Dass Klavierspielen fit hält, bewies der kurz vor dem achtzigsten Geburtstag stehende Pianist Hans-Dieter Bauer, als er in besagtem Jubiläumskonzert eine Zentnerlast an virtuoser Musik des 19. Jahrhunderts ablud und dies mit stets überlegener Technik, sensiblem Anschlag und intensiver Gestaltungskraft sowie gefühlvoll eingesetzter Dynamik und Agogik.


Höchst anspruchsvolle Werke


Erstaunlich schon allein ungeheure Gedächtnisleistung in diesem mehr als zweistündigen Konzert mit durchwegs technisch wie gestalterisch höchst anspruchsvollen Werken.


"Paganini des Klaviers"

Sinnvoll und stimmig im Programm war die Gegenüberstellung der Komponisten Liszt und Draeseke, die kompositorisch wie persönlich eine engere Verbindung hatten. Franz Liszt, dem weltweit gefeierte "Paganini des Klaviers", späteren Hofkapellmeister in Weimar, Schwiegervater Wagners und frommen Abbé im Alter war die erste Vortragshälfte gewidmet. Hans-Dieter Bauer begann festlich und griffsicher mit der umfangreichen 2. Polonaise E-Dur, gefolgt von der mit besinnlichen Rubati gespielten Schumann-Transkription "Widmung" aus dem Zyklus "Myrten".


Rassig, mit sich steigernden rhythmischen Anläufen erklang der Csárdás Obstiné mit seinem abrupten Schluss, expressiv das "Lied ohne Worte" Consolation Nr. 3 Des-Dur.


Dante-Sonate

Höhepunkt und Abschluss des ersten Teils bildete die Fantasia quasi Sonata après une lecture du Dante aus Liszts Sturm- und Drangzeit mit den gewichtigen Tritonus-Oktaven im "Inferno" und dem verklärenden langsamen Teil, der am Schluss in ein pianistisches Feuerwerk mündet. Hans-Dieter Bauer spielte das wirkungsvolle Werk mit treffsicher Technik und verinnerlichtem Ausdruck.


Der einzige (1835) in Coburg geborene Komponist von Weltrang ist nach wie vor Felix Draeseke, dessen monumentale Sonata quasi Fantasia op. 6 cis-Moll nach der Pause den einzigen Programmpunkt bildete.


Draesekes geniale Sonate


Die hohe Bedeutung dieses Werks erkannte auch Franz Liszt und spielte es öfters. In 35 Minuten bringt Draeseke in den drei Sätzen einen großen Kosmos inspirierter Melodik und technischer Raffinesse zum Erklingen, der es wert wäre, öfter aufgeführt zu werden. Hans-Dieter Bauer hat dieses Wagnis auf sich genommen und ist mit seinem überragenden Können zu einem echten Anwalt dieses genialen Werks geworden, an das sich nur wenige Pianisten wegen der enormen technischen Schwierigkeiten wagen.


Liszt und Bach als Zugabe

Eindrucksvoll erklang das charakteristische Trauermarsch-Thema im ersten Satz, duftig und leichtfingerig das Walzer-Intermezzo und das zu Beginn an den 1. Satz anknüpfende toccatenähnliche umfangreiche Finale, dessen exorbitante technische Schwierigkeiten Bauer phänomenal meisterte.


Nach anhaltendem Beifall kam man noch in den Genuss zweier gefühlvoller, mit viel Anschlagskultur vorgetragener Zugaben in Gestalt des "Liebestraums" von Liszt und dem Choral "Jesu bleibet meine Freude" von Johann Sebastian Bach.