• Coronavirus im Darm: Das Virus soll wohl auch auf der Darmoberfläche andocken.
  • Forscher aus Franken fanden zudem heraus, dass welche Bedeutung die Darmschleimhaut bei einer Covid-19-Infektion haben könnte.
  • Weitere Studien zum Zusammenhang zwischen Corona und Darm sind geplant.

Das Coronavirus soll nicht nur unsere Lunge, sondern auch unseren Darm befallen: Laut der WHO haben sich seit Beginn der Pandemie weltweit mehr als 63 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das bislang fast 1,5 Millionen Todesopfer gefordert hat. In den meisten Fällen einer Covid-19 Erkrankung stehen Symptome im Zusammenhang mit den Atemwegen im Vordergrund. Immer häufiger treten nun auch Begleiterscheinungen in anderen Organen des menschlichen Körpers auf.  Eine Forschergruppe bestehend aus Prof. Dr. Christoph Becker des Universitätsklinikums Erlangen und seinem Kollegen der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben sich es nun zur Aufgabe gemacht ein weiteres, von Corona betroffenes, menschliches Organ zu untersuchen: den Magen-Darm-Trakt. 

Andockstelle des Coronavirus: Der Darm?

Die Forscher haben herausgefunden, dass sich die Andockstellen des Coronavirus in besonders hoher Dichte auf der Darmoberfläche befinden. Die Erlanger und Berliner Forscher haben entdeckt, dass bestimmte Zellen der Darmschleimhaut, sogenannte Enterozyten, bei gesunden Menschen hohe Konzentrationen von ACE2 und dem körpereigenen Enzym TMPRSS2 aufweisen und somit Zielzellen des Coronavirus sein können. Aufgrund der Bedeutung von ACE2 und TMPRSS2 für das Eindringen von Sars-CoV-2 in die Zelle stellen die beiden Moleküle potenzielle Ansatzpunkte für ein wirksames Medikament gegen das Coronavirus dar. 

Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass Patienten mit Darmentzündungen weniger ACE2-Rezeptoren besitzen und dass sowohl ACE2 als auch TMPRSS2 ihre Lokalisation in den Zellen der Darmschleimhaut verändern. Das könnte bedeuten, dass der Darm von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn stabiler gegenüber Sars-CoV-2 ist als der Darm gesunder Menschen. „Allerdings stehen groß angelegte Studien zur Bedeutung der Infektion des Darms mit dem Coronavirus noch aus“, sagt Prof. Becker.

Die Forschungen ergaben zudem, dass die Bildung von ACE2 und TMPRSS2 auf der Zelloberfläche von außen beeinflusst werden kann. So führt etwa eine Stimulation der Zellen über bestimmte mikrobielle Signale und Botenstoffe des Immunsystems zu einer geringeren Ausschüttung von ACE2 in der Darmschleimhaut. „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die für eine Infektion mit Sars-CoV-2 notwendigen Moleküle auf der Zelloberfläche möglicherweise therapeutisch beeinflussbar sind“, so Dr. Jay Patankar, Erlanger Mitautor der Studie. Als Nächstes planen die Forscher Infektionsexperimente an Zellen, um diese These zu überprüfen.

Coronaforschung: Zukunftsaussichten der Forscher 

Möglich wurde die Studie durch ein Forschungsnetzwerk zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Beide Standorte sind deutschlandweit führend auf dem Gebiet der Darmforschung. In einem Sonderforschungsbereich untersuchen Wissenschaftler beider Städte gemeinsam entzündliche Erkrankungen des Darms. Die Forscher wollen nun gemeinsam herausfinden, welchen Einfluss das Coronavirus konkret auf den Darm und die Funktionen der dort vorhandenen Zellen hat.

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