Eine Gesellschaft ohne jegliche Werte, Moral, Ideale oder Charakter. Fünf Protagonisten - zwei Frauen, drei Männer - verkörpern diese Gesellschaft. Das Einzige, was ihnen noch etwas bedeutet, ist die emotionale Befriedigung im Spiel. "Sie befinden sich an einem abschreckenden Punkt menschlicher Entwicklung", erklärt Valentin Fruntke, einer der beiden Autoren des Theaterstücks "Das Volksfest".

Er ist gerade 20 Jahre alt und es ist schon das zweite Stück, das er zusammen mit Volkmar Günther, 18 Jahre, entwickelt, geschrieben und auf die Bühne gebracht hat. Die beiden Schauspieler haben sich 2011 im Jugendclub des Landestheaters Coburg kennengelernt und seitdem in vielen Stücken Seite an Seite gespielt. 2016 lud das Theater in Senftenberg den Club mit seinem Schauspiel "Tristan und Isolde" zum Bundestreffen deutscher Jugendclubs ein.


Soziale Dystopie

Mit der Thematik ihres Stücks "Das Volksfest" setzten sich die beiden Schauspieler seit Sommer 2015 auseinander. Auf den Gedanken einer solchen sozialen Dystopie brachte sie Arthur Schnitzlers Drama "Der grüne Kakadu", auf das Valentin Fruntke im Deutschunterricht aufmerksam wurde. Schnitzler schreibt von der Pariser Oberschicht, die in der Zeit der französischen Revolution ihren eigenen Untergang nachspielt.

"Erst hatten wir überlegt, dieses Stück auf die Bühne zu bringen, aber die Handlung hat sich von der anfänglichen Thematik, die uns so interessiert hat, weit entfernt, deswegen haben wir unser eigenes Projekt gestartet", erzählt Valentin Fruntke.

Die Handlung von ihrem "Volksfest" ist schnell erklärt: Fünf Menschen, für die nur noch die emotionale Befriedigung zählt und die man auf ihrem Weg begleitet, wie sie zu immer drastischeren Mitteln greifen, aus denen sie noch etwas Gefallen schöpfen können. "Im Laufe des Stücks wird klar, dass es kein gutes Ende nehmen kann und eigentlich auf nur einen logischen Schluss hinausläuft", erläutert Fruntke. Er vergleicht es mit einem Menschen, der langsam aber sicher in die Drogenabhängigkeit rutscht. "Man beobachtet, wie er immer stärkere und immer mehr Drogen nimmt. Als Außenstehender weiß man, wo das zwangsläufig enden wird." Und so sei es auch mit ihrem Stück. Besonders diese Beziehung zum Zuschauer ist essenziell für das Schauspiel. "Das Stück ist weder wertend noch gesellschaftskritisch", betont der 20-Jährige. "Wir zeigen einfach etwas, und der Zuschauer soll sich dann seine eigene Meinung bilden."

Die Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Mittel des modernen Theaters auszuloten, um die Emotionen für den Zuschauer greifbarer zu machen. "Man kann viel über Licht und Musik machen", bestätigt Valentin Fruntke, aber sie fokussieren sich stärker auf die Wirkung der Sprache. "Sie ändert sich je nach Szene oder Situation, manchmal ist auch Lyrik enthalten." So zum Beispiel das Gedicht "Es brennt so schön!", das in einer fast schon romantischen Weise beschreibt, wie eine Stadt stellvertretend für die Gesellschaft von Flammen verzehrt wird: "Stirb doch, Weltall, tot sein wirst du nie!"


Workshops für Schüler

Siegfried Pecher, Vorsitzender des Fördervereins Kleinkunst und Varieté, half mit tatkräftiger Unterstützung. "Besonders mit der Organisation und beim Marketing wie zum Beispiel auf der Sponsorensuche hat er uns viel geholfen", ist Fruntke dankbar.

"Die Dramen-Analyse stellt einen wichtigen Teil im Deutsch-Abitur dar", betont der Schauspieler und erzählt, wie viel einfacher ihm das in der Abitur-Prüfung gefallen sei, nachdem er selbst ein Theaterstück geschrieben hat. "Deswegen wollen wir Schülern der Coburger Gymnasien die Möglichkeit bieten, einen Einblick in die Arbeit eines Autors zu erhalten und seine Perspektive nachzuempfinden, damit ihnen die Analyse eines dramatischen Textes leichter fällt."

Terminlich haben sie die dritte Märzwoche für diese Workshops im Auge, man kann aber auch zu anderen Zeiten Treffen mit ihnen vereinbaren. "Konzipiert ist das eher für obere Klassen, also Oberstufe", bestätigt Volkmar Günther.

Das sei seiner Meinung nach auch ungefähr das Alter, in dem das Stück interessant wird. "Weil man dann anfängt, sich selbst mit der Thematik unseres Schauspiels auseinanderzusetzen."

Diese Workshops sind für alle kostenlos, die einzige Voraussetzung ist, dass die Schüler Karten für eine der vier Vorstellungen erwerben. Anschließend an die Aufführungen soll es auch ein Nachgespräch geben, bei dem sich die Schüler mit Darstellern und Autoren austauschen.

Aufgeführt wird "Das Volksfest" vom 30. März bis zum 2. April um jeweils 19 Uhr in der Rudolf-Steiner-Schule in Coburg, Callenberg 12. Weitere Informationen oder Anmeldung zum Workshop bei Valentin Fruntke unter 0151/20907340.