"Nachdem die Konjunktur durch den Lockdown im Frühjahr massiv eingebrochen war, befindet sich unsere Coburger Wirtschaft mittlerweile in weiten Teilen wieder auf einem leichten Erholungskurs", kommentiert Präsident Friedrich Herdan die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg.

Aus einer Pressemitteilung der IHK zu Coburg geht hervor: Die regionale Wirtschaft kämpft weiterhin mit den starken Rückschlägen, die die Corona-Pandemie respektive die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung verursacht haben. Noch immer erschweren stark verminderte Nachfrage, ausbleibende Investitionen, Störungen in den Lieferketten und Einschränkungen bei Geschäftsreisen insbesondere auch die internationalen Geschäfte. Aufgrund fortdauernder Einschränkungen und kostenintensiver Hygienemaßnahmen im Reisegewerbe, in der Gastronomie, im Handel sowie in der Messe- und Kongresswirtschaft reichen die Umsätze für einen lohnenden Geschäftsbetrieb oft kaum aus.

Derzeit bezeichnen immerhin wieder 26 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als "gut", 42 Prozent als "befriedigend" und 32 Prozent als "schlecht". Damit liegt der Saldo aus guten und schlechten Stimmungen mit -6 Punkten zwar noch leicht im negativen Bereich, aber deutlich verbessert zur Vorumfrage mit damals -34 Punkten.

Erwartete Geschäftslage:

Die wieder ansteigenden Zahlen bei Corona-Infektionen im Inland und Ausland sorgen bei Wirtschaftsvertretern erneut für Verunsicherung. Dennoch erhoffen sich 19 Prozent der Unternehmen eine leicht ansteigende Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten, 25 Prozent rechnen mit Verschlechterung. Damit verändert sich auch der Erwartungssaldo im Vergleich zur Vorumfrage von -17 auf -6 Punkte.

IHK-Konjunkturklimaindikator:

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, steigt um 20 Punkte auf jetzt 94, liegt aber immer noch 21 Punkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 115.

"Investitionen tätigen, Arbeitsplätze schaffen, Wohlstand erhalten - dafür braucht unsere Wirtschaft Wachstumsimpulse. Auf zusätzliche Auflagen - wie beispielsweise mit dem Lieferkettengesetz oder der Verschärfung des Unternehmensstrafrechts geplant - können wir sehr gerne verzichten. Das zarte Pflänzchen Aufschwung müssen wir hegen und pflegen", richtet IHK-Präsident Herdan seinen Appell an die Politik.

"Wichtig ist jetzt, die im Konjunkturpaket verabredeten Investitionen zügig anzukurbeln - in Forschung und Entwicklung, in Digitalisierung und in Zukunftstechnologien. Außerdem kommt es darauf an, dass die Exportgeschäfte wieder anlaufen, die derzeit noch durch erhebliche Unsicherheiten gehemmt sind, insbesondere mit Blick auf mögliche weitere Einschränkungen im grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehr. Unsere Unternehmen brauchen wo immer verantwortbar Erleichterungen bei Geschäftsreisen, die für den Verkauf von Waren und Anlagegütern oder Wartung von Maschinen äußerst wichtig sind", so IHK-Präsident Herdan abschließend.

Die Branchen im Einzelnen:

Industrie gesamt:

Aktuelle Lage: Die Einschätzungen haben sich im Vergleich zur Vorumfrage verbessert. Bewerteten infolge von Strukturumbrüchen insbesondere in unseren Schlüsselbranchen Automotive und Maschinenbau sowie aufgrund der unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie im Frühjahr noch 57 Prozent der Industrieunternehmen ihre Geschäftslage als "schlecht", sind dies aktuell nur noch 30 Prozent. Der Saldo aus "gut"- und "schlecht"-Bewertungen bleibt aber mit -7 Punkten weiter im negativen Bereich. Viele Betriebe berichten insbesondere von Nachfragerückgängen im In- und Ausland und damit von abschmelzenden Umsätzen und Erträgen.

