Uom wu die Schutzhütt stet, is mei liebsts Platzla". Dieses Gedicht des Mundartdichters Albert Arnold (1880 bis 1965) ist geradezu bezeichnend dafür, wie sehr die Neustadter mit "ihrer Schutzhütt'" oben auf dem 515,7 Meter hohen Muppberggipfel verbunden sind.

Nicht nur Verbundenheit, sondern auch jede Menge Heimatliebe steckt in diesem Zweizeiler. Seit der Schutzhüttenweihe am 16. Mai 1926 hat es immer und immer wieder Wander- und Naturfreunde aus Neustadt und der gesamten Region zur Schutzhütte hinauf gezogen. Seit 1928 wird sie zu Ehren von Max Oscar Arnold "Arnoldhütte" genannt. Albert Arnold, Sohn von Max Oscar Arnold, beschreibt es so: "Muss ich aa steig unn schwitz, wenn ich erscht druoben sitz, bin ich zofrieden, tut mosch net leid."

Dieses Gefühl der Zufriedenheit hat wohl auch heute noch jeder, der - auf welchem Weg auch immer - den Neustadter Hausberg hinauf steigt. Selbst alte Neustadter, die gelegentlich zu Besuch in ihre Heimatstadt kommen, lockt es "nauf do Hütt". Gründe dafür gibt es zuhauf. Vor allem aber sind es die Erinnerungen, die fast jeden Neustadter mit der Arnoldhütte verbinden. Ältere Neustadter wissen sicherlich noch von den Hüttenabenden, die während des Zweiten Weltkrieges für "Neustadter Landser" im Heimaturlaub veranstaltet wurden. Emil Herold, Neustadter Heimatschriftsteller und -forscher (1880 bis 1946), hat viele dieser Hüttenabende organisiert und heiterte mit seinen Mundartvorträgen und lustigen Geschichten die "Heimkehrer auf Zeit" auf. Nicht von ungefähr hängt daher auch ein Bild von ihm in der Arnoldhütte.


Berg statt Urlaub

Früher, gemeint sind vor allem die 1950er Jahre, konnten sich die meisten Neustadter Familien mit ihrem bescheidenen Einkommen einen Urlaub wie heute nicht leisten. Da war schon ein Spaziergang durch den Muppberg mit einer Einkehr in der Arnoldhütte etwas Besonderes. Wie freuten sich die Kinder, wenn sie zum Beispiel nach einem Osterspaziergang durch den Muppberg in der damals noch recht einfachen Hütte eine Limonade und vielleicht dazu ein Wiener Würstchen bekamen. Manchmal mussten aber auch Leberwurstbrote, von zu Hause mitgenommen, genügen.

Im Sommer, bei wärmenden Sonnenstrahlen im Biergarten, konnte man sich von der Last des Alltags befreien. Albert Arnold drückt dies in seinem Gedicht so aus: "Sitz ich dort auf do Benk oumds nouch do Arwot, khünnt o mo süst wos geschenk, ich güng net wag!" Und weiter philosophiert er: "In do Sunn, weit und bräät, glänzen Would, Wies unn Hääd, vom Groubfald rübo grüßen die Barg!"

Nicht zu übersehen ist an der Rückwand der kleinen Stube ein großformatiges Bild des Neustadter Ehrenbürgers, Geheimrat Max Oscar Arnold (1854 bis 1938). Der langjährige Vorsitzende des Verschönerungsvereins, der sich schon um den Bau des Prinzregententurms (1904 bis 1905) ausgezeichnet hatte, war einer der Hauptinitiatoren für den Bau der Arnoldhütte, die am 16. Mai 1926 eingeweiht wurde.

Max Oscar Arnold ist der Vater des Neustadter Mundartdichters Albert Arnold, der ebenso auf einem Bilde verewigt ist. Mitten im Raum stand ein alter Holzofen mit einem in die Decke führenden Ofenrohr. Der spendete vor allem in der Übergangszeit und im Winter eine behagliche Wärme. Schon längst ist dieser nostalgische Ofen durch einen wuchtigen Steinkachelofen ersetzt worden.

