Was haben die Oranier, die Glücksburger und die Coburger gemeinsam? Alles drei sind adelige Großfamilien, die jetzt vom zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in einer umfangreichen Dokumentation näher beleuchtet werden. Auftakt ist am Dienstag, 13. Juni, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Und gleich in der ersten Folge geht es um "die Coburger". Im Mittelpunkt steht natürlich die geschickte Heiratspolitik, durch die sie "zeitweise zur bedeutendsten Herrscherdynastie Europas" wurden, wie es in der Ankündigung des ZDF heißt.


Das Drama um Leopold

In der Dokumentation kommen viele Experten zu Wort. Zwischendurch gibt es aber auch Spielszenen, mit denen markante Momente der Geschichte anschaulich gemacht werden sollen. Zum Beispiel, wie Prinz Leopold von Sachsen-Coburg 1814 auf die britische Thronfolgerin Charlotte trifft. Die beiden verlieben sich und heiraten 1816. Ein Coburger ist also auf dem besten Wege, eines Tages Gemahl der Queen zu werden. Doch Charlotte stirbt 1817, einen Tag nach der Totgeburt ihres ersten Kindes.

Leopold arrangierte später die Heirat seiner Schwester Viktoria mit Eduard August, dem Herzog von Kent und Strathearn. Aus dieser Ehe ging unter anderem die künftige Queen Victoria hervor. Zwischen Leopold und seiner Nichte Victoria entwickelte sich ein sehr enges Verhältnis. Und weil Leopold auch einen Neffen hatte, den er sehr mochte - nämlich Prinz Albert - wurde er sozusagen als "Verkuppler" tätig. Victoria und Albert heirateten - und somit wurde doch noch ein Coburger zum Gemahl der Queen.


Plötzlich wurde ein König gesucht

Und Leopold? Der kam ins Gespräch, als in Belgien ein König gesucht wurde. Patrick Weber, Journalist und Autor des Buchs "La saga des Saxe-Cobourg", sagt dazu in der ZDF-Doku: "Als Belgien 1831 entstand, gab es nichts - keine Hymne, keine Fahne, keinen König. Die Verfassung war so demokratisch, dass man gar über eine Republik als Staatsform nachdachte. Aber damals herrschten quasi in ganz Europa Könige. Man musste also einen König finden. Der einzige Kandidat, der alle zufriedenstellte, war Prinz Leopold von Sachsen-Coburg. Ein Glücksgriff. Ein Staatsmann. Ein Europäer. Ohne Leopold I. hätte Belgien nicht lange existiert."

Patrick Weber zeigt sich sehr beeindruckt, wie geschickt "die Coburger" das damals alles eingefädelt haben. Auf der Internetseite des ZDF sagt er: "Es ist eine intelligente Dynastie. Anstatt Kriege zu führen, haben sie sich lieber aufs Heiraten konzentriert. Den Coburgern ist es gelungen, sich überall in Europa zu platzieren. Wie auf einem Schachbrett. Und sie haben viele siegreiche Züge gespielt. Das ist wirklich eine Meisterleistung der Familienpolitik."

In der ZDF-Dokumentation ergründet Adelsexpertin Julia Melchior auch die Wurzeln des bulgarischen Königshauses, die ebenfalls im Herzogshaus Sachsen-Coburg und Gotha liegen. Im Gespräch verrät der Ex-König und Ex-Ministerpräsident Simeon Sakskoburggotski, wie er zu seinem Nachnamen kam: "Einen Namen wie unseren kann man nicht einfach ablegen. Als Geschäftsmann im Exil bin ich aber nie als König Simeon von Bulgarien aufgetreten. Da habe ich ein Pseudonym benutzt. Und als ich dann nach fünf Jahrzehnten nach Bulgarien zurückkehren und meinen Pass beantragen konnte, fragte man mich, was denn darin stehen solle. Ich überlegte kurz und entschied, mein Familienname solle in meinem Pass stehen. Und so wurde ich plötzlich zu Simeon Sakskoburggotski!"


Der Riss kam mit Carl Eduard

In der Dokumentation geht es auch darum, wie es zum Riss zwischen den Coburgern und dem britischen Königshaus kam. Als Gesprächspartner stand Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha zu Verfügung. Er erklärt: "Der Erste Weltkrieg hat zum Zerwürfnis geführt. Danach haben sich die Familien in Coburg und in Großbritannien wieder angenähert. Aber der Zweite Weltkrieg hat dann durch die Person des Herzogs Carl Eduard einen Riss durch die Familienbande geschlagen."

Professor Hubertus Büschel, Historiker und Autor des Buchs "Hitlers adliger Diplomat", erklärt das noch genauer: "Aus einem Verhörprotokoll von 1945 wissen wir, dass Carl Eduard gesagt hat, es werde Zeit, die Juden zu beseitigen. Dann gab es noch die Rede von Hitler 1933, in der er den Massenmord an den Juden ankündigte. Die kommentiert Carl Eduard in seinem Tagebuch überschwänglich."

In der Dokumentation wird aber ausdrücklich gelobt, wie sehr sich Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha und auch sein Vater Prinz Andreas für eine Aufarbeitung der Nazi-Zeit engagiert haben.
Julia Melchior kommt am Ende der Dokumentation zu dem Fazit, dass die Coburger die "wohl europäischste Dynastie des Kontinents" war.