Sie heißen Fun, Feeling, Trendy, Smile oder Sunshine und bieten zwischen 137 und 163 Quadratmeter Wohnfläche. Zwischen 202.000 und 300.000 Euro kosten die Reihenhäuser im Baugebiet Reuthsee in Adelsdorf je nach Variante und Lage. Laut Investor sind 57 Prozent der Häuser im ersten Bauabschnitt verkauft.

Zu dicht gebaut, Einheitsbrei, passt nicht zu Adelsdorf, 2000 Neubürger sind zu viel. So könnte man die Kritik an dem Bauprojekt in der letzten Zeit zusammenfassen. Doch was sagen eigentlich diejenigen dazu, die sich entschieden haben, dort ein Haus zu kaufen, wo andere ein "Ghetto" befürchten, eine "Trabantenstadt der Pendler"?
Wie das heute so ist, gibt es auch für das Baugebiet Reuthsee eine Gruppe auf Facebook. Interessenten und Käufer tauschen sich hier aus. Die Nachbarschaft beginnt in diesem Fall im Internet, lange vor dem Einzug. Trommelt man hier für einen Termin, kommt eine Gruppe von 20 Personen. Alle wohnen seit kurzem hier. Neu-Adelsdorfer also.

Und wie ist das nun? Alles Siemensianer? Nein, nur ein paar. Aber Pendler? Ja, die meisten.
"Ein schönes, kleines Einfamilienhaus hätte ich auch gerne gehabt", sagt Uwe Brückner. "Ich auch", sagt sofort eine andere Frau. Alle stimmen zu.


Pendlerparadies Adelsdorf

Doch der Tenor: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? "Wir hatten uns erst nach Gebrauchtimmobilien umgeschaut", sagt Klaudia Wolfrum aus Erlangen. In Bruck etwa habe ein 50 Jahre altes, sanierungsreifes Haus 300.000 Euro gekostet. "Das haben wir uns dann gleich abgeschminkt", sagt die 52-Jährige. Sie arbeitet als Krankenschwester im Klinikum am Europakanal. "Vorher haben wir in der Gebbertstraße im Erlanger Zentrum gewohnt. Sie werden lachen, aber von Adelsdorf aus brauche ich jetzt nur drei Minuten länger auf die Arbeit."
Klaudia Wolfrum und ihr Mann Bernd sind mit Anfang 50 die Ausnahme. Die meisten, die gekommen sind, sind Ende 20 bis Mitte 30. Sie haben Kinder oder planen welche. Aber alle eint noch etwas: der Preisdruck in der Boomregion.

"Ursprünglich wollten wir eine Eigentumswohnung. 90 bis 95 Quadratmeter", sagt Sabrina Märkert. In Höchstadt habe das fast 300.000 Euro gekostet. Auf der Liste für einen Bauplatz seien sie seit zwei Jahren. Erfolglos.
Dass die Reihenhäuser nicht der Ausdruck von besonderem Luxus sind, da sind sich alle einig. Doch man müsse eben schauen, was geht. "Das Modell Einfamilienhaus mit Garten und Garage kann man sich einfach nicht mehr leisten", sagt Märkert. Sie habe zudem keine Lust, ihr Leben lang für ein Haus zu arbeiten.

Neben allem Pragmatismus: Alle freuen sich auf die Zukunft in Adelsdorf. "Es gibt viele junge Familien", sagt Philipp Stritzke. Er ist alteingesessener Adelsdorfer. Ja, man spüre, dass es etwas eng bebaut sei. Dennoch ist sich der 25-Jährige sicher: "Der Reuthsee war eine gute Entscheidung für uns."

Nicole und Philipp Stritzke: "Auf dem Boden der Tatsachen"
Wohnt auch jemand aus Adelsdorf hier? Philipp Stritzke, gebürtiger Adelsdorfer, hebt die Hand. Zuletzt habe er mit seiner Frau Nicole in einer Wohnung in Hemhofen gelebt. Jetzt ist Nachwuchs unterwegs. "Es war naheliegend, sich in Adelsdorf umzuschauen." Die Preise der Gebrauchtimmobilien seien extrem hoch. Die Stritzkes hätten gerne ein Haus mit größerem Grundstück gehabt. "Da waren wir aber schnell auf dem Boden der Tatsachen", sagt der 25-Jährige.

Sabrina und Maximilian Märkert: "Das Grundstück reicht uns"
"Das Grundstück reicht uns. Ich hoffe nur, dass der Rasen schnell grün wird", sagt Sabrina Märkert. Sie genieße lieber den Feierabend, als noch einen großen Garten zu gießen. Das sei halt einfach nicht ihr Ding. Sie stammt ursprünglich aus Krausenbechhofen, ihr Mann Maximilian aus Höchstadt. Zuletzt wohnten sie in Herzogenaurach. Beide arbeiten in Erlangen. Aber im Aischgrund seien sie verwurzelt. "Wir haben unsere Freunde und Familien hier", sagt sie.

Sascha Jarsch-Waldemeier: "Eine kleine, gemütliche Stadt."
Erst seit letzter Woche wohnt Sascha Jarsch-Waldemeier mit seiner Frau und der acht Monate alten Tochter am Reuthsee. Die Wohnung in der Erlanger Innenstadt sei zu klein geworden. "Zu kaufen ist in Erlangen-Zentrum einfach völlig illusorisch", sagt er. Sie hätten sich im Umkreis von 20 bis 25 Kilometern umgeschaut und sich schnell für Adelsdorf entschieden. "Es ist alles vor Ort. Eine kleine, gemütliche Stadt." Jarsch-Waldemeier arbeitet bei Siemens und ist nun Pendler.

Klaudia und Bernd Wolfrum: "Etwas mehr Ruhe"
Nein, ihre Familienplanung hätten sie schon abgeschlossen, sagt Klaudia Wolfrum (52) und schaut lachend zu ihrem Mann Bernd (53). Die Kinder seien schon aus dem Haus. 19 Jahre haben die Wolfrums in einer Wohnung in der Gebbertstraße in Erlangen gewohnt. Warum aufs Land? "Bei uns im Haus sind ständig Studenten aus- und eingezogen", sagt sie. Mehr Ruhe und ein Sitz fürs Alter, das sei für sie der Reuthsee. Adelsdorf biete alles, was man zum Leben braucht.

Silke und Uwe Brückner: Mehr Platz gesucht
Seit neun Jahren wohnen Silke und Uwe Brückner, frisch verheiratet, beide 31 Jahre, in der Metropolregion. Zunächst in Nürnberg. Dann in Erlangen. Ursprünglich sind sie aus Darmstadt. Der Wunsch nach mehr Platz und die anstehende Familienplanung hätten sie nach Adelsdorf gebracht, so Uwe Brückner. Von der Kritik am "Reuthsee" habe er durch den Zeitungsartikel im Internet erfahren. "Wir werden uns hier aber trotzdem wohlfühlen."