Autofahrer erleben es täglich: Man fährt auf ein Ortsschild zu, geht vom Gas und lässt den Wagen in den Ort rollen. Plötzlich blitzt es nur wenige Meter weiter. Man ist in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten und muss jetzt mit Bußgeld oder gar Fahrverbot rechnen. So erging es dem Höchstadter Johann Lengenfelder in diesem Jahr in Aisch. Er hat generell nichts gegen Tempolimits, sieht sich in seinem Fall aber als Opfer von Abzocke durch die kommunale Verkehrsüberwachung.

Lengenfelder ist Fahrlehrer und bringt Menschen seit 35 Jahren bei, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten haben. Als er, aus Richtung Lauf kommend, die Aischer Ortsgrenze passiert hatte, wurde er mit 41 Stundenkilometer im Tempo-30-Bereich gemessen. Nach Abzug von drei Messtoleranz blieben 38. Die 15 Euro Verwarnungsgeld hat er prompt an die Kommunale Verkehrsüberwachung Ammerndorf überwiesen. Erst hinterher kamen ihm Zweifel, ob das alles in Ordnung sei.

Nach seiner Auffassung nicht. Lengenfelder rief sich eine 200-Meter-Regel in Erinnerung, wonach Geschwindigkeitskontrollen in Bayern erst 200 Meter nach dem Ortsschild oder den Tempolimit-Schildern durchgeführt werden dürften, außer es handelt sich um besonders gefährliche Stellen.

Solche sieht der Fahrlehrer am Ortseingang in Aisch allerdings nicht. Und deshalb ärgert er sich, wenn er schon nach 120 Metern geblitzt wird. Den genauen Standort des Messfahrzeugs hat er sich mit dem Messprotokoll zuschicken lassen und dann nachgemessen. Noch weniger Verständnis hat er dafür, wenn kurz vor dem Ortsschild sogar auch in Richtung Ortsausgang geblitzt wird: "Für mich ist das Abzocke." Wo es angebracht ist und der Verkehrssicherheit dient, habe er nichts gegen das Blitzen. Lengenfelder ist generell aber kein Freund der kommunalen Blitzer.


Keine bindende Vorschrift

"Es gibt keine Abzocke, wenn man sich an die Gesetze hält", sagt Hauptkommissar Christian Deisel von der Verkehrspolizeiinspektion Erlangen. Die 200-Meter-Regel sei keine bindende Vorschrift, sondern nur eine "Verkehrsüberwachungsrichtlinie", die "nicht normgebend" ist. Für den Bürger gelte die Geschwindigkeitsbegrenzung ab dem jeweiligen Schild. Eine Zone von 200 Metern, in denen nicht geblitzt wird, sei für Raser nicht einforderbar, sagt Deisel. Wo geblitzt werde, hänge immer von den speziellen Örtlichkeiten ab.

In Adelsdorf legt das die Gemeinde fest. "Wir stellen unser Messfahrzeug dort auf, wo wir Probleme haben", sagt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW). Den Blitzer hat die Gemeinde für zehn Stunden im Monat gebucht. Wann aber die Kommunale Verkehrsüberwachung Ammerndorf damit anrückt, entscheiden die Experten selbst. Wo sie dann stehen und blitzen, gibt allerdings die Adelsdorfer Verwaltung vor.

Bürgermeister Fischkal bekommt immer wieder Klagen aus der Bevölkerung, es werde an den verschiedensten Stellen im Ortsgebiet zu schnell gefahren. Auf die Klagen reagiere man im Rathaus mit Geschwindigkeitskontrollen.

Für diese Kontrollen wird die Gemeinde übrigens auch zur Kasse gebeten. Die in Rechnung gestellten Kosten werden dann mit den eingenommenen Verwarnungsgeldern verrechnet. Den großen Reibach mache Adelsdorf laut Bürgermeister damit aber nicht.