Und Coburg liest und liest und liest. Aus dem Nichts geschaffen, findet das Literaturfestival heuer zum 14. Mal statt, vom 25. bis 29. April, und zwar nach wie vor getragen, organisiert, inspiriert von einem unkonventionellen Kreis an Coburger Literaturbegeisterten. "Dass wir jedes Jahr wieder ohne formelle Festlegungen und Satzungen, einfach so im Miteinander, ein abwechslungsreiches Programm zusammen bringen, darauf sind wird schon stolz", sagt Literaturvereins-Vorsitzender Alois Schnitzer zum Engagement, das dieses Festival trägt. Neben dem Literaturkreis und Einzelkämpfern gehören die Volkshochschule und die Buchhandlung Riemann zum Organisationsteam. Als neuer Kooperationspartner neben dem Landestheater kommt die Hochschule Coburg dazu.
Immer bemüht, einen weiten Kreis von Lesern anzusprechen, gibt es heuer erstmals ein gesellschaftspolitisches Zeitgespräch. Aus Terminzwängen musste der gewohnte Ablauf verändert werden; der Roman-Marathon bildet statt den Auftakt diesmal den Abschluss von "Coburg liest".
Das breite Themenspektrum reicht von den Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz über den politischen Diskurs bis hin zu in Romanen verarbeiteten Selbstfindungsprozessen.

In den Häusern der Stadt: Die Literaturtage starten mit dem "Extra" des Landestheaters, das 2017 bereits zum zehnten Mal geboten wird. Coburger Bürgerinnen und Bürger öffnen ihre Wohnungen und werden zu Gastgebern für Lesungen von Ensemblemitgliedern des Landestheaters im intimen Kreis. Beginnend um 20 Uhr, steht zum gemeinsamen Ausklang und zum Austausch über das Erlebte ab 21 Uhr der Große Saal im Münchner Hofbräu zur Verfügung. Neue Gastgeber sind willkommen. Wer seine Privaträume für eine Lesung mit mindestens acht Zuhörern öffnen möchte, kann sich bis 15. März im Landestheater melden.

Sachbuch: "Smarte Maschinen" stehen am Mittwoch, 26. April, im Mittelpunkt eines Vortrages mit dem Physiker und Zukunftsforscher Ulrich Eberl, einem der renommiertesten deutschen Wissenschafts­ und Technikjournalisten. Eberl informiert über den aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Robotik und künstlichen Intelligenz und berichtet über Maschinen, die nicht nur Autos fahren, kochen, malen, musizieren, reparieren oder ärztliche Diagnosen stellen, sondern sogar denken und debattieren.
Auch seinen eigenen Roboter stellt Eberl vor - dieser wird dann mit einem Kollegen, dem Lego­Roboter der Robotik­AG des Gymnasiums Ernestinum zusammentreffen. Für letzteren ist dies ein Heimspiel, denn die Veranstaltung findet in der Mensa des Ernestinums in der Unteren Realschulstraße 2 statt. Beginn: 20 Uhr.

Autoren-Gala: Dafür konnten die Veranstalter den Schweizer Schriftsteller Peter Stamm gewinnen. Am Donnerstag, 27. April, um 20 Uhr im Kleinen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin erzählt der vielfach ausgezeichnete Autor in seinem Roman "Weit über das Land", wie ein Familienvater wort­ und scheinbar grundlos Frau und Kinder verlässt und mittellos durch einsame Gegenden und kleine Bergdörfer streift.

Streitgespräch: Ein neues Format an neuem Ort bietet "Coburg liest" am Freitag, 28. April: Um 20 Uhr werden in der Brose-Aula der Hochschule die Journalisten Jakob Augstein und Nikolaus Blome zum politischen Streitgespräch erwartet. Deren Motto: "Gibt es zu wenig Streit, schläft die Demokratie ein. Gibt es zu viel, zerreißt sie." Dem steigenden Hass in den Debatten setzen Augstein und Blome, links der eine, liberalkonservativ der andere, seit 2011 ihr Streitgespräch auf Phoenix, dem Ereigniskanal von ARD und ZDF, entgegen. Jetzt haben sie 30 Debatten zu Themen, die Deutschland bewegen, in Buchform gepasst: "Links oder rechts?", so der Titel.

Roman-Marathon: Den Abschluss gestalten am Samstag, 29. April, ab 19 Uhr Paula Fürstenberg, Klaus Böldl und Rasha Khayat in der Reithalle. In Paula Fürstenbergs Debütroman "Familie der geflügelten Tiger" wird die Hauptfigur Johanna plötzlich mit Fragen nach weißen Flecken in der eigenen Biographie konfrontiert. Sie wuchs bei ihrer Mutter in der Uckermark auf, nachdem ihr Vater noch zu DDR-Zeiten in den Westen verschwunden war. Klaus Böldls Roman "Der Atem der Vögel" spielt auf den Färöer Inseln. Als Philipps Lebensgefährtin Johanna und ihre Tochter auf eine Reise gehen, beginnt Philipp eine Wanderung über die Inseln, die ihn immer tiefer in die Natur und zu sich selbst führt .
Rasha Khayat, 1978 in Dortmund geboren, in Saudi-Arabien aufgewachsen und 1988 mit der Familie nach Deutschland zurückgekehrt, liest aus ihrem Roman "Weil wir längst woanders sind". Sie erzählt von Layla, die beschließt, Deutschland zu verlassen und einen Mann in Saudi­Arabien zu heiraten. Laylas Bruder Basil reist ihr nach und versucht herauszufinden, was eine nicht religiöse, freiheitsliebende junge Frau dazu treibt, in einem Land leben zu wollen, in dem Frauen alles andere als frei sind. Der Leser blickt in eine uns fremde Welt der jungen Saudis, die es trotz ihrer Weltläufigkeit in ihre Heimat zurückzieht.

Karten gibt es ab sofort in der Buchhandlung Riemann am Markt. Sie kosten für den Roman-Marathon 18 Euro und für die anderen Veranstaltungen jeweils 12 Euro, (Abendkasse 25 und 15 Euro, ermäßigt 10 und 5 Euro.) Der Vorverkauf für "Literatur in den Häusern unserer Stadt" findet ab 28. März nur an der Kasse des Landestheaters statt (7 Euro, ermäßigt 5 Euro). Weitere Informationen im Internet unter www.coburgliest.de, zu "Literatur in den Häusern der Stadt" ab Mitte März unter www.landestheater-coburg.de
as/C.H.