Schulz gegen Schulz stand zur Entscheidung: Eine Entscheidung, die in Gemeinden immer wieder mal zum Politikum wird. Als es in der konstituierenden Sitzung des neuen Höchstadter Stadtrats um die Wahl des Zweiten Bürgermeisters ging, schien das auch so zu sein. Bürgermeister Gerald Brehm (Junge Liste) selbst schlug Günter Schulz, Frontmann der SPD und langjähriger Zweiten Bürgermeister, vor.

Mit dem Hinweis, auf jeden Fall die Vornamen auf dem Wahlzettel nicht zu vergessen. Denn von der CSU, der nach den Worten ihres Sprechers Michael Schwägerl "zweitstärksten Fraktion", wurde Alexander Schulz als erster Stellvertreter des Bürgermeisters vorgeschlagen.

"Respekt und Loyalität"

Vom Fränkischen Tag danach befragt, weshalb er selbst und nicht die SPD Günter Schulz vorgeschlagen habe, antwortete Bürgermeister Brehm am Tag danach: Nach 18 Jahren hervorragender Zusammenarbeit, Respekt und Loyalität sei es ihm ein Anliegen gewesen, die bewährte Arbeit mit Günter Schulz fortzusetzen. In dieser Frage gebe es "keine Automatik".

Gäbe es eine solche, dann hätte wohl die CSU diesen Posten bekommen müssen. Mit neun Sitzen sei sie heute die stärkste Fraktion, stellt Alexander Schulz im Gespräch mit dem FT fest. "Der Wählerwille war anders." Mit 5408 Wählerstimmen habe er mehr als Günter Schulz und Axel Rogner zusammen. "Die Politik ist kein Wunschkonzert", so sein Kommentar zu Brehms Wunschkandidaten. Er habe in unzähligen Gesprächen versucht, eine Lösung zu finden, so Alexander Schulz. Jetzt müsse die SPD damit leben, alle ihre Überzeugungen über Bord geworfen zu haben. Denn das Zünglein an der Waage sei die AfD gewesen.

Wenn die Zuhörer in der riesigen Aischtalhalle glaubten, etwas zu den Querelen im Vorfeld zu hören, wurden sie enttäuscht. Regina Enz, im Wahlkampf von der Jungen Liste gehätschelt und als Landratskandidatin präsentiert, hatte vor der ersten Sitzung die Fahnen gewechselt und saß nun im Kreis der CSU. Was natürlich die Mehrheiten ins Wanken gebracht hatte. Inzwischen hat sich Marcus Schmitt, der über die neue Bürgerliste angetreten ist, der Fraktion der Jungen Liste angeschlossen.

Bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters entschieden sich 13 Ratsmitglieder für Günter Schulz (SPD), zwölf für Alexander Schulz (CSU). Namentlich aufgerufen schritten die Räte zur Urne, um in geheimer Abstimmung ihre Entscheidung zu treffen. Über das Ergebnis war Günter Schulz sichtlich erfreut. Wie sich die CSU-Räte dabei fühlten, kann sich der Beobachter denken. Wieder kein Stellvertreter aus der CSU, denn auch bei der Wahl des Dritten Bürgermeisters unterlagen die Christlich-Sozialen.

Sprecher Michael Ulbrich von der Jungen Liste schlug Axel Rogner für das Amt vor, das bislang Irene Häusler innehatte. Auch die neu ins Rathaus gewählten Grünen machten mit Irmgard Schlehlein einen Wahlvorschlag für den Dritten Bürgermeister. Für die CSU schlug Alexander Schulz den jungen Bernd Herberger vor. Beim Ergebnis lag Axel Rogner mit 13 Stimmen vorne, Bernd Herberger erhielt neun, Irmgard Schlehlein drei Stimmen. Sowohl Günter Schulz als auch Axel Rogner nahmen ihre Ämter an.

Finanzieller Anreiz

Dass das Amt des Bürgermeisterstellvertreters auch finanziell durchaus seinen Reiz hat, zeigte der nachfolgende Beschluss über die Entschädigung. Alexander Schulz hatte zu Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, das Thema aus der geheimen in die öffentliche Sitzung zu verlegen. Die beschlossene Entschädigung beträgt für den Zweiten Bürgermeister 850,49 Euro pro Monat, der Dritte Bürgermeister erhält 656,38 Euro monatlich. Dabei seien die Sätze der letzten Amtsperiode beibehalten und nicht erhöht worden, teilte Bürgermeister Brehm auf Nachfrage mit.