Es sind Schicksale, die für uns unendlich weit weg scheinen. Aufgewachsen in einem Kriegsgebiet, jederzeit in Angst und Schrecken, wochenlang auf dem Meer unterwegs, angetrieben von nur einem Ziel: Europa. Da, wo Menschenrechte noch etwas bedeuten und keine leere Worthülse mehr sind. Es sind diese Menschen, für die Flüchtlingsbetreuer Konrad Eitel aus Herzogenaurach jeden Morgen aufsteht. "Diesen Menschen muss man einfach helfen. Schließlich sind wir vergleichsweise in einer absolut privilegierten Position", sagt er.

Bei seiner Tätigkeit als Betreuer für rund 350 Flüchtlinge in drei Heimen in Herzogenaurach hat er einen detaillierten Einblick in die Umstände und den Tagesablauf, in dem die Geflüchteten sich derzeit befinden. Eines der größten Probleme während der Coronavirus-Pandemie ist dabei das Einhalten der allgemeinen Hygieneregeln. Aber nicht, weil die Menschen sich nicht daran halten wollten, sondern rein logistisch. "Naja, sie halten die Regeln eben so gut ein, wie es geht, wenn es für 25 Menschen auf einer Etage nur ein Bad und eine Küche gibt", schildert Eitel. Ein Problem, dass er dem Landratsamt schon des Öfteren kommuniziert habe. Der Lösungsvorschlag: Es habe Masken und Desinfektionsmittel für die Anwohner des Flüchtlingsheimes gegeben.

"Entsprechend der Vorgaben"

Vom Landratsamt Erlangen-Höchstadt heißt es zu dieser Sachlage: "Für die räumliche Unterbringung stehen ausreichend räumliche Kapazitäten in den Unterkünften im Landkreis zur Verfügung. Wir setzen außerdem die Abstands- und Hygieneregeln entsprechend der staatlichen Vorgaben und in Anlehnung an die Verfahrensweise der Regierung von Mittelfranken um. Neben Aushängen, also einem ausgedruckten Hygienekonzept, werden Bewohner bei Nichteinhaltung etwaiger Regelungen durch Hausmeister auf die Einhaltung geltender Regelungen hingewiesen." Außerdem würden zur Verfügung gestellte Handseifen sowie Desinfektionsmittel von den Bewohnern in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin mitteilte.

Für Eitel ist das nicht hinnehmbar. "Wir müssen den Menschen ermöglichen, zumindest etwas mehr Platz zu bekommen. Dafür braucht es dann eben noch den ein oder anderen Raum mehr, der angemietet werden muss", fordert er. Denn gerade im aktuellen Zustand, zusammengepfercht im Flüchtlingsheim, sei das Aufwachsen der Kinder unzumutbar. Wenn auch besser als in den Kriegsgebieten. Aber: "Die Lage als ‚schwierig‘ zu bezeichnen, wäre hier schon verniedlichend", kritisiert Eitel.

"Einige haben Jobs gefunden"

Das erklärte Ziel der Flüchtlingshelfer sowie des Landratsamtes ist, den Menschen eine Zukunft "auf eigenen Beinen" zu ermöglichen. Dafür soll langfristig für eine Ausbildung oder eine entsprechende Schulbildung gesorgt werden. Und bislang bereits mit respektablen Erfolgen, wie Eitel berichtet. "Einige haben bereits Jobs gefunden. Eben die, die zurzeit gesucht werden." Andererseits sei es aber schlichtweg nicht nachvollziehbar, wenn Fachkräfte zurück in Kriegsgebiete geschickt werden, die man in Deutschland doch so dringend brauche. "Und leider ist durch die aktuelle Lage auch der Fall eingetreten, dass viele wieder ihren Arbeitsplatz verloren haben", beklagt er.

Das Landratsamt berichtet, dass der Fokus bei den Geflüchteten darauf gelegt werde, dass sie vor allem die deutsche Sprache erlernen. "Hierzu gibt es unterschiedlichste Kurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Ziel ist es, ein Sprachniveau zu erreichen, mit dem eine Ausbildung in Deutschland erfolgreich gefunden und bestanden werden kann." Dazu teilt das Jobcenter Erlangen-Höchstadt mit, dass es für die Geflüchteten noch zusätzliche Hilfe zum Finden und Bestehen eines anerkannten Ausbildungsberufs gebe.

Anschließend bestehe die Möglichkeit, weitere berufsbezogene Sprachkurse zu besuchen. Eitel jedoch möchte noch mehr für die Menschen in seiner Obhut tun. "Es kann nicht sein, dass diese Leute am absoluten Existenzminimum leben müssen, während es uns in Deutschland so viel besser geht."

Artikel von Andreas Hofbauer