachwissen weitergegeben.

"Hier sind wir zuhause"

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) betonte: "Unsere Denkmäler sind wertvolle Zeugen unserer Vergangenheit, aus denen wir auf ganz besondere Weise in unsere Geschichte eintauchen können. Wenn wir uns auf sie einlassen, finden wir in den historischen Bauwerken einen Teil unserer Identität. Sie prägen das charakteristische Erscheinungsbild unserer Städte, Dörfer, Gemeinden und Landschaften und lassen uns wissen: Hier sind wir zuhause, das ist unsere Heimat! Dafür bewahren und pflegen wir sie." Die Preisträger hätten sich in vielfacher Weise um den Erhalt von Denkmälern verdient gemacht.

"Sie scheuen keine Anstrengungen und Mühe, um die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Baudenkmäler wieder hervortreten zu lassen. Sie helfen mit, dass unser kulturelles Erbe erhalten und lebendig bleibt", führte Sibler aus.

Die Vorschläge für die Auszeichnung kommen traditionell von den Regierungen, Bezirken, Landkreisen und Kirchen sowie vom bayerischen Landesverein für Heimatpflege und vom Landesamt für Denkmalpflege. Letzteres entscheidet zusammen mit dem Ministerium über die Sieger. Aufgrund der Corona-Pandemie entfällt heuer die feierliche Verleihung der Medaille in der Alten Münze in München. Die Preisträger werden sie daher bei einem Vor-Ort-Besuch des jeweils ausgezeichneten Projekts in kleinem Kreis persönlich von Sibler oder Generalkonservator Mathias Pfeil erhalten.

Einst war das Gasthaus so reich ausgestattet, dass es als "Tausendguldenhaus" von sich reden machte - zumindest in einer Chronik des 18. Jahrhunderts. Vor sechs Jahren war davon allerdings nichts mehr zu sehen. Marode stand es im Zentrum Höchstadts. Viele dachten an Abriss, nicht aber die Wirtin: Mirjam Wellein Sie kaufte das "Töpfla", wie es heute heißt, rettete es und zog ein. Im Erdgeschoss eröffnete sie eine Schankwirtschaft mit Biergarten.

Hausname "Petersbeck"

Entstanden ist das Haus um 1723. Ein Bäcker namens Peter betrieb darin seine Backstube, wenig später wurde es als Gasthaus genutzt. Den Hausnamen "Petersbeck" kennen viele Höchstadter noch. Welleins Maxime für die Sanierung lautete: "Was erhalten bleiben kann, bleibt erhalten." Handwerker aus der Region deckten das Walmdach mit Biberschwanzziegeln, befreiten das Fachwerk vom Putz und strichen seine Balken im ursprünglichen Rotbraun. Sie reparierten das Tragwerk, sanierten die originalen Fenster und tauschten die aus den 1980er Jahren gegen historische Nachbauten aus. Innen besserten sie die Stuckdecke sowie Türen und Böden aus.

Besuchern erschließt sich die Hausgeschichte vielerorts - etwa am Holzboden, dessen ausgebesserte Zonen sich farblich abheben, an der teilweise rekonstruierten Wandmalerei und an der restaurierten Hausmadonna. Das "Töpfla" sei ein sprechendes Beispiel für den Denkmalschutz, das zeige, wie gut sanierte Gebäude wirken. Wellein habe die Abbruch-Befürworter eines Besseren belehrt. Weitere Projektbeteiligte waren Architekt Georg Leyh vom Ingenieurbüro Thomas Leyh aus Höchstadt und Heimatpfleger Manfred Welker. Die denkmalfachliche Beratung übernahmen Thomas Wenderoth, Lorenz Schröter und Tobias Lange vom Landesamt für Denkmalpflege.