Pfingstkongresse sind für den Coburger Convent (CC) natürlich immer ein Heimspiel. Dieses Jahr wäre der Kongress aber sozusagen ein dreifaches Heimspiel: Mit der Turnerschaft Munichia zu Bayreuth hat eine in Oberfranken ansässige Verbindung das Präsidium übernommen, und ihr Sprecher, Andreas Grosch, stammt auch noch aus Neustadt. Das dritte Heimspiel verschafft dem CC sozusagen dauerhafte Spielberechtigung: Mit der Franco Borussia hat erstmals eine Coburger Verbindung die Aufnahme in den CC beantragt. Darüber wird der Kongress am Samstag entscheiden.

Großer Widerstand wird nicht erwartet. Das Coburg kein Universitäts-, sondern "nur" ein Hochschulstandort ist, spiele keine Rolle mehr, meinen Frank Klauss, der Pressesprecher des CC, und Ali-Ottmar Mahdi, der Vorsitzende des Altherrenverbandes AHCC. Denn durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sei ohnehin kaum mehr ersichtlich, wer welchen Titel vergibt, meinte Mahdi. Die Franco Borussia habe sich sogar extra in eine pflichtschlagende Verbindung gewandelt, um im CC Mitglied werden zu können. Bis zum Pfingstkongress 2016 muss sie dann neun Pflichtmensuren nachweisen, dann ist sie aufgenommen. Aber am Totengedenken, am Festkommers und am Fackelzug am Montag kann die Franco Borussia schon heuer teilnehmen.

Problematischer Waffenpartner

Zwei Pflichtmensuren verlangt der CC von seinen Mitgliedsbünden. Gefochten wird gegen Mitglieder anderer Verbindungen, die dem gleichen Waffenring angehören.

Ein Partner im Bayreuther Waffenring (dem sich auch die Franco Borussia anschließen wird) macht der Munichia freilich Kopfzerbrechen: Die Burschenschaft Thessalia Prag, ebenfalls in Bayreuth ansässig. Deren Mitglied Mario Brehme hatte Kontakte zum rechtsradikalen NSU. Als das bekannt wurde, seien zwei Drittel der jüngeren Mitglieder der Thessalia ausgetreten, sagt Andreas Grosch. Offizielle Kontakte unterhalte die Munichia nicht, zur gemeinsamen Waffenkneipe sei die Thessalia ausdrücklich nicht eingeladen worden.

Es gebe allerdings private Treffen zwischen Munichen udn Thessaliern, wie ein Tontaubenschießen, räumte Grosch ein. Auf die Kontakte zwischen den beiden Verbindungen hatte das "Antifaschistische Infoblatt" im Internet hingewiesen.

Die Burschenschaften, die - wie die Thessalia - in der Deutschen Burschenschaft (DB) organisiert sind, gelten als rechtsgerichtet. Um sich abzugrenzen, lässt der CC seit 2011 seine Mitgliedschaft im Convent Deutscher Akademikerverbände ruhen, da dort auch die DB Mitglied ist. Zum Pfingstkongress seien die Burschenschaften nicht eingeladen, und alle Veranstaltungen seien ausdrücklich nur für geladene Gäste, sagte Ali-Ottmar Mahdi.

Immerhin: Mit dem Coburger Zuwachs wird der CC die Marke von 1600 Aktiven (studentischen) Mitgliedern wieder knacken. Noch sind es 1592 Studenten, die an 46 Hochschulstandorten einer der 93 Verbindungen angehören. Die Munichia als Präsidierende zählt 20 Aktive und 108 Alte Herren, zu denen auch Andreas Grosch zählt.

Das Mensurfechten mache die CC-Verbindungen für junge Leute attraktiv, glauben Klauss und Mahdi. Gefochten wird mit scharfen Waffen, es ist also nicht ungefährlich. Außerdem hat eine Universität einen Kurs der CC-Akademie als Studienleistung anerkannt - damit können Studierende Punkte fürs Studium sammeln. Das, so Klauss, biete kein anderer akademischer Dachverband.