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Herzogenaurach
Freizeitassistenz

Verena will bei Projekt helfen – und findet dadurch besonderen Freund

Weil sie sich zusätzlich engagieren will, nimmt Verena am Projekt Freizeitassistenz der Lebenshilfe teil. Durch das Projekt hat sie selbst viel gewonnen. Mit dem 26-jährigen Lukas konnte sie einen tollen neuen Freund finden.
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Verena und Lukas bei einem Ausflug ins Sportland Fotos: privat
Verena und Lukas bei einem Ausflug ins Sportland Fotos: privat
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Lukas ist kein Mann der großen Worte. Aber das braucht's auch nicht. "Wir verstehen uns auch so", sagt Verena Hoffmann. "Wir sehen uns das an." Die 23-Jährige ist sogenannte Freizeit-Assistentin im Auftrag der Lebenshilfe. Sie begleitet den 26-jährigen Lukas, wenn der in seiner Freizeit mal nicht mit Eltern oder Betreuern unterwegs sein mag. Die beiden, die sich auf Anhieb auch ohne große Worte verstanden, gehen am liebsten zum Bowling.

Lukas Jörg hat Trisomie 21, auch als Downsyndrom bekannt. Er lebt in der Geborgenheit seiner Familie, bei seinen Eltern und den beiden Geschwistern im Lohhofgebiet.

Engagiert als Freizeit-Assistentin: "Mir gibt das auch was zurück"

Und dennoch freut er sich besonders, wenn Verena ihn abholt. Das ist etwas anderes für ihn, da ist eine besondere Beziehung entstanden. Die junge Frau, von Beruf Heilerziehungspflegerin, beschreibt ihre Tätigkeit: "Es ist wirklich mehr als nur aufpassen", sagte sie. "Man ist miteinander". Und obwohl sie auch beruflich mit Menschen mit Behinderung zu tun hat, sieht sie ihre Zeit mit Lukas nicht als Arbeit, wie sie sagt. "Mir gibt das auch was zurück".

Verena ist eine von rund 30 Ehrenamtlichen, die im Rahmen der Freizeitassistenz (FZA) der Lebenshilfe aktiv sind. Sie begleiten erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung oder Sinnesbeeinträchtigung beziehungsweise körperlichen Defiziten bei Aktivitäten in deren Freizeit. Das entlastet zum einen die Eltern und Betreuer, sagt Sibylle Wolter, die Leiterin des Programms. Und für die behinderten Menschen wird eine Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben mit Begleitung damit wesentlich einfacher.

Bowlen immer wieder großer Spaß: "Alle freuen sich mit ihm"

Das können Trudi und Wolfgang Jörg bestätigen. Die Eltern von Lukas sehen, wie positiv sich die Verbindung zu Verena für ihn auswirkt. Mit diesem Programm werde sichergestellt, "dass sich die behinderten Menschen im ganz normalen Umfeld bewegen können", sagt der Vater.

Verena bestätigt das. "Alles ist selbstverständlich", sagt sie. Auch wie er sich bewegt, beispielsweise beim Bowlen. "Alle freuen sich mit ihm", sagt sie. Die Nebenbahnen horchen auf, wenn er einen Strike schafft. Und den schafft Lukas oft. "Lukas ist richtig gut", berichtet die 23-Jährige. Auch schon mal besser als Verena. "Er tröstet mich dann".

So lief das erste Treffen zwischen Verena und Lukas ab

Interessierte Ehrenamtliche brauche keine Vorbildung mitzubringen, berichtet Sibylle Wolter. Begleitpersonen werden von der Lebenshilfe geschult, falls erforderlich. So lernen sie zum Beispiel auch die richtige Verhaltensweise bei Personen mit Epilepsie oder Autismus. Auch brauche niemand Berührungsängste zu haben, sagt die 31-Jährige. Man sollte einfach offen sein, sich einlassen und die Tätigkeit auch langfristig machen wollen.

Wenn sich ein Begleiter für einen "Kunden" findet, wie die Teilnehmer offiziell bezeichnet werden, dann gibt's ein Kennenlerngespräch, an dem die Sozialpädagogin teilnimmt. Daraus entsteht dann, wenn sich beide nett finden, ein Probetermin. Und wenn's dann nicht passt, müsse keiner ein schlechtes Gewissen haben. "Wir suchen dann einfach weiter", sagt Sibylle Wolter.

Das war auch bei Lukas so, wie seine Mutter Trudi berichtet. Der erste Kontakt mit einem FZA habe gar nicht gepasst, es sei einfach die falsche Bezugsperson gewesen. Als dann aber Verena kam, war alles schon auf den ersten Blick okay. "Entweder mag Lukas jemand oder nicht", sagt die Mutter, die von Beruf Sonderpädagogin ist. Verena mochte er auf Anhieb.

Freizeitassistenz: So können Sie Begleiter werden

Die Aushänge im Wohnheim oder in der Werkstatt lesen sich ein bisschen wie Bekanntschaftsanzeigen. "22-jährige Frau mag gern in den Tiergarten und Ausflüge machen", heißt es da. Oder: "Junger, fitter Mann, möchte ins Rockkonzert und spielt gern Kicker". So oder so ähnlich sind die "Werbungen", mit denen Sibylle Wolter Begleiter sucht. Die 31-jährige Sozialpädagogin leitet das Projekt Freizeitassistenz (FZA).

Gesucht werden ehrenamtlich interessierte Bürger, auch gern Studenten, die das gerne tun möchten. 23 "Kunden", also Menschen mit Behinderung, hat die FZA bereits, gerade im laufenden Jahr ist die Nachfrage stark gestiegen. Deshalb werden auch weiterhin neue Begleitpersonen gesucht. Zielgruppe sind erwachsene Behinderte, die bei der Familie oder selbstständig wohnen. Bisher stammen die Teilnehmer zumeist aus den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe.

Die Begleitung kann unterschiedlich sein und reicht von Spaziergängen und dem Gang ins Café bis zum Tiergarten und Rockkonzert. Die Begleiter erhalten eine Aufwandsentschädigung, Fahrtkostenpauschale und sind versichert. Die "Kunden" können die FZA über die Pflegekasse abrechnen.

Die Koordinatorin Sibylle Wolter ist erreichbar unter Telefon 09132/7810182. bp