In diesem Sommer wurde ein Hof in Medbach zur Bühne einer botanischen Sensation. In der Hauptrolle: eine 55-jährige Agave. Rund acht Meter streckt sich ihr kräftiger Stamm in die Höhe und balanciert zart gelbe Blüten, die sich in alle Richtungen ausstrecken. Zur nötigen Stabilität tragen die massiven Blätter der Pflanze bei, die sich nebeneinander und übereinander auffächern. "Die Agave mit ihrem Topf wiegt ungefähr eine Tonne. Wenn wir sie umstellen, brauchen wir einen Hubwagen und umgepflanzt haben wir sie mit einem Traktor", erklärt Werner Dittrich.
Im Jahr 1962 hat er zwei Agaven geschenkt bekommen, die ihm seine Mutter aus Mallorca mitgebracht hatte. Aus den 20 Zentimeter großen Sprösslingen haben sich im Laufe von Jahrzehnten zwei prächtige Exemplare entwickelt, die jeden Sommer den Hof der Familie zieren. Da sie nicht frostsicher sind, werden sie in den kalten Monaten in den Wintergarten umgesiedelt. "Dünger nutzen wir nicht, nur Wasser zum Gießen und die abgestorbenen unteren Blätter werden gegebenenfalls abgesägt", erklärt Werner Dittrich die Pflege der beiden gigantischen Sukkulenten.
Eine von ihnen sorgte vor einigen Wochen für eine ganz besondere Überraschung. "Anfang Juni konnte man nicht nichts von der Blüte sehen. Innerhalb kürzester Zeit ist sie zehn bis 20 Zentimeter pro Tag in die Höhe geschossen und war im Juli bereits fast sechs Meter hoch", erinnert sich Werner Dittrich und fügt hinzu: "Ich hätte nie gedacht, dass es sich doch um eine weibliche Agave handelt. Denn nur die weiblichen Pflanzen blühen und nach 55 Jahren haben wir damit gar nicht mehr gerechnet." Umso größer war die Freude über die botanische Besonderheit, die aber auch eine traurige Kehrseite mit sich bringt. Die Agave steckt ihre gesamte Kraft in die Blüte und geht anschließend zugrunde. Als Erbe hinterlässt sie ein paar Ableger, die die Familie mit der Zeit gesammelt hat und nun in größere Töpfe umpflanzt, damit sie sich besser entwickeln können. Ab dem nächsten Sommer thront dann nur noch eine der tonnenschweren Agaven im Hof der Familie. Und wer weiß - vielleicht schlummern in ihr ja auch die Pläne für einen großen Auftritt.

Einordnung: Die Gattung der Agaven gehört zur Familie der Spargelgewächse. Es gibt etwa 300 Agaven-Arten.

Verbreitung: Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Süden der USA über Mexiko und die Karibik bis nach Venezuela. Mitte des 16. Jhd. wurden einige Exemplare nach Europa eingeführt und nun sind Agaven auch verwildert im Mittelmeerraum anzutreffen. Sie wachsen meist in Wüsten oder Halbwüsten.

Blätter: Ihre schwertförmigen, dickfleischigen Blätter dienen als Wasserspeicher und können bis zu 150 Zentimeter lang werden.

Blüte: Der Blütenstand kann bis zu 12 Meter hoch werden. Die meisten Agavenarten blühen nur einmal. Danach sterben sie ab. Da bis zur Blüte einige Jahrzehnte vergehen können, wird die Agave auch als Jahrhundertpflanze bezeichnet.

Verwendung: u.a. Lieferant für Pflanzenfasern, Agavendicksaft, Tequila