Montags, Mittwochs, an Wochenenden. "Spaziergänge", Demos, Gegendemos - Die Menge an Kundgebungen rund um Corona und Corona-Maßnahmen nimmt Überhand. Nicht mehr jeder Aufzug kann von Zügen der Bereitschaftspolizei begleitet werden. Tatsache ist: Wir haben zu wenig Polizei für zu viele "Spaziergänge".

Die Liste vom vergangenen Montag: So genannte "Spaziergänge" gab es in Bamberg (2200 Teilnehmer), Bayreuth (1500), Forchheim (1500) Kronach (1000), Coburg (700), Ebermannstadt (500) und Hof (300). Hinzu kamen in Oberfranken zahlreiche kleinere Protest-Märsche gegen die Corona-Maßnahmen. Und in manchen Städten waren auch Gegendemos angemeldet.

So zum Beispiel in Coburg: Eine linke Gegenveranstaltung war mit rund 20 Teilnehmern angemeldet, am Ende kamen rund 100. Besonderheit in der Veste-Stadt: Erstmals galt eine Allgemeinverfügung, die eine Maskenpflicht auch für "Spaziergänger" beinhaltete. Nur: Durchsetzen konnte die Polizei sie nicht.

Einsatz-Zug kam nicht

Denn: Ein zunächst vorgesehener Zug von Bereitschaftspolizisten, den die zentrale Stelle in Bamberg vorgesehen hatte, wurde abgezogen und anderswo eingesetzt. Die Coburger Polizei musste ihre Taktik ändern, sie deeskalierte die Lage nur. Für eine Durchsetzung der Maskenpflicht waren zu wenig Beamte auf der Straße.

Überlastung

Und genau davor hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) just an diesem Montag gewarnt: Sie befürchtet laut Pressemitteilung eine "Überlastung der Einsatzkräfte". "Viele unserer Kolleginnen und Kollegen kommen aus den Stiefeln gar nicht mehr heraus", sagte der Landesvorsitzende der GdP Bayern, Peter Pytlik. Hinzu käme, dass, wie in anderen Bereichen der Gesellschaft auch, die Polizei ebenfalls die Auswirkungen von Corona spüre. Durch die steigende Zahl der Infektionen komme es auch hier zu einer angespannten Personalsituation. "Nach meiner persönlichen Einschätzung haben wir zur Zeit rund 1000 Beamte, die aufgrund von Corona fehlen", sagte Pytlik unserer Zeitung. Die Gewerkschaft richtet daher eine ganz klare Forderung an alle, die auf die Straße gehen: Wenn bei Demos oder "Spaziergängen" gegen Gesetze verstoßen werde, oder wenn Einsatzkräfte angegangen würden, solle man sich davon fernhalten: "Nehmen Sie den Gewaltbereiten den Schutz der Anonymität", appelliert die GdP.

Lagebewertung

Fazit: Nicht automatisch wird in jede Stadt, in der ein "Spaziergang" stattfindet, Bereitschaftspolizei entsandt. Erst nach einer Lagebewertung wird entschieden, ob das geschieht. Für Coburg gab das die Lagebewertung am Montag nicht her. Allerdings zeigte sich später, dass die Stimmung dort aggressiv war, die örtlichen Beamten mussten in einzelnen Situationen schlimmeres verhindern.

Unsere Zeitung fragte das Bayerische Innenministerium: Wie gestaltet sich die Lagebewertung? Und ist es möglich, dorthin, wo Probleme drohen, mehr Polizei zu schicken? Laut Ministerium seien für die konkrete Beurteilung zentral: "unter anderem die Kooperationsbereitschaft der Teilnehmer und Veranstalter, das Aggressionspotenzial sowie die örtlichen Gegebenheiten und eventuell weitere parallel stattfindende Veranstaltungen oder Aufzüge." Und die Präsidien seien angewiesen, wo notwendig, die Präsenz "spürbar zu erhöhen".

Das aber scheint nicht immer ohne Weiteres umsetzbar zu sein.