Das Experiment ist gelungen: Eine Menge Bauteile und -stoffe von zwei ehemaligen Discountmärkten in Rödental werden wiederverwendet. Unter dem Motto "Gib Bauteilen ein zweites Leben! - Second Life für Bauteile" haben in den vergangenen Wochen Handwerksbetriebe, Privatleute und Kleinunternehmer abgehängte Decken, Regenrinnen und Fallrohre, Heizungen und Klimageräte oder Kabel ausgebaut. Die beiden Supermärkte am Schafsteg im Rödentaler Stadtteil Mönchröden werden nun abgerissen. Dort entsteht Wohnungen für betreutes Wohnen.

Die beiden erst 15 Jahre alte Supermärkte standen seit langem ungenutzt leer. Bei dem anstehenden Abbruch können einige Baustoffe recycelt werden, jedoch längst nicht alle. "Das allein reicht in Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimakrise nicht mehr aus", findet Gisela Raab, Geschäftsführerin der Raab-Baugesellschaft, die sich um den Rückbau kümmert.

95 Teile auf der Liste

So entstand die Idee, die Bauteile der Supermärkte über eine Baustoffbörse zu verschenken. Innentüren, Durchlauferhitzer, Deckenleuchten, Waschbecken, Wandverkleidungen, Heizkörper, eine Miniküche oder auch Verteilerschränke, Stahlregale und vieles mehr warten auf ihr "Second Life". Auch die Betonpflastersteine des Parkplatzes sollen wieder Wege und Plätze befestigen. Die Liste der Teile umfasst 95 Positionen. Die Tür des Kühlraum baute ein Jäger aus.

Gemeinsam mit Creapolis, der Innovations- und Vernetzungsplattform der Hochschule Coburg, Professoren und Studierenden startete die Ebensfelder Firma Raab Bau das Experiment: "Zusammen wollen wir zeigen, was möglich ist und vielleicht sogar einen Stein ins Rollen bringen, um in Zukunft noch mehr Projekte dieser Art zu ermöglichen. Die Wiederverwendung von Bauteilen leistet einen wichtigen Beitrag, umweltfreundlicher und CO2-einsparend zu bauen", erklärten Gisela Raab und Professor Rainer Hirth am Samstag in Rödental.

Hirth schuf ein Wahlfach für die Studierenden. "Die jungen Leute sind für dieses Thema sehr sensibilisiert und wollen angesichts von Klimakrise und Ressourcenknappheit Veränderungen bewirken."

250 Millionen Tonnen im Jahr

Jedes Jahr fallen nach den Worten Hirths in Bayern 50 Millionen Tonnen Bauschutt an. Deutschlandweit sind es 250 Millionen Tonnen.

Die Herausforderung sei, solche Baustoffbörsen dauerhaft zu etablieren. "Da müssen jedoch zuvor auch rechtliche Fragen geklärt werden, etwa wie es um die Gewährleistungen von gebrauchten Bauteilen bestellt ist oder bei einer möglichen Schadstoffbelastung."

Über die Baustoffbörse entsteht ein Video. "Es ist spannend und hat einen starken Bezug zur Realität", so die Studenten Markus Polloch und Nikolas Tuffner.