Mit den Comic-Figuren Asterix und Obelix sind Janka und Jasmin Hofmann großgeworden. Ob daher die Leidenschaft für das Comic-Zeichnen kommt? Vielleicht. Kreativ sind die beiden jungen Frauen allemal. Sie zeichnen, schreiben, schneidern, spielen mehrere Musikinstrumente und bieten jetzt an der Volkshochschule Kurse rund um Comics an.

Zu Hause haben die Schwestern einen kleinen Teil ihrer Werke ausgebreitet. "Bitte vorsichtig anfassen", sagt Janka, "meine Zeichnungen sind wie meine Kinder." Mit ruhiger Hand tuscht sie exakt die Linien der Bleistiftzeichnung nach. "Je genauer ich arbeite, umso weniger Arbeit habe ich später am PC", sagt sie.

Die Vorlage liefert meist die ältere Schwester Jasmin, die die Ideen handschriftlich zu Papier bringt. Ein Vorurteil möchten die Studentinnen aus dem Weg räumen: Comic-Zeichen, sagen sie, werde oft unterschätzt und als Kinderkram abgetan. Dabei seien Comics weit mehr als bunte, lustige Bildchen. "Es handelt es sich um hochkomplexe Kunst aus Bildern, Texten und Zwischenräumen, die man im Kopf zu einer flüssigen Geschichte verarbeitet", erläutert Janka.

Meist denkt Jasmin sich die Geschichte aus und schreibt ein Script dazu. Janka lässt durch die Zeichnung die Figuren lebendig werden, verleiht ihnen einen Charakter und erzählt mit Bildern, Texten und abstrakten Geräuschen eine Geschichte. Manche Figuren sind frei erfunden, andere existieren bereits. Die jungen Frauen denken sich dann zu existierenden Figuren eine neue Handlung aus. "Wir überlegen, was passieren könnte und schreiben das auf."

Die Geschichte von der Krabbe

In einer großen Kiste lagern die Entwürfe für viele Comics. Kreativität, sagt Jasmin, könne jeder üben. "Man muss lernen, die Ideen zuzulassen und beispielsweise ganz banale Alltagssituationen weiterzudenken." Janka holt einen ihrer aktuellen Entwürfe hervor. Die Bildergeschichte erzählt von einer Schwimmerin, die eine leuchtende Muschel findet. Die nimmt sie mit an Land und öffnet sie. Darin findet sie eine leuchtende Krabbe, die behauptet, sie sei ein verwunschener Prinz und müsse wachgeküsst werden. Nein, das Ende kommt anders als gedacht. Im letzten Bild grillt die Schwimmerin nämlich die Krabbe am Spieß. "Man bricht mit der Erwartung", sagt Jasmin lachend und Janka ergänzt: "Ich bin gerne ein bisschen böse."

Die amerikanischen Comic-Figuren lassen die beiden in der Originalsprache zu Wort kommen. "Wir haben festgestellt, dass bei Übersetzungen meist der Wortwitz verlorengeht." Apropos USA: Dort seien im Gegensatz zu Deutschland Comics sehr beliebt, anspruchsvoll und auch politisch. "Dahinter steht ja eine eigene Philosophie, das wissen nur die wenigsten."

Multitalente können mehr

Das Talent haben Janka und Jasmin in die Wiege gelegt bekommen. Der Vater ist Musiklehrer am Gymnasium Casimirianum und auch die Mutter hat eine kreative Ader. Jasmin und Janka studieren beide fürs Lehramt. Jasmin möchte Grundschullehrerin werden und Janka Gymnasiallehrerin mit Musik als Doppelfach. In der Schule, verrät sie, habe sie Kunst als Leistungskurs gewählt. "Zwei meiner Bilder sind auch in der Jahresausstellung des Kunstvereins zu sehen", erzählt sie fast ein bisschen schüchtern. Die Tage der Schwestern sind prall gefüllt mit Aktivitäten: Jasmin spielt Cello, Saxofon und nimmt Gesangsunterricht, Janka spielt Geige, Klavier, Tuba und Bratsche. "Das sind nicht alle, aber die wichtigsten Instrumente", sagt Jasmin. Janka entwirft außerdem Schnitte und näht - auch die Kostüme ihrer Figuren.

Ihr Know-how möchten die jungen Frauen jetzt in Kursen weitergeben. "Asterix, Batmann, Wolverine oder Sailor Moon kennen ja viele. Was eine gute Comicfigur ausmacht, lernt man bei uns." Neben dem Kurs "Comicpraktisches Zeichnen" bieten die Schwestern einen Aufbaukurs "Comiczeichnen" an, in dem die Grundlagen für eine lebendige Geschichte vermittelt werden. Für Kinder gibt es einen speziellen Lehrgang.

Jankas Lieblingsfigur ist übrigens der Superheld "Wolverine". Die Lieblingsgeschichte handelt von einem Bürgerkrieg der Superhelden, der durch ein Antiterrorgesetz entsteht. Also weit mehr als kleine, bunte Bildchen und schon gar kein Kinderkram.