Ungewöhnliche Zeiten erfordern besondere Flexibilität - auch und in sehr ausgeprägter Weise von Kulturveranstaltern. Das zeigte sich beim Saisonstart der Rathauskonzerte des Landestheaters, der am Sonntag nicht im Rathaussaal stattfand, sondern im Großen Haus des Landestheaters.

Abstandsregeln

Der Grund: unter den aktuell geltenden Abstandsregeln hätte der Rathaussaal nur sehr wenigen Zuhörern Platz bieten können. Dass der Zuschauerraum des Landestheaters auch als Kammermusiksaal taugt, bewies das kontrastierend angelegte Programm, das vor dem Eisernen Vorhang musiziert wurde.

Knapp zwei Jahrhunderte liegen zwischen dem Klavierquartett des 2016 verstorbenen britischen Komponisten Peter Maxwell Davies und den Volkslied-Arrangements Ludwig van Beethovens, die bei dieser Matinee in spannungsvollem Kontrast zu erleben waren.

Insgesamt 18 Bearbeitungen Beethovens bildeten den Rahmen dieser Matinee - ausgewählt aus knapp 180 schottischen, irischen und walisischen Liedern, die Beethoven zwischen 1810 und 1820 geschrieben hatte und die im Konzertleben der Gegenwart kaum eine Rolle spielen im Schatten der Symphonik, Kammer- und Klaviermusik dieses Komponisten. In wechselnder Besetzung von solistisch bis Quartett entfalteten Luise Hecht (Sopran), Stefanie Ernst (Mezzosopran), Sascha Mai (Tenor) und Martin Trepl (Bariton) den Ausdrucksreichtum dieser Volkslied-Adaptionen sehr lebendig und anschaulich von heiter bis melancholisch.

Als gut harmonierendes Klaviertrio begleiteten Laura Schäfer (Violine), Friederike Arnholdt (Cello) und Mina Kim (Flügel) die Vokalsolisten und wurden zugleich den keineswegs zu unterschätzenden technischen Anforderungen des Instrumentalparts stets souverän gerecht.

Gemeinsam mit Veronika Patterer (Viola) gestalteten die Instrumentalistinnen in der Mitte des Programms das 2007 als Auftragswerk für das Primrose-Quartett entstandene Klavierquartett des britischen Komponisten Peter Maxwell Davies. Das sechssätzige Quartett ist der Schwedin Gunnie Moberg gewidmet, die im Norden Schottlands lebte und den Komponisten vielfach bei seiner Arbeit inspirierte.

Ausdauernder Beifall

Die im Ausdruck weit zerklüfteten Sätze zwischen zart und verletzlich bis energisch und schroff versuchen eine klingende Charakterisierung Gunnie Mobergs und erlebten eine intensive, fein nuancierte Interpretation.

Das erste Kammerkonzert der neuen Saison - ein spannender musikalischer Vormittag zwischen Klassik und Moderne, den das Publikum mit ausdauerndem Beifall belohnte.

Die nächsten Konzerte im Landestheater Coburg

Donnerstag, 15. Oktober "Love of Autumn" - Liederabend mit Solisten aus den Reihen des Chors des Landestheaters, 19.30 Uhr Samstag, 17. Oktober 2. Sinfoniekonzert, Philharmonisches Orchester, Dimitra Kotidou (Sopran), Dirigent: Johannes Braun, 20 Uhr Sonntag, 18. Oktober 2. Sinfoniekonzert, Philharmonisches Orchester, Dimitra Kotidou (Sopran), Dirigent: Johannes Braun, 11 und 18 Uhr