Anita Griesbeck, Irmtraut Spindler und Renate Volkmar haben etwas zu verschenken: einen ganzen Tag lang Zeit. Zeit für Menschen mit Demenz, aber auch für deren pflegende Angehörige, die sich einen Tag lang um andere Dinge wie Einkäufe oder Arztbesuche kümmern, soziale Kontakte pflegen oder einfach einmal durchatmen können. Unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) eröffnete im Bürgertreff beim Röttenbacher Rathaus der "Treffpunkt Storchenblick", eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke. Künftig wird die Gruppe jeden Donnerstag (Feiertage ausgenommen) von 10 bis 15 Uhr ihre Pforten öffnen.
Die drei ehrenamtlich tätigen Helferinnen gehen mit großem Elan an ihre Arbeit. Wie alles ins Rollen kam, erzählt Rosi Schmitt von der Fachstelle für pflegende Angehörige, bei der alle Fäden zusammenlaufen.
Anita Griesbeck und Irmtraut Spindler vom Helferkreis der Fachstelle hätten eine Fortbildung zum "Seniortrainer" absolviert. Die Fortbildung habe sie fit gemacht, selbständig Projekte anzuschieben und durchzuführen, um den Bedarf am jeweiligen Ort zu decken.
Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) sei "sehr offen" für dieses Projekt gewesen. Zumal sich die Gemeinde schon seit 2009 mit der Veränderung der Gesellschaft insgesamt und speziell im Heimatort Röttenbach beschäftige. Gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten Hans Götz wurde vor einiger Zeit eine Umfrage für alle Bürger ab 55 gestartet, um Wünsche und Ansprüche dieser Bevölkerungsgruppe zu erkunden. "Da kamen die Damen vom Betreuungsteam wie gerufen", sagte Wahl. Die Gemeinde habe sich spontan bereit erklärt, ein Budget und die Räume zur Verfügung zu stellen.

Bleibende Stätte gewünscht

Nun, auf Dauer könne es der Bürgertreff nicht sein, findet Hans Götz. Der Bürgertreff sei ein multifunktionaler Raum, der täglich anders genutzt werde. Für die Betreuerinnen bedeute das, Arbeitsmaterialien und alles, was für die Seniorenarbeit gebraucht wird, am Abend wieder wegzuräumen. Das Ziel sei daher, "dass langfristig eine bleibende Stätte gefunden werden muss". Nicht zuletzt deshalb, weil man in der Gemeinde mit einem steigenden Bedarf rechnet. Habe sich der Treff erst einmal eingespielt, sei auch mit dessen Auslastung zu rechnen.
"Offene Türen eingerannt" haben die engagierten Ehrenamtlichen auch beim Arbeiter-Samariter-Bund. Der ASB freue sich, die Trägerschaft zu übernehmen, betonte dessen Vorsitzender Jürgen Seiermann. Die Tendenz gehe heute weg von großen "Wegschließeinrichtungen" hin zu kleinen Gruppen am Ort. Das ist ganz im Sinne von Rosi Schmitt: Kurze Wege wären sowohl für die Senioren als auch für die pflegenden Angehörigen sehr wichtig. Daher ist die Einrichtung "schwerpunktmäßig" zunächst einmal für die Bürger von Röttenbach gedacht, wie Wahl erklärte. Sofern Plätze frei sind, würden gerne auch Senioren aus der näheren Umgebung in die Obhut genommen.
Mit vier Senioren aus Röttenbach und Umgebung startete der "Storchenblick" bereits am Eröffnungstag. Als Ziel stellt sich Rosi Schmitt eine zehnköpfige Gruppe vor. Der Fachberaterin kommt die Aufgabe zu, im Rahmen von Erstbesuchen abzuklären, ob die Senioren in die Gruppe aufgenommen werden können oder ob sie eine darüber hinaus gehende Hilfe benötigen.
Auf eine Umfrage hätten sich aus Röttenbach auf Anhieb zehn Angehörige gemeldet und Interesse an dieser Einrichtung bekundet, berichtete Hans Götz. "Der Donnerstag soll für alle ein ganz besonderer Tag sein", betonte er. Die Senioren verbringen ihren Tag mit Zeitung lesen, Gesellschafts-, Karten- und Gedächtnisspielen, gemeinsamem Kochen und Essen, Bewegungsübungen mit Musik, Gesprächen, Singen und anderem mehr. Allesamt Angebote, die nur dann aufgegriffen werden, wenn die betreute Person sie auch wirklich mitmachen möchte.
Wie Rosi Schmitt informierte, können die Kosten über die Pflegekasse abgerechnet werden. Aus rechtlichen und versicherungstechnischen Gründen waren umfangreiche Vorarbeiten und die Unterstützung durch eine soziale Organisation notwendig. Gefordert wurde auch eine Fachkraft, die dem Treffpunkt in Renate Volkmar (Krankenschwester) zur Verfügung steht.