Viele unterschiedliche Gesichter werden von kleinen Flammen erhellt. Ihre Münder sprechen verschiedene Sprachen, doch ihre Lippen tragen dasselbe Lächeln und in ihren Augen spiegelt sich derselbe Glanz der Lichter. Sie vereint der Wille, ein sichtbares Zeichen zu setzen - für Frieden und gegen Gewalt.

"Das Licht ist ein Symbol und ein Hoffnungsträger", erläutert Mascha Kirchner von der ehrenamtlichen Organisation "Adelsdorf hilft", die im September letzten Jahres gegründet worden ist. In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde werden in erster Linie die Flüchtlinge vor Ort unterstützt. "Wir können die Hilfsangebote der Bürger kanalisieren und so gemeinschaftlich zielgerichtete Hilfe anbieten", erklärt Dennis Deitermann. Seit Anfang des Jahres arbeitete die Initiative an der Idee, eine Lichterkette im Herzen Adelsdorfs zu organisieren.

Am Samstagabend füllte sich der Marktplatz mehr und mehr mit Bürgern und Asylbewerbern der Region, die diese Aktion unterstützen wollten. Begrüßt wurden sie von einer rauchigen Stimme, einer E-Gitarre und einer Mundharmonika. Als "Depth Motion unplugged" legten Andreas Pistol aus Lonnerstadt und Thomas Wenzel aus Adelsdorf die passende Musik über die lockere Atmosphäre. Sie spielten selbstgeschriebene Lieder.

Auch der Adelsdorfer Musik- und Gesangsverein untermalte die Veranstaltung mit Liedern, die die Menschlichkeit in den Vordergrund rückten.

Ab 20 Uhr schlossen sich die Teilnehmer mit ihren entzündeten Kerzen zu einem Band aus Lichtern zusammen, das um den Marktplatz und an der Hauptstraße entlang führte. Deitermann: "Wir hatten gehofft, dass wir bis zum Rathaus kommen. Jetzt reichte die Kette fast bis zur Feuerwehr.


Tief berührt

Es ist wirklich fantastisch und es hat uns tief berührt, dass Sie alle gekommen sind", bedankt sich Deitermann strahlend. Als Symbol für den Frieden wurde vom Verein "Schloss-Kunst Adelsdorf" eine weiße Taube auf die Pflastersteine des Marktplatzes gemalt, um die sich anschließend ein Großteil der Kerzen sammelte.

Währenddessen erläuterte Pfarrer Jens Arnold anhand der Geschichte von Kain und Abel, dass der Mensch in Gefahr sei, auf einen falschen Weg zu geraten: "Es muss andere Wege geben als den Weg der Gewalt. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Gewalt nicht das letzte Wort hat. Der Weg des friedlichen Umgangs ist eine viel bessere Lösung."


140 Mal im Koran

Nach ihm teilte Abdelilah El Badi, der Vorsitzende der Erlanger Friedensmoschee, seine Gedanken auf Arabisch und Deutsch. Dass der Friede das Ziel aller Menschen sei, stehe in verschiedenen Formen mehr als 140 Mal im Koran. Wer dagegen handelt, sei kein wahrer praktizierender Muslim, stellt er klar. "Muslime sowie Nichtmuslime sollen einander helfen und beieinander stehen, zusammenhalten und laut sagen: Keine Kriege mehr! Keine Gewalt mehr! Kein Terrorismus mehr!" El Badi forderte außerdem dazu auf, für Dialog, Frieden und mehr Zusammenhalt einzustehen.

Dass dies alles im kleinen Kreis beginnen kann und soll, stellte Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) fest. "Ich bin absolut begeistert, was wir hier und heute gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Als ich zum ersten Mal von der geplanten Aktion gehört habe, war ich mir unsicher, ob eine Gemeinde wie Adelsdorf eine Lichterkette durchführen darf oder ob das nicht nur etwas für große Städte und Metropolen ist", berichtet er.

Nach kurzer Überlegung hätten sich seine Bedenken in überzeugte Begeisterung verwandelt. "Und denken Sie immer daran", verabschiedet Fischkal schließlich die Teilnehmer, "Frieden beginnt im Kleinen."