Erwartungen: Gerade die exportorientierte Industrie ist darauf angewiesen, dass neben der Binnenkonjunktur auch der internationale Handel wieder in Schwung kommt. Allerdings stehen angesichts der weltweiten Pandemielage die Vorzeichen hierfür momentan nicht zum Besten. Dem entsprechen die Geschäftserwartungen der kommenden Monate, auch wenn sich diese im Vergleich zur Vorumfrage leicht aufgehellt haben (per Saldo -4 Punkte). 20 Prozent der Unternehmen gehen von einer günstigeren Geschäftslage in den kommenden Monaten aus, leider erwarten aber 24 Prozent Verschlechterungen.

Industrie im Einzelnen:

Maschinenbau:

Aktuelle Lage: Coburgs exportstarken Maschinenbauern macht die weiter anhaltende Auftragsflaute zu schaffen. Reiserestriktionen werden in der Branche als das wesentliche Geschäftshindernis angegeben. Folglich schmelzen Auftragsbestände weiter ab. Nur noch knapp 50 Prozent der befragten Unternehmer sprechen von einem "ausreichenden" Auftragsbestand.

Erwartungen: Auch auf die kommenden Monate blicken die Maschinenbauer mit Skepsis. Lediglich 36 Prozent der Unternehmen erwarten die Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit schon 2021.

Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie

Aktuelle Lage: Die Corona-Krise, der politisch vorgegebene Umstieg auf alternative Antriebe und die Digitalisierung stellen die heimischen Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterproduzenten vor große Herausforderungen. Nach dem weltweiten Einbruch der Märkte infolge des Lockdowns hat sich die Gesamtsituation zwar leicht stabilisiert, bleibt aber weiterhin fragil. Aktuell bewertet ein Drittel der Betriebe die Lage als "gut", 38 Prozent sprechen von "schlechten" Geschäften. Erfreulich ist, dass laut Umfrage zwei Drittel der Befragten weiterhin von einem "guten Liquiditätsstatus" berichten.

Erwartungen: Mit Blick auf die kommenden Monate sind die Signale der regionalen Branchenvertreter nicht eindeutig. Während die Hälfte mit einer stabilen Geschäftstätigkeit rechnet, halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Allerdings gehen 42 Prozent der Befragten davon aus, erst im Laufe des Jahrs 2021, wahrscheinlich noch später, das Vor-Corona-Auslastungsniveau in der Produktion wieder zu erreichen.

(Polster-)Möbelindustrie:

Aktuelle Lage: Die heimischen Verbrauchsgüterproduzenten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser als noch zur Frühjahrsumfrage. 25 Prozent berichten von "guten" und 13 Prozent von "schlechten" Geschäften. Im Vergleich zur Vorumfrage ist dies im Saldo ein Plus von 78,4 Punkten. Die "Möbler" profitieren von einem gewissen Nachholbedarf der Verbraucher nach dem Lockdown und einem Umschichten der Ausgaben zugunsten von Möbeln und zulasten von Urlauben und anderen Freizeitaktivitäten.

Erwartungen: Auch die Aussicht auf die kommenden Monate ist von Zuversicht geprägt. Zum Jahresende hin dürfte die zeitlich befristete Mehrwertsteuersenkung für Vorzieheffekte und zusätzliche Impulse beim Möbelkauf sorgen. Dementsprechend erwarten 17 Prozent der befragten Branchenvertreter eine verbesserte Geschäftslage und 83 Prozent eine unveränderte.

Dienstleistung:

Versicherungs- und Finanzgewerbe:

Aktuelle Lage: Wieder zufriedener mit der aktuellen Situation zeigt sich das regional starke Versicherungs- und Finanzgewerbe. Die Branche kam bislang nahezu unbeschadet durch die Krise. Drei Viertel der Unternehmen sind voll bzw. befriedigend ausgelastet. 50 Prozent der Branchenvertreter konnten ihre Geschäftslage verbessern, kein Unternehmen ist "unzufrieden".

