Die Politik hat das Kükentöten seit Anfang 2022 verboten. Ein Landwirt aus dem Itzgrund erzählt, vor welchen neuen Herausforderungen er deshalb nun steht.
Ob als Frühstücksei am Morgen oder beim Kuchenbacken zum Kaffee - jeder Deutsche isst im Schnitt pro Jahr 239 Eier. Keiner macht sich aber über die Konsequenzen des Eierkonsums Gedanken. Denn neben jeder Legehenne, die die geliebten Frühstückseier produziert, gibt es auch noch die Brüder der Henne. Bis letztes Jahr wurden die männlichen Küken als "Ausschuss" getötet und als Tiernahrung verkauft. Das ist seit Januar 2022 verboten. Für jede Legehenne muss nun auch ein Bruderhahn gemästet werden. Das bereitet Eierproduzenten wie Stefan Carl sorgen. "Das Problem liegt darin, dass der Bruderhahn an sich viel weniger Fleisch ansetzt, als ein Hybrid- oder Masthuhn. Dazu ist das Fleisch viel zäher." Gründe, warum das Fleisch von Verbrauchern nur zögerlich oder gar nicht gekauft wird. "Wir produzieren etwas, was der Kunde nicht will - komplett am Markt vorbei", sagt Stefan Carl.
Aufzucht ist kostenintensiv
Die Brüderhähne werden nach dem Schlüpfen rund 14 Wochen gemästet. Genaue Mastbedingungen werden vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben. Nach circa drei Monaten erreichen die "Brüder" ein Schlachtgewicht von circa 1400 Gramm. Zum Vergleich: Ein Masthähnchen erreicht in nur fünf Wochen ein Schlachtgewicht von circa 2000 Gramm. Ein gravierender Unterschied. Durch das schnellere Wachstum benötigen Masthähnchen viel weniger Futter als ihre männlichen Artgenossen. Und nicht nur das: "Die Futterverwertung bei Hähnen ist schlecht. Sie brauchen die drei- bis vierfache Menge eines Masthähnchens. Auch die beliebten Bruststücke kann der Hahn nicht liefern. Das ist auf Dauer ökologisch und wirtschaftlich nicht rentabel", sagt Stefan Carl.
Fleisch kommt auch nach Afrika
Das Gesetzt sieht vor, dass das Fleisch der Brüderhähne komplett in die menschliche Nahrung fließt. Verarbeitung in Tiernahrung wird untersagt. Das macht die Situation auf dem Markt nicht besser. Die Bruderhahnprodukte sind bei Verbrauchern noch weitgehend unbekannt und werden daher nicht gekauft. Die "Huhn-Hahn-Initiative", der auch Stefan Carl angehört, versucht, das Fleisch der Hähne im Einzelhandel besser zu platzieren. Mit Produkten wie Maultaschen, Geflügelbolognese oder Dosenwurst wird versucht, dass Fleisch hochwertig zu vermarkten.
Skeptiker der Initiative befürchten ein Verramschen der überschüssigen Hähne nach Afrika. Billigimporte schwächen dort die Wirtschaft und haben einen negativen Einfluss auf die afrikanische Landwirtschaft.
Auch die deutschen Eierproduzenten, wie Stefan Carl merken den gestiegenen Preisdruck. Er verpackt im Itzgrund rund 80 000 Eier pro Tag und liefert sie an zahlreiche Supermarktketten. Die Aufzucht und der Fleischpreis der Bruderhähne, die er durch seine verkauften Eier subventioniert, rechnen sich kaum. Die Kosten der Aufzucht betragen für einen Hahn über vier Euro.
"Die Schlachthöfe holen die meisten Bruderhähne nur kostenlos. Der Erlös reicht dann gerade, um die Kosten der Schlachtung zu bezahlen. Übrig bleibt dabei fast nichts", sagt Carl. Um wirtschaftlich zu bleiben, müssten die Kosten pro Ei um etwa drei Cent steigen.Nicht alle Verbraucher seien aber bereit, den Mehrpreis zu zahlen.
Geschlechterbestimmung in Ei
Wie die Zukunft der Bruderhähne in den nächsten Jahren aussieht, das kann Stefan Carl nicht sagen: "Wir wissen selbst noch überhaupt nicht, wo die Reise die nächsten Jahre hingehen wird."