Als Dekan Kilian Kemmer 1995 mit einer Delegation aus der Höchstadter Pfarrei St. Georg erstmals in der katholischen Pfarrei in Swinemünde ankam, war er "ziemlich entsetzt" über die damaligen Verhältnisse in Polen. Wenn am Mittwoch, 6. September, wieder eine Gruppe von 37 Gläubigen der Georgspfarrei nach Polen aufbricht, ist dieses damalige Entsetzen längst Vergangenheit. Auf der Route Höchstadt-Swinemünde und umgekehrt ist es bereits die 17. Reise von Gläubigen aus beiden Städten.

Wie Dekan Kemmer gestern in einem Pressegespräch erklärte, gibt es diesmal wieder einen besonderen Grund: das 20-jährige Bestehen der Pfarreipartnerschaft zwischen "Seliger Bischof Michael Koczal" in Swinemünde und "St. Georg" in Höchstadt.


Marian Wittlieb gab den Anstoß

Es war der polnische Geistliche Professor Marian Wittlieb aus der Erzdiözese Stettin-Kammien, der den Anstoß für die Pfarreipartnerschaft gab. In den Jahren von 1992 bis 1998 weilte er im Sommer als Urlaubsvertretung in Höchstadt. Da der Bamberger Bischof Otto einst das Bistum Stettin gegründet hatte, bot sich für Wittlieb eine Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden aus diesen Bistümern an.

1995 begann die Ausarbeitung eines Partnerschaftsvertrags, an dem auf Höchstadter Seite Georg Söhnlein und Ulrike Singer-Farrenkopf federführend beteiligt waren. Kilian Kemmer erinnert sich auch noch gut an den Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert, der auf dem Dachboden in St. Georg eingelagert war und den die Polen als Dauerleihgabe für ihr neues Gotteshaus bekommen haben.

Im September 1997 wurde dann der offizielle Partnerschaftsvertrag zwischen den beiden Pfarreien unterzeichet. Zunächst gab es gegenseitige Besuche auf Familienbasis, wobei die privaten Kontakte noch heute gepflegt werden. Zu den unterschiedlichsten Ereignissen fanden seitdem gegenseitige Besuche statt. Einer der Höhepunkte war die gemeinsame Wallfahrt nach Rom 2011, bei der Papst Benedikt XVI. handgeschnitzte Krippenfiguren segnete, die die Höchstadter Pfarrei vom armenischen Künstler Viktor Avetisjan hatte anfertigen lassen und die der Partnerpfarrei in Swinemünde geschenkt wurden.


Westliche Verhältnisse

Rund 12 000 Katholiken zählt die Pfarrei in Swinemünde. Dekan Kemmer wäre froh, wenn die Zahlen in Bezug auf Gottesdienstbesucher und Priesternachwuchs bei uns noch so wären wie in Polen. Doch inzwischen sieht er aber auch dort "westliche Verhältnisse" einziehen.