Der Coburger "Chor Unerhört" hat noch nie Angst vor ungewöhnlichen Werken gezeigt. In seiner gut zehnjährigen Geschichte hat der Chor sein Publikum schon mit einer Jazz-Messe und mit lateinamerikanischer Sakralmusik ebenso begeistert wie mit Carl Orffs weltlichen Gesängen "Carmina burana". Dennoch mochte sich mancher Zuhörer vor dem Auftritt am Samstag fragen: Passen Tangoklänge wirklich in den sakralen Rahmen der Coburger Morizkirche?


Großer Andrang

Denn für das diesjähriges großes Konzert hatte Chorleiterin Antoinetta Bafas die "Misa Tango" des argentinischen Komponisten Martin Palmeri als Coburger Erstaufführung ausgesucht. Schon der große Andrang lange vor Beginn der Aufführung aber zeigte, dass viele Musikfans in Coburg ganz und gar keine Bedenken gegen Tango-Emotionen im Gotteshaus hatten. Ganz im Gegenteil.


Frenetischer Beifall

Schon bei den der Messe vorangestellten Instrumental- und Gesangsstücken von Astor Piazzolla entscheidet sich das begeisterte Publikum für lautstarken, gar frenetischen Beifall - für die Vokalsolisten Ioana Tautu und Marcello Mejia-Menia und für das Tango-Ensemble aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters unter Leitung von Kontabassist Dietmar Engels.


Eindringlich musiziert

Mit heftigem Applaus für die eindringlich musizierten Werke von Astor Piazzolla und dessen Schüler Juan Carlos Cuacci klatscht sich das Publikum gleichsam warm für die folgende Erstaufführung der "Misa Tango".

Gewichtige Argumente für eine Aufführung dieser "Misa a Buenos Aires" in sakralem Rahmen liefert dann das Werk selbst. Denn der Komponist Martin Palmeri hat mit seiner 1996 uraufgeführten Messe ganz bewusst einen stilistischen Brückenschlag gewagt. Palmeri verbindet die sinnlich aufgeladenen, immer wieder drängenden Tango-Rhythmen mit vielen Elementen aus der Tradition der Kirchenmusik - von fugierten Passagen gleich zu Beginn beim Kyrie bis zur flehentlichen Bitte um Frieden, die der Solostimme (ausdrucksvoll und eindringlich: Joana Tautu) übertragen ist.


Ausdrucksvoller Gesang

Lateinischer Tex, lateinamerikanische Rhythmen und einschmeichelnde Melodien und Harmonien - diese Verbindung prägt Palmeris "Misa Tango". Und genau diese Verbindung übersetzt der "Chor Unerhört" in stets engagierten, ungemein ausdrucksvollen Gesang. Drängende Rhythmen und klare Konturen - in diesem Spannungsfeld sucht Antoinetta Bafas stets nach der rechten Balance und führt Chor und Instrumentalensemble zu einem spannungsvollen vokal-instrumentalen Dialog. Konzertmeister Martin Emmerich an der Violine und weitere Musiker des Philharmonischen Orchesters demonstrieren bei dieser Aufführung ihre bemerkenswerte Stilsicherheit im Tango-Idiom, eindringlich unterstützt durch Alexander Pankov am Bandoneon.
Intensive Klangentfaltung
Der Chor Unerhört stürzte sich mit großem Enthusiasmus und hörbar gründlich vorbereitet in das Tango-Abenteuer und beeindruckt die Zuhörer mit seinem vokal Einsatz und intensiver Klangentfaltung. Dafür gibt es schon nach jedem einzelnen Satz der "Misa Tango" lautstarken Beifall, der sich ganz am Ende zu regelrechten Ovationen steigert und mit zwei Zugaben belohnt wird.








Ein ungewöhnlicher Chor, ein ungewöhnliches Werk

Chor Unerhört Gegründet 2006 von Antoinetta Bafas. 2009 erstes eigenes Musical "Oliver". Als Themen-Konzerte wurden die Misa Criolla von Ariel Ramírez, Carl Orffs "Carmina burana", Duke Ellingtons "Sacred Concert", "Navidad Nuestra" und "Christmas meets Cuba" gegeben.

"Misa Tango" Martin Palmeri komponierte seine "Misa Tango" in der Zeit von September 195 und April 1996. Uraufgeführt wurde das Werk im August 1996 im Teatro Broadway in Buenos Aires. Inhaltlich und formal folgt das Werk dem tradierten Messordinarium mit den Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.