• mRNA-Impfstoffe wirken bei Menschen mit Autoimmunerkrankung kaum
  • Das zeigt eine neue Studie der Uniklinik Erlangen
  • Betroffene zehnmal öfter keine Antikörper
  • Experte rät zu ungewöhnlicher Maßnahme

Corona-Impfung: Schlechtere Wirksamkeit von mRNA-Impfstoffen bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen in Erlanger Studie nachgewiesen. Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte sind Beispiele für Erkrankungen, bei denen das Immunsystem falsch und überschießend reagiert. Betroffene müssen meistens dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden. Aber wie gut vertragen sie die Corona-Impfungen - und wirken diese bei Immunkranken anders? Forscher des Zentrums Immuntherapie an der Uniklinik  haben das untersucht - mit wichtigen Ergebnissen.

Erlanger Forscher: Autoimmunkranke vertragen Corona-Impfung besser

Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen vertragen die Corona-Impfung sogar deutlich besser als Gesunde, fassen die Forscher das erste Ergebnis ihrer Studie zusammen. Insgesamt wurden für die Untersuchung 266 Personen untersucht, davon 84 mit Immunerkrankung und 182 Teilnehmer in der Kontrollgruppe. Alle wurden spätestens zehn Tage zuvor mindestens einmal mit dem Impfstoff von Biontech geimpft, 96 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits ihre Zweitimpfung erhalten. 

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"Reaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Gelenkschmerzen" seien bei Patienten mit Immuntherapien "deutlich seltener" vorgekommen als bei Gesunden, schreiben die Erlanger Forscher in einer Pressemitteilung. Mit diesem Studienergebnis könne man das Gerücht entkräften, dass Patienten mit Rheuma, Darmentzündung und Schuppenflechte aufgrund eines veränderten Immunsystems eine überschießende Reaktion auf die Corona-Impfung erleiden. Dies bedeute, dass die mRNA-Impfung für Immunkranke unbedenklich sei. 

Allerdings lässt ein Blick auf die Ergebnisse aufhorchen, wenn es darum geht, wie gut mRNA-Impfstoffe bei Immunkranken wirken. Deutlich schlechter nämlich, zeigt die Studie aus Erlangen. Nicht alle Patienten mit entzündlichen Erkrankungen würden "auch ausreichend auf die Corona-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ansprechen", schreiben die Autoren. 

Mit Autoimmunerkrankung: mRNA-Impfstoffe wirken schlechter 

Von den knapp 270 Probanden hätte nur einer von 100 Gesunden "keine neutralisierenden Antikörper gegen das Coronavirus" entwickelt. Dagegen war es bei den Patienten, die eine Immuntherapie erhalten, jeder Zehnte, der trotz Impfung keinen ausreichenden Covid-Schutz hatte. Dies habe aber nichts mit den entzündungshemmenden Medikamenten zu tun, betonen die Studienleiter in ihrer Erklärung. 

 "Interessanterweise sind die entzündungshemmenden Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, sondern die Erkrankung an sich", heißt es dort. Es gebe also auch keinen Grund, die Medikamenteneinnahme vor dem Impftermin zu pausieren. Die Erlanger Ärzte raten deshalb dazu, bei Immunkranken zwei Wochen nach der zweiten Impfung zu untersuchen, wie stark die Impfantwort des Körpers wirklich ist. Jeder Patient reagiere anders, heißt es. Baue ein Immunkranker keinen Covid-Schutz trotz Biontech-Impfung auf, empfehlen die Experten eine Drittimpfung - am besten mit einem anderen Impfstoff.

"Während aktuell ein starres Impfregime für die Eindämmung der Corona-Pandemie von zentraler Bedeutung ist, wird es in Zukunft in gewissen Fällen sicherlich notwendig sein, die Impfstrategie individuell anzupassen, eine neuerliche (dritte) Impfung durchzuführen bzw. auch das Impfpräparat zu wechseln", heißt es abschließend. Das könnte auch nötig sein. Denn eine Studie aus Frankreich hatte bereits 2013 ergeben, dass unter anderem viele Menschen mit rheumatoider Arthritis bestimmte Begleiterkrankungen aufweisen - und die erhöhen das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen beträchtlich. 

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