Wenn heute Abend mit dem Spiel der Denver Broncos gegen die Carolina Panthers die neue Football-Saison in den USA beginnt, dann kribbelt es auch wieder bei einigen Herzogenaurachern. Seit einem Vierteljahrhundert ist nämlich American Football das Thema Nummer eins bei einer kleinen Schar von Sportbegeisterten.

Damals gründete sich der "Frankfurt-Galaxy-Stammtisch". Und seit Anfang an treffen sich die Footballfans jeden Freitag, um über ihr Hobby und den Rest der Welt zu sprechen. "Dabei ist der Bogen weit gespannt und umfasst die Infos aus der jetzigen GFL (German Football-League) genauso wie die Geschehnisse aus der NFL", berichtet Frank Brandmeier, der den Stammtisch ins Leben rief.


30.000 Fans keine Seltenheit

Damals, vor 25 Jahren, fristete die amerikanische Sportart, die ihren Anhängern zufolge viel spannender und komplexer ist als des deutschen liebstes Kind, der Fußball, aber noch eher ein Schattendasein. Zeit also, American Football auch im fernen Europa zu pushen. Also sponsorte die NFL, die Mutter aller Football-Ligen, eine Weltliga, erzählt Brandmeier, und schon war der Sprung über den großen Teich geschafft.

Die Galaxy waren anfangs das einzige deutsche Team und mischten unter den großen Konkurrenz munter und erfolgreich mit. Und das taten auch die Fans. Im Frankfurter Waldstadion waren 30.000 Besucher keine Seltenheit, wovon die Fußball-Eintracht nur träumen konnte.

"Touchdown one, two, three - Frankfurt Galaxy!" So wurde auf den Rängen angefeuert, wenn die Football-Party in vollem Gange war. Und genau das ist es auch, was die Herzogenauracher - zu Beginn waren es elf Freunde - immer wieder in die Hessenmetropole trieb: diese Faszination. "Beim Fußball findet man so eine Fankultur nicht", sagt Horst Voss am Stammtisch. "Alle sind freundschaftlich zusammen, feiern miteinander eine große Party", ergänzt Jürgen Schaufler.

Da wird dann vor dem Spiel erst mal gegrillt, auf der großen Wiese nahe dem Stadion. Und wenn die drei Stunden vorüber sind, "dann haben wir den Grill oft ein zweites Mal angeschürt", berichtet Bernhard Weidner. Football ist ein Tagesausflug, auch für die ganze Familie. Frank Brandmeier hat es darüber hinaus das Regelwerk angetan: "Das ist wie Rasenschach", sagt er. "Von den Spielzügen könnten sich viele Fußballer eine Scheibe abschneiden."


Stammlokal in Dondörflein

Inzwischen hat sich manches verändert. 1995 mündete die gesponsorte Weltliga in eine eigene Euroliga, die in den Folgejahren dann fast ausschließlich von deutschen Teams gestaltet wurde. Bis 2007 fuhren die Franken weiter nach Frankfurt, dann lösten sich die Galaxys auf und formierten sich unter anderem Namen neu.

Nicht aber der Stammtisch. Zahlenmäßig etwas reduziert, wird auch jetzt noch regelmäßig gefachsimpelt, man schaut sich die NFL-Spiele im Fernsehen an oder belässt es beim Karteln, "unserer zweiten großen Leidenschaft", wie Franky feststellt. Seit elf Jahren trifft man sich übrigens im Gasthaus Schuh in Dondörflein. Drei Gründungsmitglieder - Frank Brandmeier, Bernhard Weidner und Jürgen Schaufler - sind geblieben. Fast genauso lang dabei ist Horst Voss.

Und es gibt gemeinsame Aktionen, wie Ausflüge oder die Superbowlparty. Eine Reise führte auch mal in das Mutterland des Football, nach Amerika. Da haben sie dann einen joggenden Präsidenten Bill Clinton gesehen. Auch nicht schlecht.