Wenn dann noch ein Musikant hie und da in der Hütte aufspielte, kannte die fröhliche Stimmung keine Grenzen mehr. Albert Arnold schrieb dazu schlicht und einfach: "Guts Bier gibt's üborool, ouwo am besten schmeckt mosch huoch übon Tool beim Hüttenwert! - Komm Wert, schenk noch ees ei, nocho muss gschieden sei, doch ich kumm widdo, wies Feiooumd wörd!" Und so traten manche Hüttengäste zu später Stunde die Heimkehr an - wackelnden Schrittes über den beleuchteten Reitweg hinunter. Über das, was sich da so alles abspielte, gibt es viele lustige Geschichten.


Raketen überm Turm

Unvergessen sind auch die Silvesterabende auf der Arnoldhütte. Da war schon in den späten Nachmittagsstunden die Neustadter Jugend auf dem Hausberg unterwegs. Allein der schweißtreibende Anstieg durch den hohen Schnee bereitete einen Riesenspaß. Die Hütte war schon um 19 Uhr brechend voll. Wer keinen Sitzplatz hatte, stand an der Theke und genehmigte sich wenigstens einen Glühwein oder einen "Schnitt". Höhepunkt war dann der Übergang ins neue Jahr. Ein Feuerwerk von den Zinnen des Prinzregententurms ließ den Berg taghell erscheinen. Und auch das farbenprächtige Spektakel unten in der Stadt war ein wunderbares Schauspiel.


Stammtischrunden

In der Arnoldhütte gab es über die Jahrzehnte hinweg natürlich auch viele Stammtischrunden. In den 1970er und 1980er Jahren waren an den Samstagen und Sonntagen meistens die Plätze am Stammtisch besetzt. Bekannt war auch der "Mittwochs-Stammtisch" der Arnoldhütte, der sich - völlig vereinsungebunden - für viele Belange des Muppbergs einsetzte. Von ihm aus ging die Initiative zur Wiedererrichtung des "Freundschaftstempels" im Jahre 1999.

Auch die "Bergfreunde '70", die sich schon immer (auch heute noch) tatkräftig für die Unterhaltung der Muppberganlagen einsetzten, trafen sich über viele Jahre zum Stammtisch in der Arnoldhütte, meistens nach Arbeitseinsätzen im Muppberg. In den 1950er und 1960er Jahren hatte auch die Sektion Neustadt des Deutschen Alpenvereins einen festen Stammtisch. Ein Stammtischwimpel zeugt noch davon.

In den vergangenen Monaten war die Arnoldhütte verwaist, da die bisherige Pächterin Claudia Suffa Ende November vergangenen Jahres aus persönlichen Gründen ihren Pachtvertrag nicht mehr verlängerte. Nun fand der Verschönerungsverein, der Eigentümer der Arnoldhütte ist, ein neues Pächterehepaar.

Nach mehrmonatigem Lehrstand eröffnet die Arnoldhütte wieder am 1. April. Die neuen Pächter, die Familie Jochen Stöwer aus Rödental, freut sich auf ihre Gäste. Sie sind seit der Eröffnung der Schutzhütte die 14. Hüttenpächter. Der erste Hüttenwirt war Ernst Roßbach aus der Rosenstraße, der die Hütte von 1926 bis 1930 bewirtschaftete. Schon vorher war er auch Turmwart für den Prinzregententurm.

So wünschen nun bestimmt viele Neustadter, was schon bei der Einweihung der Arnoldhütte am 16. Mai 1926 der damalige Stadtbaumeister Otto Töpfer mit drei Hammerschlägen der Hütte gewidmet hat: "Sie möge eine Stätte sein für die Wanderer zur Rast, für die Allgemeinheit zum Schutz und unserem lieben Neustadt zum Segen."