Sie streiken wieder. Den einen geht es um mehr Geld, den anderen um die Rettung des Klimas. Einig sind sie sich in einem Punkt: Wer mehr öffentlichen Personen-Nahverkehr will (zwecks Klimarettung), der darf nicht an den Busfahrern sparen. So steht es auf einem Transparent, das die streikenden SÜC-Busfahrer dabeihaben. So formuliert es Elias Zeltner sinngemäß bei der kleinen Zwischenkundgebung der Demo auf dem Berliner Platz.

Michael Blümlein, ehrenamtlicher Ver.di-Funktionär und zuständig für die SÜC-Busfahrer, hört's mit Freuden. "Wir wollen unterstützen, wenn es um Verkehrswende, Umwelt- und Klimaschutz geht", sagt er. "Aber der Ausbau des ÖPNV kostet Geld, und man darf nicht an den Beschäftigten sparen." Denn die werden dann noch mehr gefordert. "Wir blicken immer wieder in entsetzte Augen, wenn wir sagen, dass der letzte Bus um 20.15 Uhr fährt", schildert Blümlein Begegnungen mit neu zugezogenen Studenten. Wird aber der Busverkehr ausgeweitet, bedeutet das auch andere Schichtzeiten für die Fahrer, die bislang um 21 Uhr Feierabend haben.

Mehr Busse sind aber nur einer der Punkte, die Noah Meissner und Sascha Greilinger bei der Abschlusskundgebung am Marktplatz vortragen. Ein 365-Euro-Ticket für die Region, kostenlose Stadtbusse am Samstag, kostenlose Schülertickets auch für die 11. bis 13. Klassen, auf der Schiene mehr Fahrten nach Nürnberg, zweigleisiger Ausbau zwischen Creidlitz und Cortendorf, Schienenlückenschluss nach Thüringen, Leihräder in der Stadt, mehr Raum für Radwege, lauten weitere Forderungen.

Städtisches Busnetz lahmgelegt

Derweil geht im städtischen Busnetz nichts: Wie schon vor etwas mehr als zwei Wochen hatte die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ihre Mitglieder zu einem eintägigen Ausstand aufgerufen. Gefordert werden bessere Arbeitsbedingungen und der bessere TVN-Tarif (öffentlicher Dienst) anstelle der Entlohnung nach dem Regelwerk des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO). Einige Fahrer der SÜC Verkehrsbetriebe werde nach dem TVN bezahlt, die Masse nach dem Tarif des LBO.

LBO und Ver.di ringen derzeit um einen neuen Lohntarifvertrag für rund 18 000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft will mit dem neuerlichen Streik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, nachdem die nächsten Verhandlungen erst für Anfang nächsten Jahres terminiert wurden. Nachdem der öffentliche Personennahverkehr, auch aus Gründen des Klimaschutzes, ausgeweitet werden soll, sieht sich die Gewerkschaft verpflichtet, mehr Gehalt für das Fahrpersonal zu fordern. "Systemrelevant in der Gegenwart, Löhne in der Steinzeit" hieß es auf einem der Transparente, die an der Einfahrt zum SÜC-Werksgelände in der Coburger Uferstraße am Freitagvormittag angebracht waren. Dort hatten sich die Fahrer versammelt. Diesmal waren alle zum Streik aufgerufen, denn auch für die TVN-Beschäftigten ist die Friedenspflicht vorbei, sagte Michael Blümlein.

Die SÜC hatten wegen des Warnstreiks am Freitag den Busverkehr eingestellt. In Pandemie-Zeiten mache es keinen Sinn, dass sich die Fahrgäste in einige wenige Busse drängen würden, hieß es. Raimund Angermüller, Leiter des SÜC-Verkehrsbetriebs, bedauerte, dass die Tarifparteien in den vergangenen zwei Wochen nicht aufeinander zugegangen seien. Darunter würden die Fahrgäste und besonders die Schüler leiden.

Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) erklärte in einer Pressemitteilung, man habe weiterhin kein Verständnis für diese wiederholte Tarifkampfmaßnahme und forderte die Gewerkschaft auf, von ihrer "überzogenen Lohnforderung" abzukehren.

Ver.di fordert für die Busfahrer 3,50 Euro pro Stunde mehr, bei einer Laufzeit von 18 Monaten von den privaten Verkehrsunternehmen im Nah- und Reiseverkehr. Das sei eine Erhöhung um 30 Prozent und für die überwiegend mittelständischen Busunternehmen momentan schlicht nicht darstellbar, heißt es in der Mitteilung des LBO.