Seit nunmehr 50 Jahren besteht das ungarische Kodály Quartett, das sich gerade auf seiner Jubiläumstournee befindet. Zwar ist von den Gründungsmitgliedern niemand mehr im Ensemble, doch hat es auch mit den neuen seine hohe Qualität gehalten, angeführt vom Primarius Attila Falvay, der immerhin schon seit 1980 am 1. Pult sitzt.


Als ebenso hochkarätige Musiker erwiesen sich Ferenc Bangó (2. Violine), Janos Fejérvari (Viola) und György Éder (Violoncello). Mit anspruchsvollen Spätwerken von Mozart und Beethoven sowie dem 4. Streichquartett ihres Landsmanns Béla Bartók bewiesen sie ihre hervorragende Klasse, was nahtloses Zusammenspiel, technische Überlegenheit und Gestaltungsfähigkeit anbelangt.


Lyrisch bis virtuos

Ein Jahr vor seinem Tod (1790) komponierte Mozart als Auftragswerk für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. sein Streichquartett B-Dur KV 589.


Statt den ursprünglich geplanten sechs konnten wegen schwindender Kräfte nur noch drei vollendet werden. Dem Cello spielenden König sind in diesem Werk besondere Aufgaben zugedacht, teils lyrischer, teils virtuoser Natur, die aber organisch in das Gesamtgefüge eingebettet sind. Man hörte das Kodály Quartett mit klangvollen Soli im musikantischen Kopfsatz, beseeltem Larghetto, deutlich akzentuiertem Menuetto nebst beschwingtem umfangreichem Trio und spielfreudigem, temperamentvollem Finale.


Der von den Musikfreunden geplante sechsteilige Zyklus von Bartók-Quartetten wurde vom Kodály Quartett "authentisch" eröffnet mit dem 1928 entstandenen 4. Streichquartett, dessen fünf Sätze nach einem bestimmten Prinzip miteinander korrespondieren. Motorisch, mit harten Dissonanten die Ecksätze, Prestissimo, con sordino und Allegro pizzikato die Sätze 2 und 4, während der dritte einen sehr ausdrucksvollen Mittelpunkt darstellt. Überlegen bewältigte das Kodály Quartett die enormen Schwierigkeiten dieser auch heute noch modern wirkenden Komposition, in der auch damals neuartige Spielweisen wie Glissando einbezogen sind.


Das Streichquartett cis-Moll op.131 ist eine der letzten Kompositionen Ludwig van Beethovens, das typische Merkmale seines Spätstils aufweist wie etwa die Auflösung der überkommenen Formen in Richtung Fantasie. So haben wir hier nicht weniger als sieben Sätze, von denen jedoch einige nur Überleitungscharakter haben.
Von nachhaltigem Eindruck bleiben wohl die tiefgründige, fugierte Einleitung, das spritzige Scherzo und das energische Finale im punktierten Rhythmus.


Das Kodály Quartett präsentierte dieses Riesenwerk wie aus einem Guss und wurde am Ende mit anhaltendem Beifall bedacht, für den es sich mit einem ausdrucksvoll musizierten Andante von Mozart und einer frechen, persiflierenden Polka von Schostakowitsch bedankte.



Die nächsten Termine der "Musikfreunde Coburg"




Montag, 6. März
"Scherzo" - Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Frank dupree (Klavier), Leitung: Roland Kluttig - Werke von Joseph Haydn, Maurice Ravel, Igor Strawinsky (20 Uhr, Kongresshaus, gemeinsam mit dem Landestheater Coburg)

Sonntag, 2. April
Klezmer-Ensemble "Sher on a Shier" (19.30 Uhr, Haus Contakt, Zusammenarbeit mit "Cultur im Contakt")

Montag, 10. April Hans-Dieter Bauer (Klavier) - Werke von Franz Liszt und Felix Draeseke (20 Uhr, Piano spezial im HUK-Foyer Bertelsdorfer Höhe)

Samstag, 22. April Schubertiade (16 Uhr, Haus Contakt)