Hierzulande wenig bekannt ist der mexikanische Geiger, Komponist und Dirigent Silvestre Revueltas, dessen Musik tonal bis dissonant, voll vitaler Rhythmik ist und einen unverwechselbar folkloristischen, von der einheimischen "Mariachi"- Musik beeinflussten Einschlag aufweist.


So verwendet er auch die hierfür typische Orchesterbesetzung mit wenigen Streichern, Holz- und Blechblasinstrumenten, Klavier und Schlagzeug. Zu zwei seiner sinfonischen Dichtungen - basierend auf Gedichten des Kubaners Nicholás Guillén - hatte das bewährte Berliner Team Carmen Schmidt (Bühne), Sören Schrader (Musik) und Denise Madeleine Schliefke (Choreographie) mit Schülern der 4. und 5. Klassen der Rudolf-Steiner-Schule Coburg ein Projekt entwickelt, welches die Schüler in Verbindung mit dieser Musik zu "Bewegen und Spielen", "Gestalten und Bauen" sowie "Singen und Musizieren" anregen sollte. Man baute Instrumente, malte Plakate oder entwarf Kostüme.


In der ersten Komposition "Caminando" ging es um das Gehen - ziellos, mit leeren Taschen, traurig, mit schmerzenden Beinen. Die Kinder bewegten sich kreisförmig auf der Bühne und zeigten ansprechende darstellerische und sängerische Leistungen. Noch größer waren Anforderungen bei "Sensemayá", einer Schlange, die in einem Ritual getötet wird.


Mit selbst gebauten Instrumenten wie Waldteufel, Regenmacher, Trommeln und Zwitschermaschine wurde zunächst der "Sound des Regenwaldes" - unterstützt durch Projektionen - beschworen und die wandernde Schlange von Schülern dargestellt. Die gesprochenen Beschwörungsformeln kamen rhythmisch sicher und waren eine enorme Gedächtnisleistung. Es war eine rundum gelungene, eindrucksvolle Darbietung!


Eine Hauptrolle spielte natürlich auch das Orchester unter der überlegenen, sorgsam gestaltenden Hand seines Dirigenten Roland Kluttig. Stets entfaltete es gekonnt den für Revueltas so typischen Sound und wartete mit klangvollen Soli auf.


Zur Ergänzung des Schüler-Programms gab es noch eine Reihe weiterer Beispiele aus dem vielseitigen, aus Orchester-, Film- und Kammermusik sowie Liedern bestehenden Schaffen des Komponisten. Zuerst erklang die dreisätzige "Homenaje a Federico Garcia Lorca" mit schönem Trompetensolo von Markus Riepertinger, gefolgt von fünf Kinderliedern mit teils humorvollen, teils traurigen skurrilen Texten, die Emily Lorini einfühlsam mit gut sitzender Stimme vortrug. In "Ocho por Radio", einem spritzig-lebendigen Werk für acht Musiker wurde eine weitere Lanze für Revueltas gebrochen.


Als heftig geforderte Zugaben gab es dann noch eine rein orchestrale "Sensemayá" sowie zwei Stücke mit den wieder auf die Bühne gerufenen Schülern: Das lustige lateinamerikanische Lied "Le-lo-la" zur Ukulele-Begleitung von Sören Schrader und noch einmal das am Beginn stehende "Caminando".