Von der Plage zur gefährdeten Art: Europäisches Wildkaninchen immer seltener
Autor: Redaktion
Coburg, Freitag, 11. Sept. 2026
Einst galten sie als eingeschleppte Art und als Plage. Dann wurden sie von Seuchen zu Tausenden dahingerafft. Mittlerweile sieht man die possierlichen Tierchen im Coburger Land nur noch selten.
Wer hätte gedacht, dass das Wildkaninchen nicht zu unserer ursprünglichen heimischen Tierwelt zählt, sondern erst in der frühen Neuzeit nach Deutschland gebracht wurde? Tatsächlich gilt der kleine Verwandte von Meister Lampe bei uns als eingeschleppt und mittlerweile dauerhaft etabliert, wie die Coburger Ortsgruppe des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) informiert.
Die Experten kennen den eigentlichen mLebensraum der Tiere: Ursprünglich lebte das Europäische Wildkaninchen nach der letzten Eiszeit vor rund 11.600 Jahren auf der Iberischen Halbinsel, in Nordafrika und Südfrankreich. Seit der Antike wurde es durch den Menschen weiter in Europa verbreitet, zunächst im Mittelmeerraum. Insbesondere bei den Römern galt das zarte Fleisch als Delikatesse. Im Mittelalter war das Fleisch junger Wildkaninchen als Fastenspeise erlaubt, daher wurden die Tiere in Klöstern gehalten.
Wie das Wildkaninchen seinen Weg nach Mitteleuropa fand
Französische Mönche begannen im 16. Jahrhundert mit der systematischen Zucht, wodurch aus dem Wildkaninchen die domestizierte Form des Hauskaninchens entstand. Der auch gebräuchliche Begriff „Stallhase“ ist etwas irreführend, denn Feldhasen lassen sich nicht in Ställen halten, und sie unterscheiden sich genetisch von Kaninchen doch so sehr, dass keine Kreuzungen untereinander möglich sind.
Mit ihrer Domestizierung wurden Kaninchen zum beliebten Nutztier für die Fleisch- und Pelzproduktion, aber auch zum gerne gehaltenen Heimtier, von dem es inzwischen viele Zuchtrassen gibt, wie der LBV informiert. In Deutschland wurden Kaninchen heimisch, weil den Mönchen vermutlich manche Tiere aus der Haltung entwischten und sich in freier Natur verbreiten konnten. Die sehr anpassungsfähigen Langohren legen unterirdische Baue an und leben gerne gesellig in Kolonien.
Nachdem englische Siedler Kaninchen im 18. und 19. Jahrhundert mit nach Australien brachten, entwickelten sie sich zu einem echten Problem für das dortige einzigartige Ökosystem. Mangels natürlicher Feinde konnten sie sich in Australien ungebremst ausbreiten und vermehrten sich dort sprichwörtlich wie die Karnickel. Für Australien sind sie deswegen das Paradebeispiel für einen invasiven Neubürger. Ein wichtiger Regulator von Kaninchenpopulationen ist die Myxomatose, auch Kaninchenpest genannt.
Krankheiten und Seuchen machen dem Wildkaninchen zu schaffen
Auch in Deutschland gab es bis in die 1980er Jahre große Populationen. Ab den 1990er Jahren sind Freilandbestände jedoch großräumig zusammengebrochen, infolge von Seuchen wie der Myxomatose sowie der 1984 erstmalig in China auftretenden „Rabbit Haemorrhagic Disease“, auf Deutsch „Chinaseuche“ oder „Kaninchen-Ebola“ genannt. Das ist ebenfalls eine hoch ansteckende Viruserkrankung für Kaninchen, vor der sich vor allem die Hobby-Kaninchenhalter fürchten.
Ein guter Indikator für den Rückgang der Wildkaninchen ist das jährlich dokumentierte Jagdergebnis. In Bayern sind die Abschusszahlen von Wildkaninchen verglichen mit dem Jagdjahr 1990/91 mit etwa 27.000 Tieren auf ein Zehntel geschrumpft. In der Periode 2024/25 waren es nur noch rund 2500. Im Coburger Land spielt der Kaninchenabschuss keine Rolle mehr. Seit 2019 waren es nie mehr als 15 Tiere pro Jahr.