Dass sie mit dem "Weißen Engel" ausgezeichnet werden soll, habe sie überrascht, sagt Vera Romahn. Keine Frage, dass sie sich darüber freut, aber: "Meine größte Auszeichnung wird das Hospiz sein, wenn es einmal steht."

Seit 2006 haben sie und ihre Mitstreiter vom Verein "Lebensraum - ein Hospiz für Coburg" beharrlich um eine stationäre Sterbebegleitung in der Stadt gerungen und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Jahrelang hat Vera Romahn als geschäftsführende Vorsitzende den Verein geleitet. Als im August 2015 dann die Genehmigung für den Hospizbau erteilt und der Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen geschlossen wurde, legte auch die Vorsitzende ihr Amt nieder. "Neun Jahre zähes Ringen haben genügt. Ich hatte mein Ziel erreicht", sagt sie rückblickend. Doch der Hospizbewegung ist Vera Romahn treu geblieben. Sie engagiert sich weiter ehrenamtlich in der Sterbebegleitung. "Ich fühle mich in dem Thema zu Hause, da hat eins das andere ergeben." Auch wenn sie heute ruhig auf den bevorstehenden Bau des Hospizhauses in der Kükenthalstraße warten könne - laut Plan soll es in diesem Jahr noch fertiggestellt werden -, erinnert sie sich noch sehr genau, welch anstrengender Weg es bis dahin war. Mit Sterben, Tod und Trauer war Vera Romahn schon früh in der Familie konfrontiert worden. In den 80er Jahren arbeitete sie in Heidelberg, ihr Ehemann war in der Strahlentherapie tätig. "Ich habe dort erfahren, wie gut es ist, wenn es für die austherapierten Patienten eine Einrichtung gibt, in der sie in Würde und professionell begleitet sterben können."


"Wir haben uns immer wieder gefragt, warum es hier kein stationäres Hospiz gibt"

1993 kam das Ehepaar nach Coburg und Jürgen Romahn baute eine radiologische Praxis auf.
"Wir haben uns immer wieder gefragt, warum es hier kein stationäres Hospiz gibt", erzählt Vera Romahn. 2006 gründete sich dann der Verein "Lebensraum". Und damit begannen die Mühen der Ebene. "Uns wurde immer wieder gesagt, dass Oberfranken mit den Hospizen in Bayreuth und Naila ausreichend versorgt ist." Selbst der Hinweis, dass die Wege von Coburg dorthin zu weit seien, brachte nichts. Auch ein Besuch im Staatsministerium für Gesundheit in München blieb zunächst ohne Erfolg. Bis die Ministerin Melanie Huml (CSU) 2008 zu Besuch zur Frauen-Union nach Dörfles-Esbach kam und die Ansicht vertrat, dass die Bettenzahl in der Hospizbetreuung steigen müsste. "Da haben wir uns erneut auf die Suche nach Unterstützung gemacht."


Es musste ein Träger für die Einrichtung gesucht werden

Die Stadt Coburg und ihr damaliger Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) standen hinter dem Verein. Nach einigen Absagen fand sich im Caritasverband schließlich auch ein Träger für die Einrichtung. Doch es gab noch mehr Hürden zu überwinden. Damit der Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen zustandekommen konnte, musste der Verein sich verpflichten, zehn Prozent der Betriebskosten für eine Dauer von fünf Jahren über Spenden zusammenzutragen. Das entspricht einer Summe von 400.000 Euro. "Das haben wir als unsere Aufgabe gesehen", stellt Vera Romahn fest. Also haben die Vereinsmitglieder, wo es möglich war, Geld gesammelt. Zusätzlich wurden Vorträge gehalten und Aufklärungsarbeit an Schulen geleistet. Für so viel Engagement gab es dann den Sozialpreis der Oberfrankenstiftung. Innerhalb von zwei bis drei Jahren hatten die Vereinsmitglieder das Geld beisammen. Es mussten wieder Anträge gestellt und ein Gebäude gesucht werden.

Am Ende fiel die Entscheidung für den Bauplatz in der Kükenthalstraße und einen Neubau - in der Nachbarschaft zum Seniorenheim der Caritas, St. Joseph. Ein langer Weg, fast zu lang, wie Vera Romahn findet. Und jetzt die Auszeichnung. Sie ist am Ende doch ein Grund zur Freude.