"Ich rief ihren Namen und sie reagierte nicht", das sagte ein 34-jähriger Mann vor dem Landgericht Coburg aus. Er zeigte sich überrascht von dem Tod seiner Lebensgefährtin und stritt ab, etwas damit zu tun zu haben. Der Mann steht derzeit vor Gericht, weil die Staatsanwaltschaft das Gegenteil glaubt: Für Oberstaatsanwalt Martin Dippold steht zweifelsfrei fest, dass der in Coburg lebende Mann die zahlreichen Verletzungen am linken Brustkorb der jungen Frau verursacht hat.

Der zuständige Rechtsmediziner, Prof. Dr. Peter Betz aus Erlangen, äußerte sich ähnlich: "Wo kommen denn dann die Quetschungen am Hinterkopf her?", fragte er den Angeklagten. Er habe selten eine so zugerichtete Person wie die Rödentalerin gesehen.


Auf freiem Fuß

Der Angeklagte, der zurzeit als Leiharbeiter beschäftigt ist, ist weiterhin auf freiem Fuß und weist jeden Vorwurf von sich.
Er muss sich auch noch wegen drei Fällen von Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten.
Indizien und Beweise reichten bisher nicht aus, um den 34-Jährigen festzunehmen. Das bestätigte einer der insgesamt zwölf Zeugen, darunter vier Polizisten, die am ersten Verhandlungstag vor Gericht aussagten. Der Polizeibeamte erklärte, er habe den Angeklagten zwar zunächst festgenommen, nachdem die festgestellten Verletzungen auch auf Schläge hätten zurückgeführt werden können, habe ihn dann allerdings wieder laufen lassen müssen. Zeugenaussagen, die bestätigen könnten, dass der Coburger seine Lebensgefährtin geschlagen hat, hätten sich nicht gefunden. Die auffälligen Verletzungen am Spann seines Fußes und seine geschwollene Faust habe der Mann, der drei Monate lang Mitglied eines Boxclubs war, mit "Bruchtests" an einem Holzbrett erklärt. Das bestätigte sein Kollege und eine mit dem Mann befreundete Zeugin: Der 34-Jährige habe angegeben, sich bei seinen Boxübungen verletzt zu haben.


Es sieht danach aus, als sei die Frau gewaltsam zu Tode gekommen

Rückblick: Am 6. Januar 2014 stoßen Polizeibeamte in einer Wohnung in Rödental auf eine weibliche Leiche. Die Lage des Leichnams und die Art der Verletzungen machen den anwesenden Notarzt stutzig. Er teilt der Polizei seinen Verdacht mit, dass die Frau gewaltsam zu Tode gekommen sein könnte. Der Lebensgefährte der Frau, der 34-Jährige aus Coburg, der anwesend ist, steht unter erheblichem Alkoholeinfluss. Ein von der Polizei durchgeführter Test ergibt einen Blutalkoholgehalt von 2,7 Promille.

"Wir haben damals jeden Tag getrunken und waren jeden Tag betrunken", legte der Mann über die Art seiner Partnerschaft Zeugnis ab. Am Todestag der Rödentalerin hätten beide bereits früh am Morgen mit dem Trinken angefangen. Während der Angeklagte sich später mit Arbeiten wie dem Bohren von Halterungen beschäftigt habe, soll sich seine Lebensgefährtin den Kopf bei einem Sturz im Schlafzimmer blutig geschlagen haben. "Ich habe einen Schlag gehört, lief ins Zimmer und sah, wie sie sich auf allen Vieren Richtung Bett fortbewegt", erklärte der Mann. Er habe seine Partnerin noch zu Bett gebracht und verarztet, bevor er sich wieder an seine Reparatur gemacht habe, sagte er aus. Erst später habe er gemerkt, dass seine Partnerin nicht mehr atmete. Vor lauter Aufregung habe er nicht die Nummer von Polizei und Notarzt wählen können, weil er die Vorwahl vergessen habe. Die Polizei bestätigte, dass es auf dem beschlagnahmten Mobiltelefon des Mannes "Zahlendreher" gegeben habe. Beispielsweise habe der Mann statt 19222 die 22219 gewählt. Stattdessen rief er telefonisch seinen Bruder und seine Mutter zu Hilfe, die zu ihm in die Wohnung fuhren.


Chronischer Alkoholismus

Von diesen beiden Zeugen und dem Angeklagten erfuhr die Polizei nach ihrem Eintreffen von häufigen Stürzen und massiven Verletzungen der Frau. In der Silvesternacht soll die Frau eine Treppe hinuntergefallen sein und massive Hämatome im Gesicht davongetragen haben. Ihr Arzt bestätigte, dass die Rödentalerin wegen chronischem Alkoholismus mehrfach zur Entgiftung in einer Klinik war. "Wir hatten zu der Zeit noch keinen Anhaltspunkt für eine konkrete Straftat", sagte ein Polizeibeamter. Zwar zeugten rötliche Spuren von eventuellen Blut eintragungen in der Wohnung. Der Beamte sagte jedoch dazu: "Es hat sich nicht so dargestellt, als ob ein Kampfgeschehen stattgefunden hat."

Der Bruder und die Mutter des Angeklagten beharrten darauf, mit dem Angeklagten, der in den Jahren 2010 bis 2012 in Haft saß, nicht über die Tatnacht gesprochen zu haben. Das glaubt Oberstaatsanwalt Martin Dippold den beiden Zeugen nicht.

Eine Bekannte, die regelmäßig mit dem Mann Alkohol konsumiert, sagte aus, der 34-Jährige habe sie im April 2014 derart mit der Faust traktiert, dass sie nicht nur ein Hämatom am Rücken, sondern einen dreifachen Rippenbruch erlitten habe. Sie hätte seine Mutter beleidigt, und daraufhin habe er sie geschlagen. An einer Strafverfolgung des Angeklagten habe sie kein Interesse. "Es war mein Fehler, dass er zugeschlagen hat. Ich war halt besoffen", meinte sie nur.
Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.