Elke Maier ist eine Verwandlungskünstlerin. Mit scheinbar einfachsten Mitteln verwandelt sie Räume in magische Räume der Begegnung. Zugleich verwandelt sie das Material, mit dem sie arbeitet, in ein faszinierendes Medium. Ihr Material - das ist weißes Nähgarn aus Baumwolle, das sie nach einem genau durchdachten Plan und in akribischer Handarbeit quer durch den Kirchenraum von St. Augustin spannt. "Der Aufbau ist höchste Präzisionsarbeit", sagt die seit einem Vierteljahrhundert in Gmünd in Kärnten lebende Künstlerin.

Jeden Faden einzeln spannen

Wer die Installation in der katholischen Pfarrkirche am Fuß des Festungsbergs in Ruhe betrachtet, wird der Beschreibung Präzisionsarbeit sicher zustimmen. Seit einer Woche hat Maier auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung im Dekanat Coburg an ihrem neuen Projekt mit dem Titel "Der transparente Raum" gearbeitet. Von früh bis abends hat sie einzelne Fäden gezogen und über ein Gerüst bis hinauf zur Orgelempore gespannt. Vom Chorraum aus betrachtet fächern sich diese feinen Fäden auf. "Die Fäden müssen unter höchster Spannung stehen und dürfen auf gar keinen Fall durchhängen."

Für ihre Arbeit in St. Augustin musste sich Elke Maier nur an eine einzige Vorgabe halten - die Fäden sollten so angebracht werden, dass sie von Besuchern im Kirchenschiff nicht mit den Händen erreicht werden können.

Schon seit rund zwei Jahren bemüht sich die Katholische Erwachsenenbildung im Dekanat Coburg, ein Installations-Projekt mit Elke Maier in St. Augustin umzusetzen, erzählt Hans-Karl Kaufner: "Doch dann kam uns Corona dazwischen".

Von der Empore aus mit Blick ins Kirchenschiff betrachtet, lässt Maiers Installation ein wenig an die Saiten eines riesigen Cembalos denken. "Jeder Faden wird einzeln durch das gesamte Kirchenschiff gespannt", erklärt sie das Konzept ihre Installation in St. Augustin.

Im Wechsel des Lichts wirken die Fäden aus Nähgarn dann fast wie Gestalt gewordene einzelne Lichtstrahlen - aufgefächert durch ein unsichtbares Prisma.

Wenn das Licht dann langsam durch den hohen Kirchenraum wandert, verändert sich auch das Wechselspiel aus Fäden und Sonnenstrahlen fast unmerklich. Dieses Wechselspiel gewährt dem geduldigen Betrachter immer neue Perspektiven, neue Einblicke.

"Das technische Konzept für den Aufbau muss sehr gut durchdacht sein", sagt Elke Maier: "Man muss sehr weit im Vo raus denken." Seit rund einem Jahr beschäftigt sie sich intensiv mit dem Coburger Projekt. Mit Hilfe von Fotos konnte sie erste Eindrücke vom Raum gewinnen schon vor der Ortsbesichtigung in diesem Frühjahr. Doch Fotos und Konzepte können die Begegnung mit der erlebbaren Wirklichkeit des Kirchenraumes nicht komplett ersetzen: "Die genaue Umsetzung meiner Projekte entwickle ich erst unmittelbar im Raum - manche Möglichkeiten sieht man erst direkt im Raum."

Bis Dezember zu sehen

Auch wenn die Installation in St. Augustin keineswegs zu ihren größten Projekten zählt - rund 30 bis 40 Rollen Nähgarn mit einer Lauflänge von jeweils 500 Metern hat sie für ihr Projekt benötigt. Ganz genau gezählt habe sie die Rollen noch gar nicht.

Jede Installation ist trotz genauer Vorbereitung ein "Work in Progress", sagt Maier. "Man muss erleben, wie das Licht im Raum wandert", erklärt die Künstlerin: "Es wäre höchst interessant, die Installation während eines ganzen Jahreskreises zu erleben." Gezeigt werden soll sie laut Kaufner auf jeden Fall bis Dezember. Danach wird sie abgebaut und verschwindet - lediglich bewahrt in einer fotografischen Dokumentation, die auch den Aufbau mit einschließt.

"Meine Installationen sind sehr exklusive Arbeiten, die nur in einem sehr engen temporären Fenster zu erleben sind - leider", sagt Maier. Vom Material her jedenfalls könnten sie auch deutlich länger gezeigt werden. Aber wer weiß: vielleicht wird die Dauer der Installation ja doch verlängert - wie bei ihrer Arbeit 2014 im Stephansdom in Wien.

Ein Künstlerin im sakralen Raum

Vita Elke Maier studierte nach dem Abitur am Johannes-Turmair-Gymnasium in Straubing von 1986 bis 1993 Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München. seit 1996 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Gmünd in Kärnten.

Projekte Elke Maier setzt sich seit Jahrzehnten mit künstlerischen Interventionen in (sakraler) Architektur auseinander. Installationen schuf sie beispielsweise 2014 im Stephansdom Wien, 2010 für die Kollegienkirche Salzburg, für St. Thomas von Aquin

Berlin, den Dom und die Stiftskirche Wilten Innsbruck, die Markuskirche Hannover und viele andere.

Eröffnung Offiziell eröffnet wird die Kunst-Installation mit einer Matinee am

Sonntag, 19. September, 12 Uhr, im

Anschluss an den Gottesdienst.

Sponsoren Brückner & Brückner Architekten, Conterra Grundbesitz, Erzbistum Bamberg, HUK-Coburg, Sparkasse Coburg-Lichtenfels, private Spender und Sponsoren red