Erwartungen: Für die kommenden Monate rechnen 20 Prozent der Branchenvertreter mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäftslage. Unsicherheit sehen viele in der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht und damit einhergehenden Kredit- und Beitragsausfällen.

Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe:

Aktuelle Lage: Coburgs unternehmensnahe Dienstleister zeigen sich weiter sehr robust und trotzen der konjunkturellen Schwäche in der Industrie. In der Einschätzung der Geschäftslage steigt der Saldo gegenüber Frühjahr um 13 auf +20 Punkte. Zwei Drittel der Betriebe melden volle bzw. befriedigende Auslastung in den vergangenen sechs Monaten.

Erwartungen: Die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate werden in dieser Branche vorsichtig optimistisch eingeschätzt: 20 Prozent der Unternehmen rechnen mit Geschäftsbelebung und 10 Prozent mit -eintrübung.

Handel:

Einzelhandel:

Aktuelle Lage: Der stationäre Einzelhandel hatte im Frühjahr in besonderem Maße unter dem Lockdown zu leiden. Mit den inzwischen eingetretenen Lockerungen haben sich die zuvor desaströsen Beurteilungen der Einzelhändler zu ihrer geschäftlichen Lage marginal erholt. Dies ändert jedoch nichts an der nach wie vor außerordentlich schwierigen Situation des regionalen Handels. Die geltenden Hygieneauflagen beeinträchtigen das Einkaufserlebnis und führen zu Umsatzrückgängen bei den Händlern. Und nicht zuletzt wirken sich verbreitete Kurzarbeit und Ängste um Jobverlust negativ auf die Konsumstimmung der Kunden aus. Aktuell bezeichnen 29 Prozent der Befragten ihre Lage als "gut" (+21 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorumfrage), 14 Prozent als "schlecht".

Erwartungen: Steigende Infektionszahlen und die zunehmende Furcht vor Verschärfungen pandemiebedingter Einschränkungen sorgen für große Unsicherheit. In den kommenden Monaten erwartet die Branche eine Seitwärtsbewegung. Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage, 54 Prozent der Unternehmensvertreter gehen von gleichbleibenden Geschäften aus.

Großhandel:

Aktuelle Lage: Zwar können sich auch die Großhändler der schwierigen Lage ihrer Kunden nicht entziehen - Einzelhandel, Gastronomie, Industrie und Gewerbe nahmen den Grossisten weniger Waren ab. Dennoch berichten die Großhändler von leicht verbesserten Geschäftsverläufen im Vergleich zur Vorumfrage. 30 Prozent der Betriebe bewerten die aktuelle Lage als "gut" und 20 Prozent als "schlecht".

Erwartungen: Auf die kommenden Monate schauen die Grossisten mit Skepsis. Nur 10 Prozent der befragten Unternehmen erwarten geschäftliche Aufhellungen. 20 Prozent gehen jedoch von rückläufiger Geschäftsentwicklung aus. Für das laufende Jahr rechnen 40 Prozent der Grossisten mit einem Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent im Vergleich zu 2019.

Tourismus:

Aktuelle Lage: Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist nach wie vor durch krisenbedingte Betriebseinschränkungen stark betroffen. Aufgrund der weiterhin erforderlichen Abstandsgebote und Kapazitätsbegrenzungen ist eine rentierliche Auslastung und Leistungserbringung bei den meisten Unternehmen nicht möglich. Nur 27 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als "gut", 69 Prozent berichten aber Gegenteiliges.

Erwartung: Die Branche blickt mit großer Sorge Richtung Herbst, wenn die Urlaubsreisetätigkeit nachlässt und nicht durch Geschäftsreisen kompensiert werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Außenbereiche in der Gastronomie nicht mehr so genutzt werden können, wie bisher im Sommer. Dementsprechend rechnen lediglich 12 Prozent der Leistungsträger mit einer verbesserten Geschäftslage, 47 gehen von einer weiteren Verschlechterung aus.